Frausein gestern und heute – Telefongespräch zwischen meiner Mutter und mir

Daisy Duck als Superheldin Phantomine, eines der wenigen coolen weiblichen Rolemodels meiner Kindheit (Quelle: www. Duckipedia.de)

Gestern fand ich eine rätselhafte SMS von meiner Mutter auf dem Handy vor. Ich solle dringend etwas nachträglich durchsetzen. Ich sei doch ihr einziges Kind. Sie und mein Vater würden sich große Sorgen machen.

Die erste Nachricht war zu lang, nur diese zweite konnte ich zunächst hochladen. Meine Mutter hat kein Whats app und ich auf dem Land keinen gescheiten Handyempfang. Ich dachte erst, es geht um einen Garagenplatz, den ich bei meiner Vermieterin wegen Eis und Schnee durchsetzen solle. Da wäre solch ein dramatischer Ton natürlich nicht angemessen gewesen, aber das ist der dramatische Ton meiner Mutter eigentlich nie.

Als die erste wortreiche SMS dann hochgeladen war, stellte sich heraus, dass meine Mutter wollte, dass ich um meiner Gesundheit willen meine Erhöhung meiner Arbeitszeit auf voll rückgängig machen sollte. Nun war ich extrem angepisst, dass sie meinen Vater da mit reinzog, von dem ich wusste, dass er diesen Schritt befürwortet. Meine Mutter hat immer nur halbtags oder gar nicht gearbeitet, um sich zu „kümmern“, um wen auch immer. O mein Gott, wie oft habe ich gedacht, der täte es gut, arbeiten zu gehen, ich hätte es ab 12 sehr vorgezogen, wenn sie sich weniger um mich gekümmert hätte!

Schwer entnervt rief ich also meine Mutter an und machte ihr klar, dass ich wirklich lächerlich viel Freizeit im Moment habe, dass mir mein Job Spass macht und ich im Alter nicht Fensterkitt essen will, im Gegensatz zu ihr habe ich nämlich keinen Mann geheiratet, der Spitzenverdiener ist.

Meine Mutter war noch ganz Hausfrau und Mutter und hat nur Teilzeit und die meiste Zeit gar nicht gearbeitet, was sie einerseits angeblich im Nachhinein bereut, andererseits aber immer bereit ist, als Vorwurf meinem Vater und mir gegenüber vorzukramen. Ihren Eltern, um die sie sich angeblich aufopferungsvoll gekümmert hat, obwohl meine Oma erwiesenermaßen im Pflegeheim war und mein Opa am Ende kurz im Altersheim, kann sie keine Vorwürfe mehr machen, weil sie tot sind, widersprechen können die allerdings auch nicht mehr.

Dieses weibliche Zurückziehen auf die Opferrolle, die als Moralkeule geschwungen wird, hat mich von jeher aggressiv gemacht.

Ich möchte die Verantwortung für das eventuelle Scheitern meines Lebens gerne selbst übernehmen. Meinen Kindern will ich jedenfalls mal nichts anlasten und auch sonst niemand.

Wie schonmal erwähnt, ist meine Mutter hier kein positives Rollenmodell. Aber ich habe mir inzwischen andere gesucht oder mache halt einfach, was ich für richtig halte. Es ist mein Leben.

Das ist übrigens ein Satz, den mir meine Mutter, die durchaus auch weise sein kann, mitgegeben hat. „Es ist dein Leben, mach was draus!“ – Ja, Mama, das mache ich, aber halt so, wie ich es will.

9 Kommentare zu „Frausein gestern und heute – Telefongespräch zwischen meiner Mutter und mir

  1. Wenn du damit glücklich bist, dann lass es so wie es ist! Ich würde lieber heute als morgen „Nur-Hausfrau“ sein – natürlich mit einem netten Mann. Mir ist Vollzeitjob und Haushalt einfach zuviel, da bleibe ich auf der Strecke, keine Ahnung, wie andere Frauen das schaffen und auch noch schön finden!? Außer ner Menge eigenem Geld ist da nix Schönes dran. Und ich liebe bekanntlich Geld, aber was bringt all das Geld, wenn ich nicht mal vernünftig Zeit habe, es auszugeben? Wenn ich ständig nur durch die Gegend hetze? Wenn ich am Wochende zu nix mehr Lust habe, weil ich einfach zu platt bin? Hrmpf…

    Gefällt 1 Person

      1. dann mach ich wohl irgendwas falsch 🙂 Ich gehe vor 6 aus dem Haus und komme gegen 17.30 Uhr heim, dann muss ich schnell was zum Essen auf den Tisch bringen und der Tag ist gelaufen. Leben sieht meiner Meinung nach anders aus -_-

        Gefällt 1 Person

      2. Ich glaube, man kann den Lehrerjob da mit anderen nicht vergleichen, habe jeden Tag einen anderen Stundenplan mit Pech mit viel Hohlstunden und muss halt auch nach Dienstschluss und am Wochenende noch Zeit für Vorbereitung oder Korrekturen investieren – dank meiner Routine jetzt halt weniger Zeit als früher. Kann auch sein, dass ich merke Vollzeit ist zu viel, mal sehen…

        Gefällt mir

  2. Ich kann dich verstehen , auch meine Mutter gibt ihre Ratschläge. Mein Anrufbeantworter hat unzählige dieser Nachrichten . Früher hab ich mich da immer aufgeregt . Mittlerweile weis ich , es ist eben eine andere Generation . Lächel drüber und mach genaus das , was du willst . 😄

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s