Das Haus der Vergangenheit – Schon wieder dieser Traum…

Schon wieder habe ich von dem Haus geträumt, in dem ich mit meinem Ex-Mann gewohnt habe und er mit meinem Sohn immer noch wohnt, dem Haus, das ich vor dreieinhalb Jahren mit meiner Tochter verlassen habe.

Wie immer war es total realistisch. Ich wusste, ich bin geschieden und eigentlich ausgezogen, aber ich war wieder eingezogen und wohnte bei ihm, obwohl ich mit ihm nicht mehr zusammen war. Das Ganze war so real, dass ich mir im Traum überlegte, ob ich nicht meine Wohnung kündigen soll, weil das Mietezahlen ja Unsinn sei.

Gerade, als ich beschloss, dass es mir in meiner Wohnung ja so viel besser geht, und ich wieder mit meiner Tochter in diese zurückkehren will, wachte ich auf.

Warum träume ich immer, dass ich wieder in das Haus ziehe?

Bis heute dachte ich, es geht darum, die Vergangenheit zu verarbeiten. Am Anfang träumte ich auch oft, dass ich mich wieder mit meinem Ex-Mann über die alten Themen streite. Inzwischen sind die Träume friedlicher geworden und ich habe eine neue Theorie: Vielleicht wollen mir meine Träume sagen, dass trotz meines Neuanfangs diese Zeit Auswirkungen bei allen Beteiligten hinterlassen hat, mit denen wir jetzt irgendwie umgehen müssen. Probleme, die meine Tochter jetzt hat, rühren zum Beispiel aus dieser Zeit, wo sie mich als schwache Mutter erlebt hat und ich mich in Dingen, die wichtig gewesen wären, gegen ihren Vater nicht durchsetzen konnte. Ja, ihr habt richtig gelesen: nicht die Trennung hat die Kinder traumatisiert, sondern die schlimme Zeit davor. Beide Kinder waren für die Trennung, ungewöhnlich genug.

Ich habe meinen Frieden mit dieser Zeit gemacht, aber mein Unterbewusstsein nicht. Und es ist nicht zu leugnen, die Spuren, die diese Zeit des Sich-Tot-Stellens, des ewigen Kampfes, der Hilflosigkeit, des Abgewertetwerdens in meiner Psyche und sicher auch der meiner Kinder hinterlassen hat, sind natürlich real. Oft wundere ich mich ja, dass wir das – dank viel Unterstützung freilich – so gut weggesteckt haben.

21 Kommentare zu „Das Haus der Vergangenheit – Schon wieder dieser Traum…

  1. Ich denke, Du verarbeitest damit die Vergangenheit. Deine Vergangenheit ist ein Teil von Dir, von dem Menschen, der Du auch heute bist. Für mich klingt der Traum danach, daß Du vielleicht diesen Anteil von Dir noch nicht voll integriert hast. Vielleicht magst Du diesen Teil von Dir, der so „schwach“ ist, nicht besonders und sagst heute: „Das war ich mal, aber das bin ich nicht mehr.“ In diesem Fall wäre das Problem, das Du den Teil, der die Fähigkeit hat, schwach zu sein, sich anzupassen und damit die Fähigkeit der Hingabe repräsentiert, zumindest teilweise ablehnst (kulturkonform). Für mich ist Schwäche eine große und unterschätzte Fähigkeit. Dein Ex-Mann hat vermutlich seine Angst vor Schwäche damit kaschiert, das er Deine Fähigkeit zur Hingabe genutzt hat, um sich selbst das Gefühl zu geben, er sei groß und stark, indem er Dich klein gemacht hat. Je kleiner er Dich gekriegt hat, um so größer konnte er sich fühlen. Aber das ist bzw. war nur ein Pyrrhussieg. Die wahre Fähigkeit liegt darin, etwas zu können, nicht darin, zu beweisen, das der andere, in dem Fall Du, etwas noch weniger kann. Er hat nur seine eigene Unfähigkeit bewiesen: Er braucht jemanden, der noch „schwächer“ ist als er, damit er stark erscheinen kann. Du hast Deine Fähigkeit gezeigt, auch in einer solchen Situation da zu sein und Dich anzupassen, und es hat Dich viel Kraft gekostet, die Du ihm geschenkt hast. Dieses Spiel kann aber nicht unbegrenzt gespielt werden, da es in der vollständigen Zerstörung des Anpassungsfähigen mündet – der vermeintlich Starke braucht sein „Soma“ (Huxley). Es war also ebenso richtig aus der Situation auszusteigen. Ich glaube aber: Das anerkennen deiner Fähigkeit zur Hingabe, die Du in dieser Situation gezeigt hast, ist mindestens genauso wichtig. Es ist eine sehr wichtige und wertvolle Fähigkeit.
    Viele liebe Grüße
    👍🙏🤗

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  2. Ich kann das sehr gut nachempfinden. Ich glaube es bracuht ganz einfach sehr viel Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten. Auch wenn es einem heute wieder gut geht, die Verletzungen aus der Vergangeheit sind ein Teil von uns geworden und manchmal möchten sie wieder gesehen werden. Warum das so ist, kann ich dir nicht sagen…ich vertraue darauf, dass mein Unterbewußtsein, gerade durch Traume, das verarbeitet. Manchmal sind wir bei der Verarbeitung von Geschehnisse nicht „aktiv „dabei (so meine Ansicht).

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  3. Mir fehlen gerade die guten Worte, habe aber deinen Artikel so gelesen, dass es dir und deiner Tochter zumindest, besser geht. Ach, weißt du – ich sage immer: Alles wird gut!, und ich glaube auch daran. Nur, wann es gut wird, das steht in den Sternen!

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  4. Liebes Wechselweib, Träume kann nur der Träumer, die Träumerin wirklich interpretieren. Dabei ist es hilfreich, einen klugen Fragesteller zu haben, der auch nach den weniger auffälligen Elementen des Traums fragt. Dafür ist eine persönliche Gesprächssituation nötig. Ich kann dir daher leider keinen Tipp geben, was der Traum dir sagen will, bzw was du dir durch den Traum sagen willst.

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    1. da schließe ich mich an. traumarbeit ist ein sehr komplexer bereich. da sollte man nicht aus dem sud lesen lassen. um träume richtig zu verarbeiten, gehört schon jemand als hilfestellung, der etwas davon versteht.
      ich habe übrigens auch immerwiederkehrende träume. bei mir beinalten sie kein vergangenes drama, und trotzdem fasziniert es mich, dass sie so oft wiederkehren. es ist da drin keinerlei sinn für mich erkennbar. aber es wird einer dasein 😉
      lieben gruß
      lintschi

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    1. Ich gebe meinem Expartner nicht die Schuld und würde auch nie sagen, dass er mich ausgenutzt hat. Er war mit meiner postnatalen Depression überfordert und war gegen eine Behandlung und dann bin ich in Krisenzeiten immer wieder depressiv geworden und die Beziehung ist einfach zusehends eskaliert. Ich habe mich lange nicht getraut, zu gehen, weil ich dachte, ich schaffe es nicht und/oder verliere die Kinder. Ursprünglich wollte ich durchhalten, bis meine Kleine 18 ist. Aber irgendwann ging es nicht mehr.
      Jetzt geht es mir gut. Ich hatte auch schöne Zeiten mit meinem Ex-Mann und es war nicht abzusehen, dass es so endet.

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  5. Gerade heute Nacht hatte ich auch wieder so einen Traum. Zog wieder ein, waren aber getrennt und er hatte ein eigenes Schlafzimmer, mit alten Möbeln von seinen Eltern. Er war aber friedlich und nicht aggressiv, wie in der Realität.
    Seine Mutter tauchte auf und eine gute Bekannte und brachten Geschenke.
    Absurd, weil man im Leben nicht auf die Idee kommen würde dort wieder einzuziehen. Aber ich denke die Träume zeigen auch, dass man das Haus an sich und das zu Hause vermisst und es immernoch darum geht anzukommen? Vielleicht Frieden damit schließen zu können und dadurch besser nach vorne schauen zu können.
    Liebe Grüße

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