Schön, klug und entspannt

dav

… so sollten Frauen meiner Meinung nach sein. Isabelli Rosselini strahlt genau das für mich aus – in ihren Interviews und ihrer neuen Werbekampagne, die sie mit über 60 angeboten bekommen hat, nachdem das gleiche Unternehmen, sie mit 42 als „zu alt“ gefeuert hat. (Wenn man das Foto vergrößert, sieht man die feinen Lebenslinien von la Rosselini.)

Es ändert sich was in unserer Gesellschaft. Frauen werden anders wahrgenommen und treten auch anders auf. Das freut mich sehr. Ich habe auch den Eindruck, dass ich jetzt mit Mitte 40 nicht nur klüger und entspannter als mit 20 bin, sondern ich fühle mich auch schöner, einfach wohler mit mir selbst. Die Schönheit, die mit Charakter, Erfahrung und Ausstrahlung zusammenhängt, verliert mit dem Alter nicht, sondern gewinnt eher noch an Kraft und Energie. Das beobachte ich auch an den Frauen in meinem Umfeld. Und es ist wundervoll, das mitzuerleben.

Sich selbst liebevoll betrachten

„Sich wertend anzuschauen, ist für jede Frau der Kern von Unglück. Ich bin auch nicht frei davon.“

(Isabella Rosselini)

Dass selbst eine Beauty und ein Weltstar wie Isabella Rosselini „wertend“ automatisch mit abwertend gleichsetzt, macht mich fertig. Was ist nur los mit uns Frauen?! Ehrlich, die ganzen emanzipatorischen Errungenschaften nutzen nichts, wenn wir uns selbst so geringschätzig betrachten, weil uns dann bei aller Kompetenz immer eine Bemerkung über unser Äußeres aus der Bahn werfen kann.

Ich habe gelernt durch Spiegelmeditation, bei der mich ein sehr lieber Mensch begleitet hat, mich selbst liebevoll zu betrachten. Insgesamt würde ich auch sagen, dass ich mich heute in meiner Haut viel wohler fühle als vor ein paar Jahren. Und das höre ich von vielen Frauen in meinem Alter oder auch älter. Vielleicht, weil man sich besser kennt.

Und sicher ist es ein Vorteil, wenn man sich zwar attraktiv findet, sich aber über mehr als eine äußere Hülle definiert und auch den eigenen Charakter zunehmend gnädig betrachtet.

Achtung, Pubertät – keep cool, Parents

Ich habe zwei Kinder in der Pubertät. Einen Jungen, 14, mitten drin, und ein Mädchen, 10, früh dran, aber schon deutlich vernehmbare Anfänge, wie ich auch damals.

Also erstmal zwei Dinge vorneweg:

Erstens, so schlimm finde ich diese Zeit gar nicht, das nächtliche Wecken die ersten drei Lebensjahre meiner Tochter plus tagsüber Junge in der Trotzphase fand ich viel schlimmer.

Zweitens, was man vor der Pubertät an Erziehung verpasst hat, zum Beispiel, weil man zu fertig war oder sich als Eltern uneinig war, kann man jetzt nicht mehr aufholen. (Was in meinem Fall teilweise spürbar ist, aber nicht mehr zu ändern. Sich grämen bringt da nix, habe ich beschlossen.)

Also gut, jedes Kind und jede Mutter, jede Familie ist anders, daher hier ein paar sehr subjektive Einsichten, die ich bisher glaube, gewonnen zu haben:

Egal, was das Kind auch tut und wie sauer man deshalb auch ist, man muss immer klarmachen, dass man nur über das momentane Verhalten des Kindes erbost ist und es als Person grundsätzlich lieb hat und unterstützt.

Auch wenn die Kinder oft ihre Ruhe haben wollen, brauchen sie oft doch in manchen Momenten ganz viel Zuneigung, ob dies nun ein offenes Ohr oder ausgiebiges Knuddeln, ein langes Gespräch oder ein kurzes Drücken ist.

Den Kindern sollte nichts zu peinlich sein, um es anzusprechen. Dabei hilft es, wenn einem selbst nichts peinlich ist.

Das Kind wird jetzt vielleicht Erfahrungen machen, die vielleicht nicht optimal sind, aber dazugehören: die erste Zigarette, der erste Rausch, die erste Beziehung und Trennung. Freuen Sie sich, wenn ihr Kind das mit Ihnen teilt, sprechen Sie Gefahren aber offen an. Gesundheitliche Risiken, Verhütung, aber auch, wie man mit jemanden human Schluss macht, gehören für mich zu den Themen, über die man offen reden sollte.

Wenn das Kind verzweifelt ist, auch, wenn es für einem selbst gerade nicht nachvollziehbar ist, sollte man versuchen, es zu verstehen oder zumindest signalisieren, dass man da ist.

Wenn das Kind streng riecht oder fettige Haare hat, klären Sie es über die neuen Notwendigkeiten der Körperhygiene auf.

Wenn Sie mal ganz unpädagogisch ausrasten, weil Ihre Nerven blank liegen, sind Sie nicht zu streng mit sich. Das Kind soll ruhig lernen, dass Sie auch Gefühle haben. Es soll ja ein emphatischer Mensch werden.

Ihr Kind reift jetzt zu einer Persönlichkeit mit Ecken und Kanten und eigenen Interessen heran, nutzen Sie die Chance für Gespräche über Politik, Liebe oder was auch immer.

Denken Sie daran, wie aufregend und anstrengend Ihre eigene Pubertät war.

Versuchen Sie Ihren Humor zu behalten. Er entkrampft vieles. Und das Kind lernt dabei, wie wertvoll das ist.

Und vor allem: Machen Sie sich bewusst. Es geht vorbei. Als Lehrerin sehe ich das Jahr für Jahr.

Her mit der Farbe! – Übers Farbe bekennen

Bis vor wenigen Jahren war es für mich noch ganz klar: Schwarz ist meine Lieblingsfarbe. Elegant, cool, intellektuell, schlicht, passt immer.

Abends ging ich immer in Schwarz weg, tagsüber kombinierte ich Schwarz mit anderen Farben. Schuhe, Handtaschen usw. kaufte ich am liebsten in Schwarz. 

Jetzt habe ich seit ein paar Wochen eine neue Brille in angesagtem Pastellrosa, für die ich viele Komplimente bekommen habe, und werde langsam, aber sicher, farblich völlig enthemmt für meine Verhältnisse. Hatte gestern curryfarbenen Pulli und buntes Halstuch (siehe Foto) an und habe förmlich gespürt, wie mich die Energie durchströmt hat.

dav

Im Rückblick hat sich dieser Wechsel zu mehr Farbe in den letzten Jahren langsam vollzogen und hat sicherlich auch mit einem Farbebekennen in anderer Hinsicht zu tun. Seit ich mich von meinem damaligen Mann getrennt habe, tastete ich mich langsam heran, innerlich wie äußerlich farbiger zu werden: Erst über Nagellack, dann kamen Animalprint und andere Muster (gerne Ringel) hinzu. Insgesamt zeigte ich mit meiner Kleidung und meinem Auftreten zunehmend: Schaut her, ich bin attraktiv und selbstbewusst, mit mir muss man rechnen! Klar gehört Schwarz noch zu meinem Repertoire, aber inzwischen zeige ich gerne mehr. Das gilt auch für die charakterlichen Facetten. 

Im Beruf traute ich mich plötzlich unter dem schockstarren Blick der Kollegen ehrwürdige Kolleginnen Einhalt zu gebieten und es passierte – nichts. Außer, dass ich Respekt erhielt.

Andererseits kann ich jetzt auch problemloser zu meinen Schwächen stehen als früher und damit leben, dass ich nicht jedem gefalle. 

Vielleicht ist das dieses Erwachsenwerden, von dem alle immer reden. Etwas spät vielleicht, aber fühlt sich gut an.