Wenn Wechseljahre auf Pubertät treffen

…. dann gucken die Männer im Hause Mutter und Tochter hilflos zu und ducken sich weg.  So oder so ähnlich lautete mal der Text über einen Fernsehbeitrag zu der Reihe „36 Grad“ zu diesem Thema. 

dav

Damals fiel mit zum ersten Mal auf, dass das bei uns so sein würde: meine Wechseljahre würden mit der Pubertät meiner Tochter zusammenfallen. Jetzt sind wir beide etwas früher dran als gedacht und mittendrin in dem hormonellen Wahnsinn. Und was soll ich sagen? Es ist wider Erwarten bisher eher angenehm: Wir beiden heulen schnell und lachen schnell und kriegen schnell Zornesausbrüche und beruhigen uns schnell. Sieht von außen alles anstrengend aus wahrscheinlich, ist aber irgendwie vollkommen okay. Man hat nämlich immer das Gefühl, dass da jemand ist, der einem in seinem Wechselbädern der Emotionen nachvollziehen kann. Und das hatte ich zum Beispiel in meiner Pubertät zu Hause nie: Wie oft lag ich da abends heulend im Bett mit heißen Tränen und der verzweifelten Gewissheit, dass meine Mutter mich so gar nicht versteht.

Jetzt tröstet mich meine Tochter, wenn ich Liebeskummer habe oder ich sie, wenn ihre Haarfärbeexperimente mal daneben gingen. Wir sind irgendwie ein Mädelsteam geworden, vermutlich, weil bei uns die Jungs und die Mädels in der Familie sich nach der Trennung aufgeteilt haben. Bei Schülerinnen habe ich das auch schon beobachtet, dass die mit ihrer geschiedenen Mama ein Team sind und erstaunlich nett über ihre Mütter sprechen.

Natürlich nerven wir uns gegenseitig auch mal, wenn ich zum Beispiel zu sehr von meinem neuen Partner schwärme oder wenn meine Tochter praktisch zweimal die Woche einen neuen Haarfärbeplan hat. Aber dafür bin ich beim Scheitern meiner vorigen Beziehung (nach der Ehe wieder frisch auf dem Markt und verliebt wie mit 15) von meiner Tochter in den Arm genommen worden, wenn ich mal wieder tränenüberströmt und teeniehaft an der Welt verzweifelnd dasaß. („Ach Mama, der… ist doch eine Mülltonne, der findet nie wieder so eine tolle Frau wie dich!“) Sie ihrerseits kann darauf bauen, dass ich Verzweiflungs- und Zornesausbrüchen über das Elend des Schülerdaseins verständnisvoll begegne. („Ach komm, Schatz, in zwei Tagen ist schon Wochenende!“)

Schön auch die Momente, wo man gemeinsam vorm Fernseher heult oder sich beim Stofftierspielen schlapplacht. (Ja, wir haben einen Klugscheißer-Pinguin und einen ADHS-Tiger, mit denen wir quasi alle innerfamiliären Probleme von Hausaufgaben-Unlust bis Weltschmerz lösen.) Und was die vulkanartigen Heul- und Wutausbrüche  auf beiden Seiten betrifft, die sind bei uns mal größer und mal kleiner, aber immer schnell vorbei. 

Insgesamt, würde ich bis jetzt sagen: eine verrückte Zeit, aber eine intensive Zeit!

4 Kommentare zu „Wenn Wechseljahre auf Pubertät treffen

  1. Bei mir müsste es vielleicht heissen….midlife crisi vs. Pubertät….hihi….mein sohn ist 16….und wir haben z.zt.kämpfe….die wir nienhatten….ist auch schwer wenn ein outlaw vater seinem sohn nahebringen soll teil ihres systems zu wrrden….schule…etc….love and peace

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    1. Meine Tochter sagt immer, sie sei „kein Lernroboter“. Finde ich cool, aber wissen ist halt auch Macht, und nichts wissen ist schon peinlich. (Im Gegensatz zu dem blöden Spruch „Wissen ist Macht – Nichts wissen macht auch nix.“) Ist einfach besser, man kritisiert die Zustände UND weiß Bescheid. Mein Sohn hat das geschnallt. Vielleicht kommt das bei ihr auch noch.

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