Einen Hauch von Industrieromantik



… verspürte ich eben bei meinem sonnigen Spaziergang, bei dem ich mich für einen Weg rund um den Bahnhof und nicht am Neckar oder im Stadtpark entschied.

Die Sonne tat sooo gut. Werde jetzt versuchen, jeden Tag ein bisschen in der Mittagspause spazieren zu gehen.

Manchmal tut auch zusätzlich nach dem Abendessen eine Runde um den Block gut. Ich gehe einfach sehr gerne hier spazieren, hier gibt es immer was zu gucken: die Schaufenster der Geschäfte, der Neckar mit seinen Schwänen, der liebevoll angelegte Park, alte ehrwürdige Häuser und Bäume, der Bahnhof mit seinem Betrieb und Menschen, die hier zu jeder Tageszeit auf der Straße sind.

Nicht wie im Dorf, wo ich mich manchmal wie lebendig begraben gefühlt habe und mich immer fragte: wo sind bloß all die Leute? Das Leben hier entspricht mir einfach mehr, das spüre ich jeden Tag. Ich bin eben in Heidelberg aufgewachsen und brauche Leben um mich herum.

Dass ich mich von meinem ersten Mann damals überreden lassen haben, aufs Dorf zu ziehen, war sicher nicht besonders klug von mir … Ich habe mich da immer fehl am Platz gefühlt. Genau wie ein Haus zu haben mir weniger entsprochen hat als diese zauberhafte Altbauwohnung jetzt. Obwohl das Haus meine Idee war. Manchmal dauert es eben ein bisschen, bis man erkennt, was einem glücklich macht.

Endlich 🧚🏻‍♀️

… habe ich wieder ein unkompliziertes Verhältnis zum Essen. Ich bin selbst ganz überrascht.

Nach Jahren des ständigen Heißhungers, des Stressessens, des Belohnungsessens, des Trotzessens oder wahlweise des Kalorienzählens, Punktenotierens, Mahlzeitenaufschreibens kann ich endlich sagen: Essen nimmt nicht mehr so viel Platz ein in meinem Denken.

Ich habe das auf Rat meiner Ärztin durch einen verblüffend einfachen Weg geschafft: Ich esse nur noch zwei Hauptmahlzeiten am Tag (am späten Vormittag und frühen Abend) und sonst zero, nada, niente, nichts. Außer Kaffee oder Tee mit Mandelmilch oder Wasser.

Was ich da esse? Kein Low Carb, kein Low Fat, sondern gesunde ausgewogene Mischkost. Und normale Mengen. Und mit Genuss und Freude.

Die ersten drei Tage dachte ich, ich muss zwischen den Mahlzeiten jemand umbringen, so schlimm war der Hunger (kein Wunder, dass es in der sogenannten Dritten Welt so viele Bürgerkriege gibt) – und dann war es gut.

Der Körper und der Kopf haben sich daran gewöhnt. Und jetzt ist alles plötzlich ganz einfach. Und ich habe endlich den Kopf frei für anderes. Ein wahrlich herrliches Gefühl.

Unbelievable 😮🌹😶😍

Gestern ist etwas für mich Unglaubliches passiert: Mein Mann versicherte mir allen Ernstes, dass er meine emotionale Art, meinen Gefühlswahnwitz, meine innere Achterbahn als anziehend empfindet und dass ich froh sein soll, Gefühle so tief empfinden zu können. Dabei dachte ich immer, er nimmt das nur zähneknirschend als Teil des Gesamtpakets mit Kauf.

Wow! Wie kann das sein? Wo ich doch alle so anstrenge mit meiner Art – außer meine Kinder und Eltern, die auch so sind?

Das hätte ich niemals für möglich gehalten …

Erkenntnis

Gestern ist mir klar geworden, dass ich die Wahl habe: mein Temperament ist sicher angeboren; aber eine Tugend wie Mäßigung ist erlernbar und trainierbar.

Ich bin meinem heißblütigem Temperament und meiner emotionalen Art somit nicht einfach ausgeliefert. Und auch keinesfalls gezwungen, dadurch immer wieder eine Angriffsfläche zu bieten oder in innere Tumulte zu geraten.

Wie es mir im Job gelungen ist, mich mehr zurückzuhalten und wichtig von unwichtig zu unterscheiden, kann ich es auch im Privaten schaffen. Ich will mich einfach souveräner fühlen. Es tut mir gut. Ich möchte gerne eine Frau mit Haltung sein.

Schutzmaßnahmen 🛡

Heute habe ich nach langem inneren Ringen eine Tür von mir zugeschlagen, die weit offen war. Ich bin da manchmal etwas leichtsinnig und vergesse Vorsicht und auch Stolz.

Aber zur Souveränität als erwachsene Frau gehört auch, Menschen, von denen wenig zurückkommt, nicht hinterherzurennen. Oder die Konsequenzen daraus zu ziehen, dass manche Dinge oder Menschen nicht – oder nicht mehr oder auch noch nicht – so sind, wie man dachte.

Viele nehmen sich ja vor, offener zu werden. Ich habe dagegen die Absicht, vorsichtiger und verschlossener zu werden.