Ich bin okay (Teil 2) – warum es wichtig ist, in einer Partnerschaft souverän zu sein

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„Jemand, der sein Lebensglück weitgehend abhängig von Partnerschaft macht, wird selbst nie ein guter Partner sein.“

(Elena-Katharina Sohn, Psychologin, „Brigitte“ 9/2016, zitiert in: „50 kluge Gedanken die Kopf & Seele öffnen“, Beiheft zu „Brigitte“ 3/2019)

 

Das sind sehr weise Worte. Viele Menschen glauben ja, dass sie erst durch einen Partner glücklich werden. Hoffen auf einen Retter, einen Prinzen, einen Ritter.

Ein manchmal erschreckend kluger Mann, mit dem ich mal kurz zusammen war nach meiner ersten Ehe, sagte mal zu mir, dass der andere erstickt, überfordert ist, wenn man ihn mit zu viel Liebe, zu viel Projektionen, zu viel Erwartungen überhäuft. Beide waren wir ausgehungert nach Liebe nach einer langen Ehe, in der es am Ende wenig Leidenschaft und Zärtlichkeit gegeben hatte. Im Nachhinein scheiterte unsere kurze Beziehung daran, an den übersteigerten Erwartungen von beiden Seiten. Wir wollten, dass der andere uns heilt, wieder ganz macht. Wir haben uns gar nicht richtig gesehen. Und als er mich sah, gefiel ich ihm nicht. (Was auch okay ist, sogar sein gutes Recht, auch wenn ich damals glaubte, es sei der Weltuntergang.) 

Um einen anderen richtig zu sehen, muss man ein Stück weit in sich selbst ruhen, sich selbst okay finden, mit sich selbst im Reinen sein. Das ist nun etwas, was ich an meinem neuen Mann total entspannend finde, er ist souverän. Findet sich gut. Und dadurch kann er mich auch so sein lassen, wie ich bin. Sich frei dafür entscheiden, mich zu lieben.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn meine Tochter ihn ziemlich frech neckt oder einen ihrer pubertären Anfälle hat. Er kommt nie auf die Idee, dass er nicht okay ist, mein Exfreund hat dann immer sofort die Krise bekommen. Dieser Mann dagegen bleibt cool und nimmt es nicht persönlich. 

Das entlastet die Beziehung ungemein, nie muss ich Angst haben, dass er wegen meiner Tochter geht, und sie weiß das auch.

Ich wiederum habe manchmal Zweifel an mir, ob ich toll genug bin, und dann sagt er immer, er will nicht ausbaden, was andere vor ihm verbockt haben. Da hat er Recht. (Und er badet es natürlich trotzdem aus und baut mich liebevoll auf.) Ich merke auch, dass ich immer souveräner werde, aber es wird halt seine Zeit brauchen.

Meine eigenen Hobbies und meinen eigenen Freundeskreis habe ich schon immer, auch in meiner ersten Ehe, liebevoll gepflegt. Da hatte ich eh oft das Gefühl, dass ich eigentlich allein bin. Da war die Ehe eher ein Störfaktor eines ansonsten ausgefüllten Lebens, so bitter das klingt.

Ich sage es mal so: Ich brauche keinen Partner, um glücklich zu sein, und habe auch gar nicht mehr damit gerechnet. Aber es ist ein ganz wunderbares Glück, einen Partner zu haben, der einen wahrhaft sieht und liebt.

 

 

16 Kommentare zu „Ich bin okay (Teil 2) – warum es wichtig ist, in einer Partnerschaft souverän zu sein

  1. Wir haben uns zu Beginn gegenseitig erlaubt, so zu sein, wie wir sind. Klingt banal, ist es aber nicht. Niemand verbiegt sich für den anderen, auch, wenn das manchmal wenig gemütlich ist. Erwartungen sind pures Gift …

    Grüße !

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  2. Dein Mann ist super – meinen könnte man ähnlich beschreiben ❤ Bevor er kam, hatte ich (trotz junger Jahre) das Thema "Beziehung" abgehakt und wollte alleine bleiben. Ich hatte einfach zu oft ins Klo gegriffen. Aber es kommt immer anders, als frau denkt 😀

    Gefällt 1 Person

  3. Nach einer langen Ehe braucht es einfach Zeit , um bei sich selbst erst mal anzukommen . Jedoch hat man soviel vermisst und möchte es so gern . Ich nenn es „ einen Schrei nach Liebe“ , und dieses Bedürfnis sollte man sich erfüllen , auch wenn es vielleicht noch der falsche Zeitpunkt ist . Man wächst daran . Ich finde es wunderschön , das du bei dir angekommen bist und einen tollen Mann hast , der dich nimmt wie du bist 😍
    Liebe Grüße Mona 😊

    Gefällt 2 Personen

      1. Ich glaube, es geht uns allen so – jedem in seinem Bereich. Wir müssen die „Schrittfolge“ erst einmal sehen, bevor wir sie dann mühsam nachahmen können. Und irgendwann wird daraus ein wunderschöner Tanz – für uns selbst und für alle, die zusehen möchten. Lass uns jede Übungsstunde genießen.
        😊👍🤗

        Gefällt 1 Person

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