Mondsüchtig

… hieß ein Film mit Nicolas Cage und einer grandiosen Cher, in dem man unter anderem sehen konnte, wie der Vollmond die Menschen verwandelt, indem er Sehnsüchte und Emotionen nach oben kommen lässt. 

dav

Auch ich bin mondsüchtig und fühle mich manchmal wie ein Werwolf, der den Mond anheulen muss. Bei mir passiert das meist in der Form von Lesen oder Schreiben oder auch exzessivem Nachdenken. 

Selbst in Zeiten, in denen ich im Normalfall problemlos schlafen konnte, war ich bei Vollmond stets hellwach und zwar auch, wenn ich gar nicht wusste, dass Vollmond ist. Es ist eine Wachheit, die nichts mit schlafsuchendem Herumgewälze oder dem berühmten Gedankenkreisen zu tun hat. Vielmehr ist es ein Wachsein im Sinne von erhöhter Aufmerksamkeit, in der man fähig ist, Gedichte zu schreiben, politische und philosophische Probleme zu durchdenken oder Entschlüsse für das eigene Leben zu fassen. Man sieht die Dinge plötzlich klarer, ist im Denken wacher, als würden unter dem Einfluss des Mondlichts Sachen erhellt, die sonst im Dunklen liegen.

Ich fand es übrigens immer bemerkenswert, dass alle anderen mir bekannten Sprachen einen weiblichen Mond haben, der das Geheimnisvolle, Magische und Emotionale der Frau betont, während bei uns Deutschen der Mond der gemütliche pfeifenrauchende Alte ist, der seine Schäfchen hütet. Dabei scheint ja schon der Monatszyklus nahezulegen, dass das Weibliche und der Mond zusammengehören.

Auf jeden Fall sind Mond und Sonne wohl immer als Paar gedacht, als Mann und Frau oder in der Mythologie und Psychologie als zwei komplementäre Prinzipien, für mich immer noch am schönsten im Symbol des Yin und Yang dargestellt. In der chinesischen Philosophie der Lebensführung wird besonders deutlich, dass der Mensch beiden Anteilen in sich ausreichend Berücksichtigung schenken muss: der Kraft und Leidenschaft des männlichen Yang, dem die Sonne zugeordnet werden kann, und der Entspannung und Achtsamkeit  des weiblichen Yin, das durch den weiblichen Mond symbolisiert wird.

Gerade in unserer dauergestressten Beschleunigungsgesellschaft, gibt es eine tiefe Sehnsucht nach den Werten des Yin: nach Ruhe, Kraftschöpfen und einem Sichfallenlassen. Der Begriff der Hingabe umfasst für mich dabei das Zusammentreffen von Yin und Yang: hier verbinden sich Leidenschaft und Empfängnisbereitschaft. Dies zeigt sich aufs Schönste im kreativen Flow, aber auch in der Liebe, der Urkraft allen Seins.

Jetzt hat mich der Mond mal wieder philosophisch gemacht.

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