Alle wollen immer „cool“ sein … ❄

Also, um es einmal offen auszusprechen: Ich heule viel. Vor Freude, vor Rührung, vor Wut, vom Lachen, vor Mitleid, aus Verzweiflung und aus Kummer.

Immer, wenn ich ein großes Gefühl habe, läuft der Tränenkanal über. Das ist mit den Jahren immer schlimmer geworden. Aber so ist es jetzt halt.

Ich bin eben ein sehr emotionaler Mensch. Cool, im Sinne von, man merkt mir nicht an, was in mir vorgeht, bin ich absolut nicht.

Dafür bin ich in anderen Dingen, wo andere ausrasten würden, laut meiner Tochter ziemlich cool, „gechillt“. Wenn sie früher von Kopf bis Fuß nass nach Hause kam, weil sie mit ihrer Freundin im Bach war, der wohlgemerkt nur bis zum Knie geht, habe ich immer nur gesagt, leg die Sachen in die Badewanne. Warum bleibst du so ruhig, Mama? Wollte sie dann wissen. Naja, wegen sowas rege ich mich halt nicht auf. Genauso wenig wie über eine schlechte Klassenarbeit oder so …

Und wenn es cool ist, sich vor anderen was zu trauen: zu singen oder zu tanzen zum Beispiel – kein Problem, das mache ich gerne.

Cool sein kann eben verschieden aussehen … Bei Jugendlichen heißt es „cool“ oder „gechillt“, bei Erwachsenen ist es die ersehnte Gelassenheit.

Aber gelassen heißt für mich nicht, man merkt mir meine Gefühle nicht an oder ich bin immer ruhig, sondern mehr so: Ich bin ich und das ist auch gut so und die anderen sind halt die anderen und auch okay.

Ich finde ja generell andere Eigenschaften eh viel wichtiger: Humor, Herz und Klugheit zum Beispiel.

10 Kommentare zu „Alle wollen immer „cool“ sein … ❄

  1. Ich finde es ziemlich wichtig, Gefühle zuzulassen.

    Als Kind und vor allem in Pubertät (und damit weiterführender Schule) hatte ich das Problem, dass ich ebenfalls bei allen großen Gefühlen losgeheult hatte. Ich sage „Problem“, weil das unter Jugendlichen tatsächlich ein Problem ist. Es liefert einen Angriffspunkt und der wird rücksichtslos ausgenutzt. Das führte dazu, dass ich zuerst ausgeschlossen war – und mir dann so gut es ging das Heulen abgewöhnt habe, zusammen mit den ganzen phantastischen Geschichten, die ich mir ausdachte und zu denen ich Dinge auf den Heftrand kritzelte – die dann gelegentlich mir aus der Hand gerissen wurden und zum Gelächter der Klasse vorgelesen.

    Die Quittung für diese hart antrainierte „Coolness“ kam später: Ich merkte, wie ich emotional verflachte. Während des Studiums habe ich hart daran gearbeitet, wieder davon wegzukommen – und inzwischen sagen mir die Leute – als positive Aussage! – sie kämen hauptsächlich zu meiner Geburtstagsparty, um mich eine halbe Stunde heulen zu sehen – in dem Falle vor Glück (darüber, dass sie alle da sind, über toll ausgedachte Geschenke, über … so vieles mehr!).

    Gleichzeitig setzt bei mir inzwischen ebenfalls die Gelassenheit ein. Während ich früher in heller Panik war, wenn irgendwas schief ging, geradezu gelähmt vor Angst, schlechtem Gewissen und … keine Ahnung was, kann ich heute recht gut weitermachen, wenn ich einen Fehler gemacht habe, der Auswirkungen hat oder jemand anderes irgendwas verbockt hat. Man kann das meiste irgendwie heilen. Mir hilft, nicht in die frühere Panik zu verfallen, wenn ich mit Leuten darüber reden kann. Nur Angst und Auswirkungen mit mir selbst zu wälzen und immer schlimmer zu denken, das war wohl auch eine Mechanik der früheren Panik.

    Ich kann … äh, lange Rede, kurzer Sinn … also sehr gut nachfühlen, wie das bei Dir ist, auch wenn es in den Details sicher ein bisschen anders ist bei Dir und mir, und ich mir hart erarbeiten musste, da hin zu kommen, wo ich jetzt bin, gerade auch emotional.

    Gefällt 3 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s