„Die Eiskönigin“ – wie man einen Film je nach Lebenssituation völlig anders ansehen kann

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Als ich damals mit meinen Kindern in der Disneyverfilmung „Die Eiskönigin“ war, ging es mir ehrlich gesagt beschissen. Den monatlichen Kinobesuch mit anschließend Pizzaessen hatte ich eingeführt, um mir und den Kindern das Gefühl zu geben, sie hätten eine schöne Kindheit, obwohl ihre Mutter total am Ende war und einfach nur versuchte, den Tag zu überstehen. Ich war sehr unglücklich in meiner Ehe, hatte immer wieder lange und schlimme depressive Phasen, die ich nicht richtig behandeln ließ, weil ich sie vor meinem Mann runterspielte, der nach der pränatalen Depression nach der Geburt meines Sohnes geschworen hatte, mich zu verlassen, wenn ich nochmal depressiv würde. Gleichzeitig galt ich im Job als sogenannte „starke Frau“, was einigen (übrigens nur Frauen) schwer auf die Nerven ging.

Ins Kino ging ich aber nicht nur wegen der Kinder, sondern auch um selbst mal was Schönes zu machen. Ich fand und finde die sogenannten Kinder- und Jugendfilme eigentlich immer gut und unterhaltsam.

Nun saßen wir also in den roten Kinosesseln, ich wie immer zwischen meinen Kindern, und die große Gesangsszene kam, wo sie den Titelsong „Let it go“ singt, und alles vereisen lässt und sich selbst ein einsames Eisschloss schafft. Und da gab es für mich kein Halten mehr: Gott, habe ich geheult ! Alle Verzweiflung, aller Kummer brach aus mir heraus, was fühlte ich mit mit diesem armen Mädchen, das durch Berührung ihrer Hände alles zu Eis gefrieren ließ und daher allen Angst machte und nun in die Einsamkeit geflohen war!

Ich bebte richtig vor Schluchzen, es war Katharsis, ganz im Sinne von Aristoteles, eine seelische und körperliche Erfahrung. Mein Sohn versuchte mich zu trösten und zu beruhigen. Meine Tochter dagegen verstand null, warum mich das so anrührte: Aber Mama, warum heulst du denn, sie ist doch jetzt frei?! – Aber sie ist total einsam (schluchz) und musste die Menschen verlassen, die sie liebt (schluchz) und alle haben Angst vor ihr (Heulbeben).

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Heute führe ich ein total anderes Leben. Ich habe mir ein Herz gefasst und meinen Mann verlassen, das von negativer Energie erfüllte Haus zurückgelassen und mir eine Wohnung gesucht, in der ich wieder atmen konnte. Hier führe ich mit meiner Tochter eine entspannte Mädels-WG und mein Sohn kommt gerne vorbei.

Wir haben „Die Eiskönigin“ natürlich auf DVD und heute kann ich den Film ganz anders gucken, wie einen normalen Disney-Film. Ich kann mich an den lustigen Szenen erfreuen, mitfiebern und mitsingen, alles ohne Tränen.

Ich habe Lust, ihn später mit meiner Tochter zu gucken und es uns zusammen gemütlich zu machen…

6 Kommentare zu „„Die Eiskönigin“ – wie man einen Film je nach Lebenssituation völlig anders ansehen kann

  1. Eine Erfahrung, die berührt. Ich gratuliere Dir, dass Du Deinen Mann verlassen hast. Dass es Dir und auch den Kindern gut getan hat, beweisen Deine Schilderungen. Ich raffte mich damals ebenfalls auf – es ist beinahe 50 Jahre her – und habe es nie bereut. Aus einer Lebenslüge wird auf einmal eine ehrliche Lebensweise, wo man sich wieder wohl fühlt. Liebe Grüsse, Elisa

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  2. Ich werde mir die Eisköniging mal auf meine Wunschliste setzen – die passenden Socken habe ich nämlich schon hier.^^ Aber es stimmt… mir fiel auch schon oft, WIE die Stimmung sich auf die Wahnehmung niederschlägt. Aus dem Grund gebe ich manchmal auch Büchern/Filmen eine zweite Chance, wenn ich mich extrem darüber geärgert habe… nicht mal so selten lag das nämlich an meiner Stimmung oder der jeweiligen Lebenssituation. Und sonst nutze ich – passend zur jeweiligen Lebenssituation – sehr, sehr gerne Filme und Bücher, „um die Sache für mich zu erschließen“. Das habe ich allerdings erst recht spät gemerkt und ich war sehr erleichtert, als mir der Zusammenhang bewusst wurde. Wenn du, wie unter Zwang, immer wieder bestimmte Bücher oder Filme vorkramst und absolut nichts anderes akzeptabel ist, dann ist das schon gruselig.^^

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  3. Ich mag den Film sehr … besonders Olag 😍
    Wie schön dass sich alles wandelt … Kennst du das Märchen „Die Schneekönigin“ von H.C. Andersen? Es ist wunderschön, ganz anders zwar aber dennoch sehr lesenswert.

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