Ich hab’s satt – Aufschrei einer Überforderten

Mir reicht’s, Leute, ehrlich, vielleicht liegt es an dem Korrekturenstapel, dem Plätzchenbauch, meinen pubertierenden Kindern, meiner gerademal wieder nervenden Mutter, meinem vorm ersten Zusammentreffen mit meinen Eltern nervösen Partner oder dem Umstand, dass Weihnachten bei mir stattfinden wird – aber mir ist heute mal wieder mit voller Wucht deutlich geworden, wie es aussieht: Ich werde den Ansprüchen der anderen nie genügen können:

Ich werde nie

Schlank genug 

Verständnisvoll genug

Ausreichend ordentlich

Ausreichend gut kochend 

Eine vorbildliche Tochter

Eine vorbildliche Mutter 

Eine begeisterte Hausfrau

Eine aufschauende Partnerin 

sein.

Ich habe diese ganzen Anforderungen so satt.

Mein Sohn sagt zu mir immer: Ich hab‘ dich lieb, Mama – wenn er mich besänftigen will. Dann sage ich immer: Ich hab‘ mich auch lieb. Und das meine ich auch so. 

Houston, wir haben ein Problem – Wie ich regelmäßig an den „kleinen Dingen“ scheitere

(Dies ist ein nicht ganz ernstgemeinter Artikel, der aber leider trotzdem einen sehr wahren Kern hat. Seufz.)

Ich bin jemand für die großen Dinge: Liebeskummer heilen, den Nahostkonflikt lösen, die Welttevolution planen. Dafür bin ich genau die richtige.

An den kleinen Dingen scheitere ich jedoch regelmäßig. Heute Morgen zum Beispiel daran, dass wieder dieses blöde Mittelteil in der Besteckschublade der Geschirrspülmaschine runtergekracht ist.

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Auch bei der Arbeit treiben mich die angeblich kleinen Dinge regelmäßig in den Wahnsinn: die Multimediaeinheit, die beim Schülerreferat rumzickt oder auch, obwohl reserviert, nicht im vorgesehenen Raum ist. Die Doppelbelegung von Zimmern, dass ich Vertretung gleichzeitig in zwei Klassen habe. Solche Dinge nerven mich total, weil sie so unnötig sind. Und teilweise auch an Egoismus und Schlamperei oder was auch immer liegen oder eben an den Tücken der Technik.

Wenn dagegen ein Schüler ein ernstzunehmendes Problem hat, das höre ich mir gerne an und habe vielleicht sogar ganz gute Tipps. Aber dieser Kleinkram, der zu so viel Reibungs- und Energieverlusten führt, der nervt mich gewaltig, je nach akutem Stresslevel mal mehr, mal weniger.

Wenn zum Beispiel die Geschirrspülmaschine oder Waschmaschine zickt, werde ich schnell ungeduldig. Diese Geräte sollen einfach gehen und gut. Wenn ich dann genervt irgendwas mache, führt das oft zu nichts Gutem. Die empfindliche Elektronik der sauteuren Waschmaschine reagiert jedenfalls schon leicht verstört auf mich. 

Früher hat mein Exmann all diesen Kram repariert und  dann gerne auch mal kommentiert, dass ich „dumm wie Scheisse“ (Originalzitat) sei. Kann ich auch darauf verzichten auf so eine Hilfe. Jetzt löse ich technische Probleme halt auf meine Art oder mit Hilfe des Klempners.

Was soll ich sagen, ich bin halt mehr Psychologin und Philosophin als Handwerkerin. Was  mich eigentlich nervt, ist glaube ich das Ausgeliefertsein in so Situationen bei gleichzeitiger Lächerlichkeit des Ganzen. Wenn ich schon ausgeliefert bin, soll es wenigstens ein echtes Problem sein, Liebeskummer, Streit mit einer Freundin, Sorgen der Kinder usw. Wie gesagt, da bin ich qualifiziert, da helfe ich gern.

Unter dem Wahren, Schönen und Guten mache ich es nicht. Aber leider funktioniert das Leben nicht so und der Philosoph muss auch mal Wäsche waschen. 

Und ich mich jetzt um das blöde Teil der Geschirrspülmaschine kümmern. 

Was Liebe wirklich heißt…

… ist einem, wenn man Kind oder Jugendliche ist, ja gar nicht klar. Man hat irgendwelche verschwommenen Vorstellungen, die zuckersüß angekitscht sind von Märchen, Romanen und Filmen, je nach Alter. 

Was Liebe – genauer, zu lieben – wirklich bedeutet für mich, habe ich erst viel später begriffen: durch meine Beziehungen und durch meine Kinder. 

Man hat jetzt plötzlich tausend Freuden, aber eben auch tausend Sorgen, die man ohne den anderen nicht hätte.

Man erlebt mit dem anderen seine Erfolge, aber auch seine Niederlagen.

Man ist verletzlich und angreifbar, wenn der andere verletzt oder angegriffen wird.

Ob man glücklich ist, hängt auch davon ab, ob der andere glücklich ist.

Man ist, mit anderen Worten, nicht mehr frei, wie viele sagen würden. 

Dafür wird man so angenommen, wie man ist. Denn das ist geliebt werden: Man kann einfach man selbst sein. Und das ist letztlich auch eine Form von Freiheit. 

Ich rede, also bin ich – Gedanken über die Funktion von Kommunikation

Vor ein paar Jahren war ich wegen einer Stimmbandentzündung sprachlos und gab unserer damaligen Schulleitung eine Krankmeldung ab und gestikulierte, dass ich nicht reden dürfe. Worauf sich die beiden Herren ungelogen schlapplachten, weil sie es so lustig fanden, dass jemand mit so einer großen Klappe wie ich sprachlos sei. Hmpf. 

In der Tat ist Sprache, und zwar gesprochene Sprache, und gelebte Kommunikation DAS wichtige Moment in meinem Beruf. Es gab zwar einen Kollegen, der mit seiner jährlichen fetten Halsentzündung stoisch schwieg und alles mit Power Point machte, aber das ist die Ausnahme. Ich zum Beispiel hätte weder eine passende PP im Schrank (geschweige denn die Nerven, krank eine vorzubereiten), noch finde ich den Unterricht in meinen Fächern ohne Reden praktikabel.

Unterricht ist Kommunikation. Der Austausch von Positionen und Meinungen, das gemeinsame Aufspüren von Deutungen, Zusammenhängen usw. Das mag auf den ersten Blick nicht für alle Fächer gelten, aber sogar Mathekollegen berichten teilweise ähnliches, da geht es ja letztlich auch um Lösungsvorschläge für Probleme, nur kommt, im Gegensatz zu Deutsch (Ausnahme: Grammatik und Rechtschreibung) und Politik am Ende richtig oder falsch raus.

Im Unterricht ist es wie im sonstigen Leben, wenn kein wirklicher Austausch stattfindet, sondern immer nur einer redet und der Rest abnickt, kann es nicht zu wirklichen Erkenntnisprozessen kommen. Guter Unterricht kann nicht allein stattfinden. 

Wie gesagt, das gilt auch für gute Politik, gute Forschung, gute Ehen, gute Freundschaften und gute Erziehung. All das kann nicht einer von der Kanzel herabpredigen und der Rest folgt nur – gelangweilt, resignativ oder widerwillig oder irgendwann eben gar nicht mehr. 

Folge einer verfehlten Kommunikation sind dann die Wahl von Parteien, von denen man vermeintlich gehört wird. Vergeudete Forschungsgelder und Zeit, weil jemand verblendet von vermeintlicher eigener Genialität einen kleinen, aber entscheidenden Fehler in seiner Hypthesenbildung übersehen hat. Der überraschte Blick des Partners, wenn der andere die Scheidung einreicht. („Es war doch immer alles in Ordnung.“) Menschen, die aus allen Wolken fallen, über Dinge, die sie ihrem alten  Freund/ihrer alten Freundin NIEMALS zugetraut hätten. Und schließlich Eltern, die fassungslos sind und ihre Kinder nicht wiedererkennen. (Faustregel: In einer kommunikativ offenen Familie machen die Kinder auch dumme Sachen, aber die Eltern können grob nachvollziehen, wenn auch nicht billigen, warum, und schlagen vor allem dem Kind nicht die Tür zu, sondern halten die Kommunikation offen.)

Denn es gilt: Wer nicht mehr miteinander redet, hat schon verloren.

Über die Tröstlichkeit der kleinen Dinge

Was mich, wenn ich down bin, aufrechterhält, sind nicht die großen Sachen, sondern die kleinen Dinge. Es gab Zeiten, da gab es nur diese kleinen Dinge und dank dieser habe ich überlebt.

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Erst jetzt wird mir klar, dass ich dadurch eine sehr nützliche Notfallapotheke angesammelt habe, die ich jederzeit zum Einsatz bringen und mit der ich mir natürlich auch jeden normalen Tag verschönern kann. Weil ich immer noch sehr vergrippt bin, greife ich gerade voll in diesen Fundus, dass ich nicht zu sehr verzage. 

Dinge, die mir – und vielleicht auch anderen – immer helfen (das heißt, es geht einem danach nicht unbedingt gut, aber auf jeden Fall besser):

… Ein gutes Buch lesen (am besten, nicht lachen(!), eines, das man schon kennt, und von dem man weiß, es wird einen trösten oder ablenken) 

… Einen lustigen Film gucken oder wenigstens einen, bei dem man so richtig schön mitheulen kann (auch hier, um Überraschungen zu vermeiden, am besten einen, den man schon kennt)

… Gute-Laune-Musik hören oder eher Melancholisches (je nach Bedürfnis) 

… Im Wald spazieren gehen (die Luft einatmen, die Bäume und Tiere wahrnehmen, die Geräusche, den Duft, die Farben)

… Joggen, Qi Gong oder Yoga machen oder einfach zu Musik im Wohnzimmer tanzen (wenn man fit genug ist) 

… Ein Bad mit tollen Duft nehmen, eine Gesichtsmaske machen, eine Vanillekörpercreme nehmen (sich mit anderen Worten körperlich umsorgen)

… Eine Klatsch-, Mode- oder Lifestyle-Zeitschrift kaufen (lenkt schön ab) 

… Etwas Süßes essen (mit Genuss und ohne Reue, langsam und nur eine Sache)

Wenn andere erreichbar sind (was ja nicht immer der Fall ist):

…Mit einer lieben Freundin oder einem lieben Freund chatten, telefonieren oder, besser noch, sich treffen 

… Mit den Kindern, dem Partner oder wer immer greifbar und bereit ist, Quatsch machen 

… Eine Runde Skat spielen (für mich die beste Ablenkung überhaupt!) 

Was ich eher nicht tun sollte:

… Meine Mom anrufen (macht sich nur Sorgen und man fühlt sich hinterher noch schlechter)

… Nachrichten oder einen Krimi gucken

… Berge von Klamotten oder Kosmetikkram einkaufen 

… Alkohol zur Betäubung nutzen  

… Sich besinnungslos mit Essen aller Art vollstopfen

(Das weiß ich deshalb so genau, weil ich es hinterher fast immer bereut habe. ) 

Ich mache es mir jetzt mal mit einem Buch gemütlich…

Bis dann!

Was ist Glück? – Gedanken über etwas, was alle haben wollen

Ja, ich bin glücklich. Ich kann das einfach so sagen, weil es stimmt. Inzwischen. 

Ich weiß aber, dass viele Menschen auf der Suche nach dem Glück sind oder von sich sagen, dass sie unglücklich sind. 

In meinem Alter, mit Mitte 40, ist man angeblich am unglücklichsten. Ich kann für mich sagen, dass das nicht stimmt, meine zehn mageren Jahre, im biblischen Sinne, habe ich vor drei Jahren hinter mir gelassen.

Wenn ich mich im Nachhinein frage, warum ich damals so unglücklich war, habe ich vielfältige Antworten:

… Wenig Schlaf durch kleine Kinder und Stress im Job und in Ehe (Schlafentzug ist bekanntlich eine Foltermethode)

… Unklarheit, was ich eigentlich will (lieber ganz zu Hause bleiben, lieber mehr Arbeiten, Scheidung usw. usw.)

… Unsicherheit, ob ich eine gute Mutter bin. 

… Zweifel, ob ich attraktiv bin.

… Hadern damit, aufs Land umgezogen zu sein. 

An extremen Tagen habe ich gerne mal alles in Frage gestellt: meinen Job, meine Mutterschaft, meine Ehe, meinen Wohnort. Ich habe mich buchstäblich in mir selbst nicht mehr zu Hause gefühlt. 

Inzwischen hat sich der Nebel geklärt und ich bin glücklich, weil ich weiß, was ich will, und mich wieder „als Regisseur in meinem eigenen Film“ (geniales Zitat aus einem Film mit Achim Rhode) sehe. Ich habe mich  entschieden:

… Ich liebe meinen Job, weil mir die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen großen Spaß bringt.

… Ich bin vermutlich keine „normale“ Mutter, aber ich gebe mein Bestes und meine Kinder finden mich „cool“ (wahlweise auch „crazy“ oder „gechillt“)

… Ich habe mich nach langem inneren Kampf  von meinem ersten Mann getrennt und habe erfahren, dass ich – überraschend für ihn und mich – auch allein super klarkomme.

… Ich weiß jetzt, dass ich attraktiv bin und gut ankomme beim anderen Geschlecht. (Klingt sehr eitel, aber freut mich einfach und bin ja auch  schon wieder in festen Händen… Den Satz, dass eine Frau über 40 eher Opfer eines terroristischen Anschlags wird, als einen Mann findet, kann ich jedenfalls – auch für meinen Freundeskreis – nicht bestätigen.)

… Ach ja, und das Leben auf dem Land ist auch cool, man muss – wie immer – nur die richtigen Leute kennen. 

Kurzum: Ja, ich bin glücklich. (Was nicht heißt, dass ich ab und zu nicht Kummer habe, mich aufrege oder schlapp bin.)

Ob ich irgendwelche Tipps habe? Eigentlich nur einen: Überlegt euch, was ihr vom Leben wollt und macht es! Es stimmt nicht, dass „nichts Besseres“ nachkommt. Darum horcht in euch hinein und fragt euch, was ihr wollt. Es lohnt sich!

Manchmal wünsche ich mir eine Rute – wenig beschauliche Gedanken zum Nikolaus

Manchmal wünsche ich mir eine Rute oder dass wenigstens Knecht Ruprecht, der gestrenge Gehilfe vom Nikolaus, mal eingreift und sich um ein paar Leute speziell kümmert:

… Um eitle, vor sich hinlügende Politiker

… Um egoistische, ihre Mitarbeiter vergessene Firmenchefs

… Um skandalsüchtige, das Volk aufhetzende Sensationsjournalisten

… Um Ihre Macht ausnutzende Lehrer und Chefs 

… Um ewig herumnörgelnde, alles madig machende Kollegen, Familienangehörige und sonstige Miesepeter

… Um nervige Helikoptereltern, die ihre Kinder von der Selbstständigkeit abhalten

… Um Menschen, die darüber Vorträge halten, wie sie durch ihr Essverhalten die Welt retten und die Probleme des sogenannten kleinen Mannes gar nicht wahrnehmen

… Um alle, die ihre Mitmenschen um den inneren Frieden bringen, weil sie ihn selbst nicht haben.

Leider gibt es Knecht Ruprecht gar nicht, also müssen wir uns wohl selbst schützen. 

In diesem Sinne: lasst euch nicht aus der Ruhe bringen und genießt diese an sich besinnlich gedachte Zeit etwas!

PS: Diese Erkenntnisse gelten natürlich auch, wenn nicht Advent ist.