Ich bin keine Vorzeigemutter – ein etwas peinliches Geständnis

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Okay, bringen wir es gleich hinter uns: ich habe keinen langem Atem, kein Durchhaltevermögen, bin null zäh. In unserer sogenannten Leistungsgesellschaft bin ich eine Null. Außerdem habe ich aus Kummer über die totale Pubertäts- und Schul- und Einsamkeitsverzweiflung meiner Tochter gerade gegen den ausdrücklichen Rat meiner Ärztin eine halbe Flasche Weißwein (schlimm!) zu einer Fertigpizza (unverzeihlich!!!), die immerhin vegetarisch und aus dem Hochpreissegment war (Fleißsternchen*), zu mir genommen.

Nunja, meine Tochter hat mir gestern eröffnet, dass sie das Gymnasium total stresst und sie lieber auf die Realschule will. Sie will Zeit zum Chillen haben. Dass sie eine handfeste Gastritis (Magenschleimhautentzündung) hat, erhärtet ihre Argumentation. Ich könnte jetzt sagen, Kind, aber du hast doch den Grips fürs Gymi, aber das wäre nur die halbe Wahrheit, den nötigen Biss und Ehrgeiz wie ihr Bruder hat sie eben nicht.

Und ich, ich habe definitiv nicht den Nerv, das gegen ihren Willen durchziehen. Jetzt ist es raus: als Mutter bin ich… Nunja, ich denke mal je nach Sichtweise ein Totalausfall, gechillt, sensibel… Ich will jedenfalls, dass mein Kind glücklich ist. Und sorry, das Abitur braucht man nicht, um glücklich zu sein. Eine Mutter, die einem liebt und unterstützt, schon.

27 Kommentare zu „Ich bin keine Vorzeigemutter – ein etwas peinliches Geständnis

  1. Mach Dich nicht fertig. Dein Kind findet SEINEN Weg. Ich habe das mit meiner Tochter hinter mir. Sie wollte Ende der 11. hinschmeißen. Am Grips hat es auch ihr nicht gefehlt, aber sie wollte mit diesen Lehrern nichts mehr zu tun haben….Ich war damals nicht schlauer, hab sie überredet (zumindest glaubte ich das….), dennoch durch zu halten….das eine Jahr noch….zum Schluss ist sie einfach nicht mehr hingegangen und als ihre Lehrer mir das nach Wochen mitteilten….
    2 Jahre später hat sie ihr Abitur in Eigenregie nachgemacht,- Fernabi, Externenprüfung, Prüfungsdurchschnitt 1,7…….
    Manchmal ist es furchtbar schwer, eine absolute Gratwanderung, wie und in welcher Form man sein Kind am Besten berät, leitet, schützt, ohne es von seiner eigenen Bahn abzubringen. DEN richtigen Weg gibt es sowieso nicht.
    Vielleicht redet ihr noch mal in Ruhe, ob es nur eine spontane Verzweiflungsreaktion ist, die sich wieder beruhigt oder was genau wirklich dahinter steckt. Alternative Wege gibt es jedenfalls und meinem Kind lag der sehr viel besser.
    Beunruhige Dich nicht, Du bist bestimmt eine tolle Mutter! Deine Hand drücke, so von Mutter zu Mutter.

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  2. Ich denke, dass ein guter Realschulabschluss viel mehr Wert ist ein schlechtes Abitur. Außerdem kann sie ihr Abitur immer noch nachholen, wenn sie es denn will.
    Wenn sie nicht mehr so viel Stress hat, ist das viel mehr Wert, als gute Noten, bzw. schlechte Noten, nur damit sie auf dem Gymnasium bleibt. Wenn sie auf der Realschule besser wird, dann spornt dass doch auch an mehr zu tun und macht glücklicher.
    Also machst du doch alles richtig.

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  3. Nein, du bist ne klasse Mutter. Du nimmst die Bedürfnisse deiner Tochter ernst. Sie wird ihren Weg finden, es gibt zig Möglichkeiten, das Abitur zu machen. Aber gerade in der Pubertät sollte man die Kinder ernst nehmen.
    Und egal, ob Wein oder nicht, morgen ist ein neuer Tag!

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      1. Für manche Kinder funktioniert auch die Stimmung im Gymansium nicht, es wird deren Bedürfnisse ncht gerecht. Lustigerweise, als ich Abitur gemacht habe, hatte das beste eine Ex-Hauptschülerin mit 1, weiss nicht mehr 😉

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  4. Ich habe drei Abschlüsse und Stipendium (trotz fünf in Mathe…) Ich war weder auf einem „Gümmmnasium“ oder wie das heißt … noch hab ich Fertigpizza gemieden… (grad ne Tonne Schoki auf ) – bin Vorsitzende im Club der Unperfekten …
    kommt alles in die Bahn… kommt alles. Mit liebe geht alles. Alles. Und Kinder brauchen kein Abi die brauchen Liebe in erster Linie… Genau. 👍🏻☀️❤️
    Sultanine for love peace and happyness💕

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  5. Ich denke auch, dass ein Gymnasialabschluss nicht der einzige Lebensweg ist. Dennoch würde ich vielleicht noch ein, zwei Wochen mit der endgültigen Entscheidung warten – falls dafür überhaupt noch Zeit ist. Und noch einmal überlegen, was dafür und was dagegen spricht. Eine Realschule ist schließlich auch kein Urlaubsparadies. Und vielleicht ist es ja noch was anderes, was zu Stress führt. Aber eben, wenn die Entscheidung dann immer noch gegen das Gymnasium fäll – ja eben: nirgends ein Sack Reis, der umfällt!

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  6. Es gibt so viele Möglichkeiten, ggf. und wenn für den geplanten Weg benötigt, die Hochschulreife zu erlangen. Ein Abi ohne erkanntes Ziel macht erstmal orientierungslos. Ich finde nicht, dass Du da falsch handelst.

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  7. Es gibt einen Haufen Wege um das Abitur zu machen. Manchmal bedarf es eben eines Umweges. Ich habe auch erst Realschule gemacht und dann Abi. Viele Feunde haben eine Lehre dazwischen geschoben oder erst Jahre später Abi gemacht. Gute Eltern zeichnen sich meiner Meinung nicht dadurch aus, dass sie ihren Kindern einen Lebensweg aufzwingen. Nur irgendeinen Plan sollten sie haben und den auch verfolgen. Da kommen Eltern dann doch wieder ins Spiel. Je nach Alter und Sprunghaftigkeit der Zöglinge kann das anstrengend sein.

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  8. Du bist eine gute Mutter, wenn du ein offenes Ohr und Herz für deine Kinder hast und mitdenken sowie die Verantwortung tragen kannst – und nach allem was ich hier lese, sehe und spüre, hast du genau diese Voraussetzungen. Und die Kinder haben manchmal das offene Ohr und Herz für dich. Ihr seid ein gutes Team. Da gibt es gemeinsames Lachen, Weinen und Sein, da ist Nestwärme.

    Kann mir vorstellen, dass deine Tochter dir leid tut, das würde mir auch so gehen. Ob nun das Gymnasium allein oder die Umstände an diesem der Hintergrund für ihre gesundheitlich aufgezeigte Grenze sind, das ist eine andere Frage. Mach dich nicht verrückt. Bleib da, mit Herz und Verstand – und alles wird gut. Ob mit oder ohne Abi jetzt. Hauptsache deine Tochter kann wieder positiver in die Zukunft schauen und sich ihres Lebens freuen. Es muss kein Schnellschuss sein, das zu entscheiden, aber wenn der Cut jetzt Abhilfe schafft, dann bist du eine sogenannte Vorzeigemutter, wenn du das mit ihr trägst.

    Ich war auf eigenen Wunsch auf der Realschule und musste meine Eltern dazu überreden. Dann wurde mir – wie prophezeit – in der 9. alles zuviel und ich wollte nur noch eins: Abgehen. Meine Mama trug das mit mir. Sie gab mir ein Buch mit Berufen, ließ mich wählen. Sie ging mit mir zu möglichen Lehrstellenplätzen und wir trugen gemeinsam die Entscheidung, die Mittlere Reife dann doch fertig zu machen, weil ich mich an keinem der angeschauten Orte für eine Lehre sah.
    Später – mitten in Scheidungs- und Sorgerechtsprozess – hab ich auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt, das anschließende Studium (als inzwischen alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern) allerdings nach dem ersten Semester geschmissen.
    Genau so war es richtig, ich kann zu all diesen Schritten in genau dieser Reihenfolge stehen.

    Sch… auf die gesellschaftlichen Normen und ausgesprochenen oder unausgesprochenen Erwartungen (anderer). Macht euer Ding, so wie es für sie und dich jetzt stimmt.

    Liebe Grüße
    Marion

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  9. Ich kann dich sehr gut verstehen – wir sind vielleicht nicht die „typischen“ Vorzeigemamis aber wir haben so viel Gefühl, das Leid unseres Kindes zu sehen und dementsprechend zu handeln. Du machst schon alles richtig, da bin ich mir sicher….Tete
    o.k. das mit der Tiefkühlpizza…hm…da habe ich so meine Zweifel 😉

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