Schluss mit lustig – oder wie aus einem entspannten Kollegium ein Abklatsch von „Game of Thrones“ wurde… 🦊🐍🦚

Bin heute aus allen Wolken gefallen, weil mich Kollege angesprochen hat, ich hätte mich über ihn „als unkollegial in der Prüfung beschwert“. Habe ich nicht. Habe mich über den Vorsitzenden der anderen Schule kritisch geäußert. Aber in diesem Kollgium wird einem wirklich das Wort im Mund umgedreht, Intrigen gesponnen, Gerüchte gestreut, da ist der Denverclan ein Kindergarten gegen. „Game of Thrones“ trifft es schon eher.

Ziehe jetzt die Konsequenzen, werde nur bei offiziellen Veranstaltungen dabei sein und mich mit meinen vier Freunden im Kollegium privat treffen und ansonsten nett lächeln und schweigen. Das Abschlussgrillen in der letzten Woche und der Kneipenabend am letzten Schultag werden ohne mich stattfinden müssen. Früher war das mal Entspannung für mich. So wie sich das Kollegium durch schrittweise Pensionierung der alten Garde entwickelt hat, ist das vorbei.

Wir waren mal eine coole Truppe, mit der man feiern konnte, sein Herz ausschütten, sich schlapplachen oder einfach abhängen. In meiner ersten Ehe haben mich die damaligen Kollegen durch die harte Zeit gecoacht. Jetzt würde ich am liebsten das Lehrerzimmer mit Cannabisäther fluten und rufen: Chillt mal euer Life!

Nähe und Distanz – eine Reflexion über meine Bedürfnisse

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Natürlich brauche ich wie jeder Mensch die Nähe zu anderen. Im Allgemeinen gelte ich als aufgeschlossener, offener Mensch, der gerne Kontakte knüpft.

Trotzdem sind mir andere Menschen oft zu viel. Da ich sehr empfänglich für die Energien bin, die andere aussenden, erschöpft es mich, wenn ich (zu) viel mit anderen Menschen zusammen bin. Ich brauche sehr viel Zeit für mich allein, um aufzutanken, mich zu regenerieren.

Mit anderen Familien in Urlaub zu fahren oder im Alter in einer WG zusammenzuwohnen, mag für andere ein Ideal oder gelebte erfüllte Realität sein, für mich kommt es, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, eher nicht in Frage. Als zu anstrengend empfände ich auf Dauer die Temperamente und Launen der anderen, und zu anstrengend wäre es auch für mich, mich dauernd zurückzunehmen.

Da schlägt vermutlich mein Aufwachsen als Einzelkind und meine Freiheitsliebe durch. Ich lebe ja auch mit meinem jetzigen Partner nicht zusammen und finde das okay und habe das Teilen des Alltags in meiner früheren Ehe als Ursache für die sinnfreiesten Streitigkeiten überhaupt erlebt. Nie wieder will ich mich über so einen Quatsch streiten müssen!

Prima klar komme ich in meinem Alltag dagegen mit meiner Tochter, obwohl sie in der gefürchteten Pubertät ist. Warum? Sie ist entspannt, witzig, nicht nachtragend und dabei selbstbewusst, ohne sich selbst übermäßig wichtig zu nehmen. Und sie erträgt mich prima jeden Tag, ohne dass ich großartig die pädagogisch wertvolle Mutter oder überhaupt irgendwas sein muss. Wir sind beide einfach, wie wir sind.

Dieses Einfach-so-Sein geht mit meinem Sohn auch, der allerdings beim Papa wohnt. Und mit meinem Schatz funktioniert das ebenfalls. Wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass es nicht (mehr) so ist, wäre das das Ende der Beziehung. Da gehe ich keine Kompromisse mehr ein.

Von äußerer und innerer Aufgeräumtheit 🗑️

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Bei mir ist es zur Zeit für meine Verhältnisse sehr aufgeräumt. Leute, die mich kennen, wissen, dass das mehrere Dinge bedeuten kann: Ich hatte vor kurzem Besuch. Die Kinder sind beim Papa. Es sind Ferien. Ich bin gerade innerlich „aufgeräumt“, ein sehr schöner Ausdruck von meinem Papa. Soll heißen: Ich bin gerade entspannt und mit mir selbst im Reinen. In diesem Fall trifft dankenswerterweise gerade alles zu. Hurra!

Schön, klug und entspannt

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… so sollten Frauen meiner Meinung nach sein. Isabelli Rosselini strahlt genau das für mich aus – in ihren Interviews und ihrer neuen Werbekampagne, die sie mit über 60 angeboten bekommen hat, nachdem das gleiche Unternehmen, sie mit 42 als „zu alt“ gefeuert hat. (Wenn man das Foto vergrößert, sieht man die feinen Lebenslinien von la Rosselini.)

Es ändert sich was in unserer Gesellschaft. Frauen werden anders wahrgenommen und treten auch anders auf. Das freut mich sehr. Ich habe auch den Eindruck, dass ich jetzt mit Mitte 40 nicht nur klüger und entspannter als mit 20 bin, sondern ich fühle mich auch schöner, einfach wohler mit mir selbst. Die Schönheit, die mit Charakter, Erfahrung und Ausstrahlung zusammenhängt, verliert mit dem Alter nicht, sondern gewinnt eher noch an Kraft und Energie. Das beobachte ich auch an den Frauen in meinem Umfeld. Und es ist wundervoll, das mitzuerleben.

Das ist ja spannend!

Alfred Hitchcock, the master of suspense
(Bild: Wikipedia)

Wie ich heute in einem Kommentar auf „Mias Anker“ bereits ausführte, habe ich gestern für mich beschlossen, wenn mich eine Situation oder Person stresst oder nervt, laut zu sagen: „Das ist ja spannend!“

Das ist für mich ein rundum positiver Satz, den ich hier auch schon öfters für Beiträge auf anderen Blogs verwendet habe, die ich spannend, im Sinne von interessant fand.

Diese positive Besetzung werde ich nun versuchen, mir zunutze zu machen, wenn ich mal wieder an einer Situation oder meinen Mitmenschen verzweifle. Damit wird etwas Negatives in eine Herausforderung oder einen interessanten Betrachtungsgegenstand umgedeutet:

Meine Mutter sagt nun allen Leuten unaufgefordert „die Wahrheit“, kündigt ihrer Putzfrau, mit der sie angeblich befreundet war, und droht meinem Vater, auf Kur zu gehen, und sich einen Hallodri anzulachen – das ist ja spannend!

Menschen in meinem Kollegium, die fragwürdige Charaktereigenschaften und/oder Kompetenzen haben, bewerben sich für Führungspositionen – das ist ja spannend!

Meine Freundinnen und ich stellen fest, dass man es plötzlich deutlich sieht und merkt, dass wir älter werden – das ist ja spannend!

Ich bin gespannt, ob mich dieser Kniff entspannter und optimistischer werden lässt.

Mach dich locker, Baby!

„Perfektion ist auch keine Lösung.“

(Natalie Knapp, Philosophin, in: „50 kluge Gedanken, die Kopf und Herz öffnen, Beiheft zu “ Brigitte“ 3/2019)

Natürlich sollte man seine Aufgaben gewissenhaft erledigen. Aber man sollte es eben nicht übertreiben, man muss nicht 120 Prozent geben, nicht mal 100 – 80 Prozent reichen in der Regel.

Wenn man alles mit dem Anspruch macht, perfekt zu sein, setzt man sich nicht nur selbst unter Druck, sondern geht auch seinen Mitmenschen oft mächtig auf die Nerven.

Eine gewisse Lockerheit entspannt das Klima enorm, beruflich und privat.

Oder wie der Enkel in dem genialen Film „Willkommen bei den Hartmanns“ mit seiner Band rappt: „Chill mal dein Gesicht, Mann, komm mal runter!“

PS: „Philosophin“, was für eine coole Berufsbezeichnung, verdient die damit wirklich Geld? Neid!