Die Wechselfälle des Lebens ♠️♥️♣️♦️

… kann man besonders gut an den Leuten aus meiner Abiklasse sehen.

Von den Berufen hätte man das vorhersehen können. Viele Lehrer, Ärzte, ein Unternehmer, ein Puppenspieler (nicht üblich, aber passt total gut), eine Yogalehrerin (auch keine Überraschung, wenn man die Person kennt).

Überraschend dagegen, wie das Privatleben einiger gelaufen ist. Klar, inzwischen sind viele geschieden, getrennt usw. Viele haben die üblichen zwei Kinder. Aber einige, die ich als absolute Familienmenschen eingestuft hatte, sind kinderlos, teilweise auch ohne Partner. Da sieht man mal wieder …

Ja, was eigentlich? Dass ich keine Menschenkenntnis habe? Dass man das Leben nicht planen kann? Dass man auch ohne Kinder und Partner glücklich werden kann? (Genau wie mit beidem auch unglücklich …)

Für mich ist ausschlaggebend, dass die Menschen, die ich früher als „Glückskinder“ bewundert habe, mir gar nicht mehr als solche erscheinen. Teils haben sie herbe Schicksalsschläge erlitten, teils sind sie schlecht gealtert (auch mental), teils führen sie ein überraschend langweiliges Leben.

Das war aus meiner Sicht alles nicht vorhersehbar und das ist gleichermaßen beunruhigend wie auch beruhigend, wenn ich mir zum Beispiel meine eigenen Kinder angucke. Die Karten werden immer wieder neu gemischt im Leben. Und man muss halt auch spielen, mit dem Blatt, was man hat.

Wie viel Macht gestehen wir der Vergangenheit zu?

Ich neige nicht zum Hadern. Meine Mutter beispielsweise ist ja eine, die vergangenen, angeblich falschen Entscheidungen gerne die Schuld gibt, wenn sie im Moment gerade nicht glücklich ist. Gerne auch anderen Personen.

Ich gucke lieber nach vorn. Ich sehe mich auch nicht gern als Opfer. Inzwischen weiß man, dass man sich durch immer wieder Reden über schlimme Erfahrungen auch retraumatisieren kann. Das Gehirn erlebt die Erinnerung als real.

Es war für mich ein Schock, in Forschungsberichten zu sehen, dass jahrelange Depression das Gehirn in Scans sichtbar verändert. Aber das ist reversibel. „Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“ von Marc Aurel ist eines meiner Lieblingszitate.

Deswegen versuche ich, schöne neue Dinge zu denken und zu erleben. Das vermittele ich auch meinen Kindern so. Die Verantwortung für mein Lebensglück habe ich, niemand sonst.

Es gibt Denker und es gibt Macher

(Aus: Gerd Scobel: Warum wir Philosophieren müssen)

Ich bin eher ein Denker. Ich denke gerne nach, analysiere die Gesellschaft, das Leben, mein Umfeld, mich selbst.

Während ein Macher in den Ferien Action braucht, was erleben muss, reicht es mir, (gerne am Strand oder am Pool unter Palmen), im Liegestuhl zu liegen und zu lesen. Dabei passiert auch unheimlich viel. In mir selbst halt.

In meinem Umfeld ist einigen Personen aufgefallen, dass ich „so weise“ geworden sei. (Nunja, hüstel.) Das liegt daran, dass ich sehr viel Zeit ins Denken, Lesen und Schreiben investiert habe. Was man trainiert, bildet sich aus.

Meine Mutter als Vorbild 💃🏻🧤👜📿

Früher war ich immer empört, wenn mir jemand sagte, ich sähe aus wie meine Mutter. Seit meinem dreißigsten Geburtstag stehe ich dazu: Ja es stimmt: Gesicht, Figur, Stimme – kommt hin.

Heute soll es aber darum gehen, was ich mir von meiner Mutter abgucken kann.

Also da wäre natürlich ihr Stil. Meine Mutter war und ist immer gut gestylt. Mit guten Farbkombis und Tüchern und Schmuck als Accessoires. Das habe ich mir schon als Kind bei ihr abgeguckt, wenn ich in ihren Kommoden kramen durfte, um mich zu verkleiden.

Was ich aber viel interessanter finde, ist, dass es meine Mutter immer schafft, auch schon als sie in ihren Dreißigern und Vierzigern war, von allen Menschen respektvoll behandelt zu werden. Nie habe ich es erlebt, dass sie von älteren Frauen oder sonstwem so zurecht gewiesen wurde, wie es mir oft passiert.

Sie hat so ein Auftreten, resolut und damenmäßig, freundlich, aber bestimmt, bei Bedarf empört die Stimme anhebend, so ein bisschen Diva – da wird sie immer respektvoll und zuvorkommend behandelt. Ich hatte eine ältere Kollegen, die war auch so.

Von dieser Art würde ich mir gerne eine Scheibe abschneiden. Ich arbeite dran.