„Und die Melancholie umhüllte ihn wie ein warmer dunkler Mantel“

… heißt es in Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ und ist mein Literatur-Lieblingszitat forever. Ich bin als Novemberkind naturgemäß anfällig für Melancholie und gebe zu, manchmal brauche es das einfach, mich mit Decke in den Sessel zu kuscheln, den großartigen Leonard Cohen zu hören, einer Kerze beim Flackern zusehen und meinen Gedanken nachzuhängen.

dav

Herbst und Winter eigenen sich durch die frühe Dunkelheit dafür besonders gut, im Frühling und Sommer ist eher Aufbruch und Rausgehen und Geselligkeit angesagt.

Ich muss zugeben, dass ich in der sogenannten dunklen Jahreszeit immer  besonders merke, dass der Mensch eigentlich ein Tier ist. Was bin ich müde, wenn an manchen Tagen das Morgengrauen fließend in den bedeckten Himmel und schließlich in die Abenddämmerung übergeht … Eben habe ich mich vertippt und „Morgendämmerung“ geschrieben. Das trifft es ganz gut: Manchmal hat man das Gefühl, es dämmert schon am Morgen. An solchen Tagen setzt man sich gerne mit einem Tee in den Sessel und lauscht Leonard Cohen. 

Zum Glück gibt es auch die klirrend kalten, aber sonnigen Tage, das ist mein Wetter! An solchen Tagen bin ich hellwach, voller Tatendrang und habe immer ein Lächeln auf den Lippen.

Ja, man kann durchaus auch in den dunklen Monaten gut drauf sein und bis Weihnachten liebe ich diese Zeit auch sehr: Tannenduft und Plätzchenbacken, die Wohnung adventlich „verschickern“, wie meine Tochter sagt. Das alles finde ich herrlich und genieße es in vollen Zügen. 

Als Jugendliche hat mir mal eine runtergebrannte Kerze den Adventskranz etwas  in Brand gesetzt., aber sonst habe ich nur nostalgische Erinnerungen an diese Zeit… Heute mache ich es mir immer bewusst gemütlich jeden Tag und lege den Entschleunigungsgang ein und versuche das auch meinem Schülern zu vermitteln, indem ich manchmal etwas Besinnliches im Unterricht mache. Ich versuche gegen die häufig um sich greifende weihnachtliche Hektik gegenzusteuern.

Nach der chinesischen Philosophie des Yin und Yang ist der Winter die Zeit des Yin und man sollte ihn nutzen, um sich zu sammeln und zur Ruhe zu kommen. Wie ein Bekloppter von einer vorweihnachtlichen Verpflichtung zur anderen zu hetzen ist da eher kontraproduktiv.

Ach ja, und nach Silvester kann wegen mir auch gleich das Frühjahr beginnen!

2 Kommentare zu „„Und die Melancholie umhüllte ihn wie ein warmer dunkler Mantel“

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