Souveränität – wie geht das?

… dazu eine kleine Anekdote.

Als ich in Kur war, sollte ich darüber reflektieren, was mir in der Vergangenheit geholfen hatte, aus Krisensituationen wieder rauszukommen. Ich hatte auf meinem Plakat wahrheitsgemäß Freunde und Kollegen aufgeführt. Dann meinte ein junger Mann, mit dem ich mich angefreundet hatte: „Hast du nicht wen vergessen?“ Darauf ich: „Was meinst du?“ „Dich, du kannst selbst einfach souverän reagieren.“ Ich starrte ihn fassungslos an und hätte fast gelacht. Ich souverän reagieren? Das schien mir weit außerhalb des Möglichen zu sein.

Dazu muss ich sagen: inzwischen hat sich das geändert und sicher habe ich auch früher nicht gerade hilflos gewirkt. Ich habe in Krisensituationen nur immer die Kämpferin rausgeholt, die mich freigeboxt und dabei manchmal auch ein paar Leute zu viel platt gemacht hat. Oder ich habe mich einfach tot gestellt, was eine zeitlang, wie ich auch heute noch finde, durchaus sinnvoll sein kann, wenn man nämlich noch nicht Kräfte genug gesammelt hat, um sich aus einer misslichen Situation zu befreien.

Trotzdem sah ich mich dazu veranlasst, darüber nachzudenken, was für mich Souveränität als Lösungs- und Handlungsmuster bedeuten könnte. Im Grunde bin ich hier immer noch auf der Suche, habe aber ein paar vorläufige Antworten für mich gefunden:

Souveränität heißt für mich

Selbstständig und frei von der Meinung anderer zu agieren.

Professionell, sachlich und konstruktiv zu bleiben, selbst wenn man emotional sehr aufgebracht oder verletzt ist.

Seine eigenen Interessen und Werte zu vertreten.

Korrekt zu sein (um mal einen Begriff meiner Schüler zu benutzen, früher hätte man integer oder anständig, ohne die spießige Konnotation, gesagt).

Eine liebe ältere Kollegen nannte das Haltung bewahren. Was mich immer an das großartige Gedicht „Wenn“ von Kipling denken lässt, in dem er ausführt, was es bedeutet, ein Mann zu sein. Die Römer haben das Virtus (Tugend, Mut, Mannhaftigkeit) genannt. Im englischen Original steht da „man“, was ja bekanntlich auch Mensch heißt und so verstehe ich dieses Gedicht auch.

Weil ich sehr emotional und temperamentvoll bin, verhalte ich mich natürlich auch weiterhin nicht immer souverän, aber es wird besser und ich weiß jetzt, wo ich hinkommen will.

Athene, die Göttin der Weisheit und des Krieges, verkörpert für mich Souveränität.

9 Kommentare zu „Souveränität – wie geht das?

  1. Mir gefällt Deine Definition von Souveränität sehr gut. Ich habe mir auch das Gedicht von Rudyard Kipling angesehen. Es ist eine schöne Zusammenfassung der Gelassenheit wahrer Reife. Aber erwarte nicht zu viel von Dir. Wir sind alle Menschen. Und Mensch-Sein heißt auch Fehler machen. Solange Du starke Gefühle hast, gleich welcher Art, werden sie Dich verführen – und das ist gut so.
    Was ich buddhistische Gelassenheit nennen würde ist für die meisten Menschen der kurze Moment der Reife, in dem die voll erblühte Rose erstrahlt um im nächsten Moment zu verwelken, da sie ihren Sinn erfüllt hat. Für mich liegt der Reiz des Lebens im Weg dorthin, in der Knospe, die die Schönheit der vollendeten Blüte erahnen lässt und wie Erotik den Geist, die Phantasie und das Gemüt anregt – in jedem ihrer Stadien.
    Das Ideal ist immer nur eine Handlungsanleitung – nie die Handlung selbst. Souveränität ist das Ideal. Wünsche, Hoffnungen, Liebe und Vertrauen sind menschlich. So verstehe ich den Satz „Der Weg ist das Ziel“.
    Alles Liebe
    👍🍀🤗

    Gefällt 3 Personen

    1. Im Sinne von Orientierung gehe ich zu 100% mit Dir. Viel Glück und Erfolg für alle zukünftigen Krisen. Du wirst alle meistern, auch wenn Du nicht immer vorher weißt, wie Du es nachher „überlebt“ hast – so ist das Leben.
      😉🍀🤗

      Gefällt 1 Person

  2. Deine Metapher von der Kämpferin und vom Totstellen könnte auch von mir stammen 🙂 Auch ich musste mich manchmal totstellen, um Kräfte zusammeln, damit ich wieder aus dem dunklen Loch aufsteigen konnte wie Phoenix aus der Asche!

    Gefällt 1 Person

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