Nähe und Distanz – eine Reflexion über meine Bedürfnisse

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Natürlich brauche ich wie jeder Mensch die Nähe zu anderen. Im Allgemeinen gelte ich als aufgeschlossener, offener Mensch, der gerne Kontakte knüpft.

Trotzdem sind mir andere Menschen oft zu viel. Da ich sehr empfänglich für die Energien bin, die andere aussenden, erschöpft es mich, wenn ich (zu) viel mit anderen Menschen zusammen bin. Ich brauche sehr viel Zeit für mich allein, um aufzutanken, mich zu regenerieren.

Mit anderen Familien in Urlaub zu fahren oder im Alter in einer WG zusammenzuwohnen, mag für andere ein Ideal oder gelebte erfüllte Realität sein, für mich kommt es, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, eher nicht in Frage. Als zu anstrengend empfände ich auf Dauer die Temperamente und Launen der anderen, und zu anstrengend wäre es auch für mich, mich dauernd zurückzunehmen.

Da schlägt vermutlich mein Aufwachsen als Einzelkind und meine Freiheitsliebe durch. Ich lebe ja auch mit meinem jetzigen Partner nicht zusammen und finde das okay und habe das Teilen des Alltags in meiner früheren Ehe als Ursache für die sinnfreiesten Streitigkeiten überhaupt erlebt. Nie wieder will ich mich über so einen Quatsch streiten müssen!

Prima klar komme ich in meinem Alltag dagegen mit meiner Tochter, obwohl sie in der gefürchteten Pubertät ist. Warum? Sie ist entspannt, witzig, nicht nachtragend und dabei selbstbewusst, ohne sich selbst übermäßig wichtig zu nehmen. Und sie erträgt mich prima jeden Tag, ohne dass ich großartig die pädagogisch wertvolle Mutter oder überhaupt irgendwas sein muss. Wir sind beide einfach, wie wir sind.

Dieses Einfach-so-Sein geht mit meinem Sohn auch, der allerdings beim Papa wohnt. Und mit meinem Schatz funktioniert das ebenfalls. Wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass es nicht (mehr) so ist, wäre das das Ende der Beziehung. Da gehe ich keine Kompromisse mehr ein.

9 Kommentare zu „Nähe und Distanz – eine Reflexion über meine Bedürfnisse

  1. Sehr gute Einstellung aus meiner Sicht. An erster Stelle muss man selbst stehen. Dann kommt der Rest. Ich kann nur richtig funktionieren und mich Leben, wenn es mir gut geht. Stellt das Jemand in Frage, dann gibt es ein Problem. Aber für diese Art von Problem bin ich nicht mehr zu haben. Mich muss man ertragen wie ich bin. Etwas anderes gibt es nicht mehr. Ja oder nein. Dazwischen lebt der langsame Tod. Darauf habe ich keinen Bock mehr. Ich lasse andere auch wie sie sind. Hatte noch nie Lust jemand zu verändern.

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    1. Früher kam ich damit nicht klar weil ich mich immer raus ziehen musste obwohl andere das nicht brauchten. Heute kann ich damit besser umgehen und mir den Raum nehmen, auch wenn das sehr viel Raum und Zeit beansprucht.

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  2. Die ersten beiden Absätze könnten von mir sein. Es geht mir auch so.

    Was dies in der Konsequenz bedeutet für die Idee von Alters-WG oder ähnlichem finde ich folgerichtig und war interessant, weil ich tatsächlich eine Zeitlang mit so einem Gedanken liebäugelte, es mir jedoch tatsächlich zu stressig wäre, das wurde mir jetzt hier beim Lesen deutlich. Danke dafür also!

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