Wer bin ich? Wer war ich? Wer will ich werden? 🐛

Mit diesen grundlegenden Fragen werde ich gerade konfrontiert, wo ich dabei bin, die letzten Kartons im Schlafzimmer einzuräumen.

Besonders meinen wechselnden Schmuckgeschmack finde ich da interessant, aber ich werde mich hüten, etwas wegzuschmeißen: Meine Hippieholzkette, die ich von 15 (in einem kleinen alternativen Eckladen erstanden) bis Mitte 20 getragen habe, lag schließlich auch jahrelang dekorativ im Schmuckkorb, bis ich sie letztes Jahr entstaubt habe und wieder ausgesprochen gern trage. Schmuck wegzuwerfen finde ich eh schwierig …

Meine Hochzeitsschuhe bin ich dagegen geneigt wegzuschmeißen … Andererseits: es war eine wundervolle Nacht 2002 im August, eine rauschende Party, die ich sehr genossen habe. Egal, wie wechselhaft die Ehe war, die danach kam, sind sie für mich positiv behaftet.

Die Tagebücher aus meiner harten Zeit habe ich dagegen, ohne mit der Wimper zu zucken, beim Ausmisten vor dem Umzug entsorgt. Ein Meter geballtes Leid in Din A 4 Spiralblöcken.

Ich finde es gilt immer noch: Was positive Energie ausstrahlt, darf bleiben – der Rest kann weg.

Ein Tag voller Glück🐞

Gestern war ein wundervoller Tag, obwohl ich bei der Autofahrt erst befürchtete, ich müsse mich übergeben (Kreislauf, Wetter). Nach einer Cola und einer Schmerztablette ging es mir jedoch besser und wir fuhren nach einem Abstecher in einen türkischen Supermarkt, wo wir Köfte (Hackfleisch), Putenspieße und Fladenbrot kauften, weiter zu meinem Papa. Er feierte gestern mit uns seinen 79. Geburtstag, den man ihm wirklich nicht anmerkt, so gut, wie er aussieht, und so fit, wie er ist. Er schmeißt praktisch den ganzen Haushalt, weil meine Mutter in den letzten Jahren körperlich und psychisch so abgebaut hat.

Neben einer Brecht-Biografie schenkten wir ihm das Geburtstagsessen: Mein Mann, der gebürtig aus Marrakesch stammt, kochte marrokanisch für uns: Hackfleischbällchen in Tomatensoße, Putenspieße und einen bunten Salat. Meine Eltern lieben das Essen von ihrem neuen Schwiegersohn und mein Sohn hilft ihm immer beim Schnippeln.

Nach anfänglich etwas gespannter Atmosphäre, weil meine Mutter, obgleich eigentlich nicht die Hauptperson bei der Feier, gewohnt divenhaft mal wieder das Gespräch an sich riss, wurde die Stimmung nach dem guten Essen bald entspannter. Wir rissen Witze darüber, dass meine Mama der Chef im Haus ist, und meine Mutter, die durchaus über sich selbst lachen kann (eine sehr löbliche Eigenschaft), lachte herzlich darüber. Mein Vater sowieso. Mein Mann, der meine Eltern reizend findet, sprang meiner Mutter charmant zur Seite und freute sich, in so eine nette, wenn auch leicht verrückte Familie eingeheiratet zu haben. Meine Tochter zog es vor, mit Migräne und Menses zu Hause zu bleiben und mein Sohn gab sein anfängliches Genervtsein bald auf und musste bei unseren Anekdoten und Neckereien mitlachen.

Diesen Tag rahme ich mir in meinen Erinnerungen ein und denke daran, wenn meine Mutter mal wieder eine schlimme Phase hat oder mein Vater mal wieder sagt, manchmal glaube er, er schaffe es nicht mehr mit ihr…