Warum ich jetzt sagen kann, dass ich gerne Sport mache 🏃‍♀️💃🧘‍♀️🏊‍♀️🏋️‍♀️

Quelle: Pixabay

Manche Kinder waren ja mit ihren Eltern wandern, Skifahren, Segeln oder surfen. Bei uns sah das so aus: Wir fuhren mit dem Auto irgendwohin, wo es einen Wald, eine Burg oder sonstwas gab, liefen 1000 Meter, dann suchten wir uns Bank, von der aus meine Mutter die Aussicht und „die gute Luft“ bewunderte und sich sogleich eine Zigarette anzündete. Dann suchten wir ein Café oder Restaurant aus und dann fuhren wir wieder nach Hause.

Ich war nicht im Kinderturnen und nix und war deshalb im entscheidenden Nachteil gegenüber meinen Klassenkameraden im Sportunterricht, der für mich in der Grundschule die Hölle auf Erden war. Ich erinnere mich, wie ich mit dem roten Lederturnbeutel in der Hand klagend zu meiner Mutter guckte, die oben an meinem Fenster stand und mir zuwinkte, ich wollte nicht gehen, aber ich musste. Und wie immer machte ich Pokerface und Augen zu und durch. Der Schulweg erforderte täglich meinen Mut, weil ich dabei eine Strecke gehen musste, in der sämtliche Hundebesitzer ihre Tiere ausführten, vor denen ich eine Sterbensangst hatte. Einmal sah ich mich Auge in Auge mit einer weißen Dogge konfrontiert, die mich blutunterlaufen anguckte und ich dachte, mein letztes Stündlein habe geschlagen. Doch ich überlebte auch das. Ich muss sagen, dafür bewundere ich das kleine tapfere Mädchen von damals noch heute. Meine Tochter wirkt zwar tough, aber die würde sich weigern sowas durchzumachen. Die würde darauf bestehen, dass ich sie zur Schule begleite. Letztendlich war ich unglaublich mutig, weil ich so sehr Angst hatte, meine Angst zu zeigen, blieb mir keine Wahl.

Auch den Sport unterricht, ein nie endender Quell der Blamage, überlebte ich wundersamer Weise. Als ich Jazztanz machte, wurde es besser und im Studium machte ich sogar freiwillig Hochschulsport und ging Schwimmen. Später, als ich arbeitete, lernte ich Yoga, wechselte dann zu dem mehr tänzerischen Qi Gong und seit zwei Jahren jogge ich sogar, wobei ich allerdings ein Schönwetterjogger bin. Und all das macht mir Spass und ich fühle mich gut damit. Auch Wandern gehe ich mit meinem neuen Mann inzwischen gerne. Ich gehe außerdem seit 2011 ins Fitnessstudio, was ich kurzzeitig fürs Joggen aufgegeben hatte, bin aber wegen meiner daraufhin zurückgekehrten Kreuzschmerzen reumütig zurückgekehrt.

Spätestens, seit ich mit dem Joggen angefangen habe, ist mir klargeworden: Ich mache gerne Sport! Und im Gegensatz zu vielen Aussagen anderer mag ich nicht nur das Gefühl danach, sondern auch das Gefühl dabei. Nur das Aufraffen muss man in den Griff kriegen. Am besten durch feste Termine: So gehe ich zur Zeit jeden Montag ins Fitnessstudio und versuche, auch am Wochenende was Sportliches zu machen, Wandern mit meinem Mann oder joggen und im Winter halt einfach oft Qi Gong, was ich ohne Aufwand und wetterunabhängig zu Hause praktizieren kann.

Was soll ich sagen: Die Selbstaussage, dass ich unsportlich bin, stimmt definitiv nicht mehr. Ich bewege mich gerne – und habe es im Rückblick auch immer gerne getan. Außer vielleicht im Schulsport, wenn wir nicht gerade Tanz oder Leichtathletik hatten. Aber unsere Freizeit haben wir als Kinder und Jugendliche immer draußen verbracht: Fußball, Völkerball, Köpfer und Tauchen üben, wir haben uns immer bewegt und später sind wir noch am Wochenende in die Disco und ich habe getanzt wie der sprichwörtliche Lumpen am Stecken. Schön wars. Und schön ist auch jetzt. Und ich fühle mich supergut dabei, zu sagen: Ja, ich mache gerne Sport! Es geht sicherlich noch sportlicher, aber für mich habe ich ein gutes Maß gefunden.

12 Kommentare zu „Warum ich jetzt sagen kann, dass ich gerne Sport mache 🏃‍♀️💃🧘‍♀️🏊‍♀️🏋️‍♀️

  1. Kann ich alles gut nachvollziehen. Mit dem Sport ging und geht es mir ähnlich wie Dir. Mit dem Schulweg hatte ich persönlich allerdings keine Probleme. Ganz im Gegenteil, ich war sehr stolz als ich sogar alleine in den Kindergarten gehen dürfte. Es war aber auch kein allzu gefährlicher Weg aber immerhin vier Straßen zu überqueren.

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  2. Mein Motto, mit dem ich zeitlebens gut gefahren bin, ist: „Treib keinen Sport und du bleibst gesund“. Völkerball – Hirnerschütterung droht, Barrenturnen – roter Kopf und blaue Flecken etc pp. Beim Sportabi legte ich ein „imaginäres Rad“ vor. Vor Tieren hatte ich freilich keine Angst, weite Wege wanderte ich gern, wenn ich das Tempo selbst bestimmen konnte, und Joga tut mir gelegentlich gut. Schwimmen macht auch Spaß, aber nur im Meer.

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  3. Beim Schulsport waren für mich die Strecken zu kurz – und die Körperkoordination kam erst recht spät, weil sich, wie Lt.-Cmdr. Data sagen würde, „die technischen Parameter eines Kindes ständig ändern“.

    Zudem kam bei mir hinzu, dass mein Geschlechtsidentätskonflikt, das Reviergebahren der Jungs und eine gewisse Träumer-Eigenschaft im Sport besonders negativ zum Tragen kamen.

    Mit Mitte 20 entdeckte ich das Laufen, mit Ende 30 starte ich nun damit durch. Ich LIEBE Sport inzwischen, nachdem ich ihn lange Jahre hasste … und Ende meiner Teenie-Jahre mit einem schweren Rennrad-Unfall noch einen sehr physischen Dämpfer erhalten hatte.

    Ich habe allerdings den Eindruck, dass aus verschiedensten Gründen SEHR viele Menschen Spätstarter in Sachen Sport sind.

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  4. inzwischen habe ich gelernt … dass man(n) Sport auch nur so … einfach für die Gesundheit machen kann … ohne irgendwelchen Höchstleistungen nachzujagen … aber das war ein weiter Weg … und manchmal … blitzt die Gier nach Leistung immer noch auf … 😳

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