Frausein heute (Teil 2): mein Problem der mangelnden Vorbilder

Ich schreibe extra „mein Problem“ bestimmt sehen viele das anders. Wenn für dich alles super ist und immer war, als Frau und Mutter, solltest du besser gar nicht weiterlesen – herzlichen Glückwunsch, ich weiß, das gibt es, bei mir war es halt nicht so…

Hier geht es um eine Reflexion darum, warum ich mich vor allem mit der Interpretation meines Mutterseins so schwer getan habe am Anfang und mir oft gedacht habe, als Vater hätte ich es leichter.

Als meine Aufgabe kristallisierte sich heraus, meine Position zu finden, als Berufstätige, Ehefrau und eben Mutter.

Als erschwerend für das Finden meiner Rolle würde ich im Nachhinein folgende Faktoren benennen:

Alle meine weiblichen Vorbilder waren beruflich aktive Powerfrauen mit großer Klappe und ohne Kinder (fiel mir erst auf, als ich schon Mutter war): Katharine Hepburn, Coco Chanel, Hannah Ahrendt, Rosa Luxemburg.

Meine eigene Mutter propagierte das erweiterte Hausfrauenmodell (das heißt, die Frau kümmert sich hauptsächlich um Haushalt und Kinder und arbeitet, wenn die Kinder größer sind, ein bisschen) und redete mir immer gut zu, nur nicht zu viel zu arbeiten.

Ich liebe meinen Job und finde die totale Erfüllung in ihm. Hier habe ich das Gefühl etwas zu machen, was ich wirklich kann.

Da ich inzwischen auf dem Land lebe, haben die Frauen in meinem Umfeld fast alle nicht oder nur minimalst gearbeitet, wenn sie Kinder bekamen. (Zum Glück habe ich inzwischen auch auf dem Dorf arbeitende Freundinnen gefunden.)

Mein Exmann wollte eigentlich für die Kinder zu Hause bleiben und ich wollte voll arbeiten. Schon in der Schwangerschaft zeigte sich jedoch, ich will viel Zeit mit meinem Kind verbringen. Die Hormone nehme ich an.

Als die Kinder dann da waren, war es so: ich war zuständig für Haushalt, Kinder, meinen Job und die gute Laune in der Familie. Mein Mann hing praktisch die ganze Freizeit am Haus und machte Renovierungsarbeiten.

Ich war praktisch nonstop überfordert, zumal mein Mann mir das Gefühl vermittelte, das mit den Kindern und dem Haushalt nicht gut zu machen.

Tja, was soll ich sagen: wenn die Kinder klein sind, geht es der Ehe am schlechtesten, sagen die Statistiken. Bei uns war es so.

Vor allem wusste ich nie, was ich wollte: doch zu Hause bleiben, mehr arbeiten, weniger arbeiten. Die Oma die Kinder betreuen lassen oder doch die Tagesmutter. Ich war eigentlich immer am Hadern mit der Situation und mir selbst. Zum Schluss machte ich von allem etwas, zufrieden war ich damit nicht.

Jetzt ist die Ehe geschieden und die Kinder sind in der Pubertät und plötzlich fühle ich mich kompetent. Pubertät ist für viele das Grauen, aber ich kann damit gut, als Lehrerin auch. Ich werde jetzt ab nächstem Schuljahr voll arbeiten und freue mich, dass ich mich wieder wie ich selbst fühle. Inzwischen finde ich, dass ich eine gute Mutter bin und meine Kinder sagen mir das sogar auch. Aber es war ein langer Weg, ich hoffe, meine Tochter hat es mal leichter…

17 Kommentare zu „Frausein heute (Teil 2): mein Problem der mangelnden Vorbilder

  1. Also ich hatte eigentlich eine Karriere als Hausfrau und Mutter angestrebt – allerdings erfüllte sich dieser Wunsch leider nie mangels eines passenden Kerls. Meine Mutter war immer nur Hausfrau und arbeitete auch nur in einem Minijob, als ich aus dem Haus war. Und genauso hatte ich mir mein Leben auch vorgestellt… ich bin der Meinung, keine Frau sollte arbeiten müssen, wenn sie keine Lust dazu hat, mich überfordert Vollzeitjob und Haushalt, obwohl ich keine Kinder habe. Ich frage mich immer, wie andere Frauen das schaffen?!

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  2. Als Mann kann man das manchmal gar nicht so richtig begreifen, was ihr Frauen alles leistet. Alle Achtung wie Du das alles geschafft hast. Dein
    Job ist ja auch nicht gerade der Leichteste 👍

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  3. Da ich aus verschiedenen Gründen keine Kinder habe (da spielt das Können und auch das Wollen mit, aber ohne das Nicht-Können wäre vermutlich das Nicht-Wollen nicht so gekommen), ist das mit der Mutter-Rolle bei mir schwierig. Der Mangel an starken Vorbildern ist aber echt krass. Ich habe ja eine „moderne“ Beziehung: Bei uns bin ich die Hauptverdienerin, mein Mann macht große Teile des Haushalts und hat Zeit reduziert. Schon das können sich viele nicht vorstellen, für uns ist es normal – und dennoch wird das gelegentlich schon als „Vorbild“ gewertet. Dass alles mit Kindern ganz anders wird, weiß ich von zwei meiner Freundinnen, die auch moderne, gebildete Frauen sind … und dann eben in eine Rolle hineinkamen, in der es gar nicht so einfach war und ist, allein das Nötigste an Dingen unter einen Hut zu bekommen.

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  4. Ich kann dich gut verstehen. Ich bin ja auch mit zwei Kinder alleinerziehend und voll berufstätig. Am Anfang dachte ich, das kriege ich niemals hin (stand immer kurz vor einem Nervenzusammenbruch) aber heute nach 4 Jahren hat sich alles super eingespielt. Ich schreibe ja auch fleißig Beiträge (die Zeit nehme ich mir) es ist mein absoluter Ausgleich geworden…alles andere läuft 🙂 ich bin darauf super stolz und ich denke meine Mädels auch…

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      1. So ist es 🙂 …wir verfügen über diese Power, auch wenn sich das manchmal nicht so anfühlt…aber sie lässt uns immer und immer weitermachen, Krönchen aufrichten und weiter gehts 🙂

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  5. Als Mann und ohne Kinder kann ich eigentlich überhaupt nicht mitreden. Aber der letzte Satz hat mich nochmal aufmerken lassen:
    Versuche bitte nicht, Deiner Tochter irgendwas über ihren Kopf hinweg zu ersparen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Der Schuss geht meist nach hinten los… (vor allem für Deine Tochter)
    🍀💚🤗

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  6. Was für eine spannende Reflexion. Es freut mich, dass du dich geht erfüllt fühlst – wenn auch verspätet..der Weg bis dahin klingt für mich unvorstellbar. Ich bin schon nach 4 Stunden babysitten überfordert 😂Haushalt+Kind+Arbeit+trotzdem präsent für die Menschen zu sein, ist sehr, sehr viel….alle Achtung, dass du es trotzdem geschafft hast! 👍

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  7. Ganz toller Beitrag. Ich konnte nie Kinder bekommen und habe lange darunter gelitten. Es ist, wie es ist. Aber ich sehe in allen Belangen, wir Frauen sollen perfekt funktionieren und das klappt nicht immer…

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