„Du wirst wie deine Mutter“

Als Kind habe ich es immer gehasst, wenn die Leute behauptet haben, ich sähe aus, wie meine Mutter. Ich wollte aussehen wie ich selbst.

Dann, als junge Frau, fand ich es gut, so auszusehen, weil ich entdeckt hatte, dass meine Mutter in ihren Zwanzigern und Dreißigern sehr attraktiv war. Und so ich trug eine Zeit lang mein Haar halblang wie sie usw.

In meiner ersten Ehe stellte ich dann fest, dass ich meinen Mann, mit „Mutti“ anbrüllte, wenn ich total außer mir war. Denn die traurige Wahrheit ist: niemand außer meiner Mutter und meinem Ex können mich so zur Weißglut bringen. Umgekehrt warf mir mein Exgatte an den Kopf, ich würde wie meine Mutter. Das sollte wohl als die Höchststufe der Beleidigung gelten. Ich glaube, viele Ehen funktionieren so.

Dann mit der beginnenden Midlife-Crisis allerorten, im Freundeskreis und bei mir selbst, musste ich feststellen, soooo schlecht hat meine Mutter ihren Job gar nicht gemacht: ich wurde humorvoll und tolerant erzogen, wir haben viel gelacht, konnten offen über Jungs reden und es war immer klar, dass meine  Eltern noch Sex hatten und das gerne. (In anderen Familien anscheinend ein Tabuthema.) Ich konnte meine Probleme jedenfalls nicht auf meine Mutter zurückführen, wie viele Frauen das in meinem Umkreis machen, ob gerechtfertigt oder nicht, keine Ahnung. Zwischendrin dachte ich bang, oje, wenn meine Tochter auch mal so über mich redet…

Inzwischen ist es so weit, dass meine Tochter angesprochen wird, dass sie und ich uns so ähnlich sähen. Und sie freut sich darüber. Unglaublich! Glück gehabt. 

2 Kommentare zu „„Du wirst wie deine Mutter“

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