Schlaflos im Odenwald

Es gab ja mal diesen Film „Schlaflos in Seattle“ mit Tom Hanks und der noch ungebotoxten Meg Ryan. Eine klassische romantische Komödie. In Wirklichkeit ist Schlaflosigkeit wenig romantisch  Sie zerrt an den Nerven, führt zu Fehlern am nächsten Tag und macht je nach Temperament oder Situation aggressiv oder depressiv.

dav

Heute Nacht habe ich wieder mal miserabel geschlafen, so dass ich im Unterricht vor lauter Müdigkeit echte Wortfindungsstörungen hatte. Ich meinte, vielleicht kündige sich so ein Migräneschub an, worauf ein Schüler trocken sagte: „Vielleicht haben Sie auch einen Gehirntumor.“

Seufz. Ich glaube eher nicht. Aber ich bin nicht allein: Durch Zufall entdeckte ich, dass eine Freundin auch wach war und wir chatteten kurz, ein Freund schickte mir wenig später einen Link, war also auch wach.

Es ist zwar tröstlich, festzustellen, dass andere auch wach sind, aber zu surfen oder zu chatten macht eher noch wacher und man kann erst recht nicht einschlafen. Genausowenig war es clever von mir, die Zeit zu nutzen und um Zwei noch einen Blog zu schreiben, wobei meine Mutter früher immer nachts geschrieben hat, weil sie da angeblich am kreativsten war. Als Kind dachte ich immer, die spinnt, tja. 

Leider neige ich auch dazu, wenn ich schonmal aufgestanden bin, weil ich aufs Klo musste, gleich noch die Abzweigung in die Küche zu nehmen. Es heißt ja immer, zu wenig Schlaf mache dick, weil man dann vermehrt Cortisol ausschütte – vielleicht liegt es aber auch an den nächtlichen Kühlschrankgängen…

Gut dagegen sind: Tee trinken, Massageöl auftragen oder im „Spiegel“ lesen. Wenn es schon Fünf war, habe ich manchmal auch einfach den Tag begonnen, bin aufgestanden und habe mich mit Kaffee in den Sessel gesetzt und ein Buch gelesen oder sogar am Schreibtisch die aktuelle Klassenarbeit oder Klausur weiter korrigiert. An solchen Tagen ist man dann allerdings spätestens um Eins stehend k. o.  und sollte auf keinen Fall längere Pausen im Arbeitsvormittag haben, weil einen sonst sofort eine Lawine von bleierner Müdigkeit überrollt. Ungünstig sind auch quicklebendige Unterstufenschüler oder verquatschte und giggelnde Pubertierende. Ideal dagegen ist die Kursstufe, weil man hier auf jeden Fall stets der Fitteste sein wird. Und falls nicht, wird man oft  verständnisvoll aufgemuntert. Als die Kinder klein waren und die Nächte anstrengend, fragten mich die Abis oft: „Na, auch zu lange weg gewesen?“ Dass man aus anderen Gründen nicht schlafen kann, hat man in dem Alter eher nicht auf dem Schirm. Manchmal befürchtete ich, durch mein abschreckendes Beispiel mit an der Geburtenarmut in Deutschland schuld zu sein. 

Jedenfalls habe ich mir heute einen Wecker gekauft und werde das Handy im Flugmodus in meine Nachttischschublade tun, in einen  anderen Raum schaffe ich noch nicht. (Handysucht, wie mein Tochter nüchtern konstatiert.) Ziel ist es, nachts nicht das Smartphone in die Hand zu nehmen, sondern nur aufs Klo zu gehen und dann einfach weiterzuschlafen. Ohne Umwege. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

3 Kommentare zu „Schlaflos im Odenwald

  1. Vielen lieben Dank! 😊 Ich schreibe schon ewig und habe mir jetzt ein Herz gefasst, mich mal außerhalb von Schuljahr-Jahrbuch und Co. einer Öffentlichkeit zu zeigen. Bin ein bisschen im Bloggingrausch gerade! (Obwohl ich mich eigentlich mehr den Korrekturen widmen sollte…)

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