Respekt

Ich musste erst 46 werden, bis ich mich getraut habe, Menschen, die älter sind als ich, zu sagen, wenn sie zu weit gehen.

Übungsfelder sind meine Mutter, Kolleginnen und meine Vermieterin. Nur Frauen, fällt mir da auf. Bei Männern habe ich mich schon früher getraut. Bei älteren Frauen hatte ich zu viel Respekt. Inzwischen denke ich, ich kann auch ein Mindestmaß an Respekt erwarten.

Unter dem Dach mit einer alten Hexe

(Zum Abreagieren, war Tipp meiner Ärztin)

Meine Vermieterin ist eine alte Hexe gekreuzt mit einem missmutigen Feldwebel. Gerade hat sie wieder Sturm bei mir geklingelt, weil ein Schauer kam und meine Markise noch draußen war. „Das machen wir nicht. Was glaubst, du, wie viel die gekostet hat. Dann wird der Motor abgestellt.“ Mecker. Mecker.

Darauf ich: „Ist jetzt gut.“

Dann machte ich mich dran, das Treppenhaus zu putzen. Bin diese Woche dran. Da geht die Tür auf und das Geschenne geht weiter.

Leider ist mir dann der Kragen geplatzt: „Immer schreist du mich nur an, nie hast du ein nettes Wort für mich.“ – „Du schreist mich doch jetzt an.“ – „Es tut mir leid mit der Markise, ich habe gerade andere Sorgen, meine Mutter ist krank. Lass mich doch jetzt einfach die Treppe putzen. “ Sie meckert weiter. Darauf gehe ich raus vor die Tür. Einatmen. Ausatmen.

Sie glaubt einfach, sie ist der Chef. Erbärmlich. Ihr Mann hat dann ihre Wohnungstür zugemacht.

Habe das Treppenhaus noch weiter geputzt. Und mich darauf eingestellt, dass sie ihre andauernde Kündigungsandrohung jetzt wahrmachen wird. Soll sie. Habe ich inzwischen keine Angst mehr vor.

Ich hatte ja keine Ahnung – Über die Liebe

nor

Ehrlich, ich hatte keine Ahnung, ich habe das einfach nicht geglaubt, dass Liebe wirklich so sein kann. So erfüllend, so atemberaubend, so glückseligmachend. Ein Verbindung von Seele, Geist und Körper. Eine magische, eine spirituelle Erfahrung. Das Gefühl, sich gegenseitig Heimat zu sein.

Im Nachhinein weiß ich, dass ich meinen ersten Mann in diesem allumfassenden Sinne nicht wirklich geliebt habe. Aber ich wusste einfach nicht, dass das Realität sein kann. Dieser Satz aus dem Buche Salomon: „Sie erkannten sich.“

Manchmal bist du zu langsam für dein Leben 🐌

dav

Die letzten drei Wochen war in meinem Leben die Hölle los: Schuss vor den Bug von meinem Körper, Magenschleimhautentzündung meiner Tochter. Daraufhin ihre Entscheidung zum Schulwechsel. Schriftliches Abitur. Erkenntnisse über mich und andere.

Bisschen viel alles. Ich denke, ihr kennt das: manchmal passiert monatelang gefühlt nichts und dann bewegt sich das Leben plötzlich in Riesenschritten und man muss gucken, dass man mitkommt…

Ich bin keine Vorzeigemutter – ein etwas peinliches Geständnis

nor

Okay, bringen wir es gleich hinter uns: ich habe keinen langem Atem, kein Durchhaltevermögen, bin null zäh. In unserer sogenannten Leistungsgesellschaft bin ich eine Null. Außerdem habe ich aus Kummer über die totale Pubertäts- und Schul- und Einsamkeitsverzweiflung meiner Tochter gerade gegen den ausdrücklichen Rat meiner Ärztin eine halbe Flasche Weißwein (schlimm!) zu einer Fertigpizza (unverzeihlich!!!), die immerhin vegetarisch und aus dem Hochpreissegment war (Fleißsternchen*), zu mir genommen.

Nunja, meine Tochter hat mir gestern eröffnet, dass sie das Gymnasium total stresst und sie lieber auf die Realschule will. Sie will Zeit zum Chillen haben. Dass sie eine handfeste Gastritis (Magenschleimhautentzündung) hat, erhärtet ihre Argumentation. Ich könnte jetzt sagen, Kind, aber du hast doch den Grips fürs Gymi, aber das wäre nur die halbe Wahrheit, den nötigen Biss und Ehrgeiz wie ihr Bruder hat sie eben nicht.

Und ich, ich habe definitiv nicht den Nerv, das gegen ihren Willen durchziehen. Jetzt ist es raus: als Mutter bin ich… Nunja, ich denke mal je nach Sichtweise ein Totalausfall, gechillt, sensibel… Ich will jedenfalls, dass mein Kind glücklich ist. Und sorry, das Abitur braucht man nicht, um glücklich zu sein. Eine Mutter, die einem liebt und unterstützt, schon.

Nähe und Distanz – eine Reflexion über meine Bedürfnisse

nor

Natürlich brauche ich wie jeder Mensch die Nähe zu anderen. Im Allgemeinen gelte ich als aufgeschlossener, offener Mensch, der gerne Kontakte knüpft.

Trotzdem sind mir andere Menschen oft zu viel. Da ich sehr empfänglich für die Energien bin, die andere aussenden, erschöpft es mich, wenn ich (zu) viel mit anderen Menschen zusammen bin. Ich brauche sehr viel Zeit für mich allein, um aufzutanken, mich zu regenerieren.

Mit anderen Familien in Urlaub zu fahren oder im Alter in einer WG zusammenzuwohnen, mag für andere ein Ideal oder gelebte erfüllte Realität sein, für mich kommt es, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, eher nicht in Frage. Als zu anstrengend empfände ich auf Dauer die Temperamente und Launen der anderen, und zu anstrengend wäre es auch für mich, mich dauernd zurückzunehmen.

Da schlägt vermutlich mein Aufwachsen als Einzelkind und meine Freiheitsliebe durch. Ich lebe ja auch mit meinem jetzigen Partner nicht zusammen und finde das okay und habe das Teilen des Alltags in meiner früheren Ehe als Ursache für die sinnfreiesten Streitigkeiten überhaupt erlebt. Nie wieder will ich mich über so einen Quatsch streiten müssen!

Prima klar komme ich in meinem Alltag dagegen mit meiner Tochter, obwohl sie in der gefürchteten Pubertät ist. Warum? Sie ist entspannt, witzig, nicht nachtragend und dabei selbstbewusst, ohne sich selbst übermäßig wichtig zu nehmen. Und sie erträgt mich prima jeden Tag, ohne dass ich großartig die pädagogisch wertvolle Mutter oder überhaupt irgendwas sein muss. Wir sind beide einfach, wie wir sind.

Dieses Einfach-so-Sein geht mit meinem Sohn auch, der allerdings beim Papa wohnt. Und mit meinem Schatz funktioniert das ebenfalls. Wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass es nicht (mehr) so ist, wäre das das Ende der Beziehung. Da gehe ich keine Kompromisse mehr ein.