Warum sage ich manchmal nicht einfach Stopp?

Das habe ich mich gestern Abend am Ende des Tages gefragt. Der Tag war mega anstrengend, ich hatte von 7 bis 14 Uhr keine Sekunde Pause und lauter Herausforderungen. Morgens kranke Tochter zu Hause versorgt, dann Unterricht mit Tablet in der siebten Klasse, was ich gestern zum ersten Mal praktiziert habe (ist ein Schulversuch). Unvorhergesehenes Problemgespräch mit zwei Kolleginnen über Schüler, den ich als Mentorin betreue, in der Großen Pause. (Wo sich herausgestellt hat, dass sich die Mutter über mich etwas aufregt hat, obwohl sie zu mir am Telefon reizend war.) Neuer Kurs in den letzten beiden Stunden. Danach noch Betreuungsgepräch mit meiner Referendarin.

Danach war ich fix und fertig und war der Überzeugung, ich hätte mein Handy irgendwo verlegt. Alles Suchen und Mich-Anrufen-Lassen von netten Schülern und Kollegen brachte nichts. (Sind sogar mit anrufendem Telefon der Referendarin ins Klo gegangen, in der Hoffnung, dass es mir da irgendwo rausgefallen ist und wir es durch das Klingeln finden.)

Das Handy hatte ich in der Hektik zu Hause vergessen, wie sich dann herausstellte. Überglücklich bin ich daraufhin mit meiner Tochter Essen gegangen und dann haben wir Schuhe für uns beide für die neue Saison gekauft.

So weit so gut. Leider habe ich dann noch eine Mail an eine Kollegin aus dem Problemgespräch gesendet, weil mir das keine Ruhe gelassen hat. Das darauf folgende Hin und Her hat mich dann wieder mächtig aufgeregt.

Danach habe ich mich hingesetzt und gefragt, wie ich das in Zukunft besser machen kann.

Erstens: Wenn ich mit der Müslischüssel in der Hand dastehe und Kopfweh habe, werde ich meine einzige Pause verteidigen und ein Problemgespräch ablehnen und einen Alternativtermin anbieten. Ich habe ein Recht auf meine Pause!

Zweitens: Wenn ich mich dann abends wieder beruhigt habe, werde ich nicht mehr berufliche Mails schreiben, sondern das am nächsten Tag regeln.

Fazit: Ich werde versuchen, mehr auf mich zu achten. Besser für mich zu sorgen. Sonst werde ich es kaum schaffen, nächstes Jahr volles Deputat zu arbeiten. Also: Stopp sagen zu anderen und zu mir selbst.

15 Kommentare zu „Warum sage ich manchmal nicht einfach Stopp?

  1. Stop! Das meine Tochter mal in der Schule gelernt. Irgendwann wurde sie mal gemobbt und die Lehrerin schaffte es diesen destruktiven Zustand zu unterbrechen. Ich ihr heute noch dankbar dafür. Ich glaube, dass Lehrer und Eltern nicht immer die gleiche Sprache sprechen. Da prallen zwei unterschiedliche Sichtweisen aufeinander.
    Mit diesem Email schreiben bin ich etwas vorsichtig geworden, da entstehen oft viele Missverständnisse, weil man den Ton und die Mimik seines Gegenüber nicht hört bzw sieht.

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    1. Hier war eher das Problem, dass ich den Schüler vertrete als Mentorin. Jetzt findet mich der Schüler toll und seine Mutter klagt, dass sie nun die Böse ist. Aber weil sich ihr Sohn so hilflos und allein gefühlt hat, hat er ja eine Mentorin bekommen.
      Das Problemgespräch war mit dem Klassenlehrerteam des Schülers, die Mail auch. Beide haben angeführt, dass die Mutter sich über mich beklagt hat. Dabei hat sie sich gegenüber ihrem Sohn nur schlecht verkauft, hätte das worauf, wir uns geeinigt haben, besser auch als ihre Entscheidung verkaufen müssen. Habe mich so geärgert, weil MEIN Gespräch mit der Mutter sehr nett war und sie sich da zigmal für meinen Einsatz bedankt hat. Ich nehme im diesem Fall weder Lehrer- noch Elternperspektive ein (obwohl ich die beide im Blick habe, bin ja nicht nur Lehrerin, sondern auch Mutter), sondern vertrete den Jungen. Und der hat halt kapiert, dass sich die Dinge jetzt für ihn zum Guten gewendet haben, weil sich eine Mentorin für ihn einsetzt. Dass das von Elternseite unterstützt wird, hat die Mutter unterschrieben. Dabei hat sie sich vermutlich erhofft, dass ihr Kind „problemloser“ wird und kam gar nicht auf die Idee, dass sie als Teil des Problems und der Lösung behandelt werden könnte.

      Habe den Klassenlehrerinnen empfohlen, der Mutter zu raten, die kostenlose Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen, um das verloren gegangene Vertrauen auf beiden Seiten wiederherzustellen, das natürlich schon VOR meinem Einsatz verloren war. Bei der Erziehungsberatung sind bei uns im Kreis tolle Leute. Die haben mir auch schon geholfen bei der Bewältigung der Schulangst meiner Tochter.

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      1. Ich glaube in dieser Situation war als Vater dreier Töchter auch schon. Auch wenn man es gut meint, es ist einem nie wirklich bewusst welchen Anteil man an der Sache selbst hat. Man geht zu den Lehrern wegen einem Problem mit dem Kind, und fühlt sich hinterher als jemand, der was falsch gemacht hat. Es braucht manchmal die Sicht von Aussen um zu verstehen, aber in erster Linie will man ja auch sein Gesicht waren. In diesem Sinne habt ihr Lehrer einen echt schwierigen Job!

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  2. Es ist wichtig, sich Pausen zu verschaffen und die Grenze zwischen Beruf und Pause, zwischen Beruf und Privatleben zu verteidigen.

    Das war in meinem Leben diese Woche auch schon wieder Thema, auch wenn ich dafür nur eine Rechner-Analogie gefunden habe.

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  3. Kenn ich
    Regeln helfen
    Wenn man sie denn einhalten kann …
    Da hatte ich grad für mich festgelegt :
    Keine Firmen E Mails mehr außerhalb der Arbeitszeit und dann gehste zwei Tage später aus dem Büro mit einem ungeklärten Problem in der Luft hängen , das deine Mitarbeiter betrifft …
    Mir helfen zwei Sachen wirklich:
    Ab und an strikt Termin/ Verabredungs/ Menschen-freie Wochenenden … zwei Tage RUHE IM KARTON … da find ich mich dann wieder

    Und : So oft wie möglich auf meine Matte
    Ohne das geht gar nicht

    Alles Liebe 💖

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      1. Yoga, Meditation … manchmal nur Entspannung …
        Qi Gong hab ich auch eine Weile gemacht … in einer Gruppe … da haben wir diese achtzehn … wie heißt das noch ? Harmonieübungen ? gemacht … das hat mir auch supergut getan

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