Andererseits… Die Sache mit dem lieben Geld (Ergänzung zum Beitrag „Panikanfall“)

Andererseits: Was bin ich froh, dass ich nicht, wie viele Frauen bei mir im Dorf zugeben, aus finanziellen Gründen bei meinem Ex geblieben bin. Ich habe schon immer mein eigenes Geld verdient, auch als die Kinder kleiner waren. Wie die kluge Coco Chanel einst bemerkte, geht Emanzipation nur mit finanzieller Unabhängigkeit.

Ich bin jetzt frei darin, Essen zu gehen oder mich wochenlang hauptsächlich von Pellkartoffeln oder Nudeln zu ernähren. (Low Carb ist zu teuer.) Ich kann mit meiner Tochter in einen Hotelurlaub fahren oder es lassen. Ich bin alleinerziehend und ich verdiene das Geld, ich bin der Bestimmer. Mein neuer Partner wohnt nicht bei meiner Tochter und mir, dadurch wird das noch verstärkt. Letztlich bleibe ich trotz Beziehung für meinen Alltag allein verantwortlich.

Und jetzt gibts halt wieder monatelang keine Extras, um die Extraausgaben abzustottern. Ich bin niemand, der ein Minus psychisch lange aushält. Mal klotzen und dann kleckern, heißt meine Devise zur Zeit. Finde ich persönlich besser, als immer zu knausern, das ist so freudlos. Bei meinem Exmann hat mich das verrückt gemacht, nie Essen zu gehen, nie einen normalen Urlaub, sich nie was gönnen. Und das hat sich auch mit neuer Partnerin nicht geändert, wie mir mein Sohn, der ja bei ihm lebt, berichtet.

Und ab September arbeite ich voll. Dann beruhigt sich die finanzielle Situation hoffentlich. Und für die Pension bringt es auch was. Geld ist eben auch ein Stück Freiheit für mich, dazu stehe ich.

„Mama, warum bleibst du so entspannt?“ – Versuch einer Erklärung🌻

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Ich hatte heute Nacht einen Alptraum, ich hetzte wie eine Bekloppte durch den Tag, getrieben von Terminen und anderen Dingen, die gemacht werden „mussten“ . Ich weiß noch, wie ich im Traum dachte: Was ist denn los, die Zeiten sind doch vorbei?!

Ich vermute, dass dieser Traum entstanden ist, weil ich durch einige Blogbeiträge zum Thema Hektik getriggert wurde und auch das Buch von Strelecky, das ich gerade fertig gelesen habe, sich mit der Problematik des Getriebenseins beschäftigt.

Warum aber fühle ich mich nicht mehr getrieben, bleibe oft entspannt zur Verwunderung meiner Tochter und anderen?

Ich glaube, dafür gibt es mehrere Gründe:

Ich habe in meinem Job und als Mutter einfach mehr Routine als früher.

Fehler zu machen, macht mir nicht mehr solche Angst.

Es gibt keine „Alltagskämpfe“ mehr über Haushalt, Finanzen und Kindererziehung, weil ich alleinerziehend bin und mich finanziell selbst versorge.

In meinem Haushalt dürfen sich nur noch Personen mit positiver Energie aufhalten.

Ich versuche nicht mehr, irgendwelche Vorgaben von anderen zu erfüllen, um eine gute Mutter, Hausfrau, Ehefrau oder Lehrerin zu sein.

Dadurch habe ich plötzlich wahnsinnig viel Zeit und Energie übrig, weil die ganzen Reibungsverluste wegfallen.

Mit anderen Worten: ich werde nicht mehr von außen gesteuert, sondern von innen.

Alleinsein – ein Lebensgefühl

Seit ich denken kann, ist Alleinsein mein Lebensgefühl. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein unfreiwilliges Einzelkind bin.

Ich erinnere mich an zahlreiche Situationen in der Pubertät, wo ich abends heulend nach einem Streit mit meiner Mutter auf dem Bett lag und mein Vater kam und mich bat, ich möge mich entschuldigen. Dabei war ich einfach nur, wie ich bin. Niemals wieder habe ich mich so unverstanden und ungerecht behandelt und ausgeliefert gefühlt. Um des lieben Friedens willen entschuldigte ich mich, aber die Verletzungen blieben.

Das Verhältnis zu meinem Kindern ist viel offener und mehr auf Augenhöhe. Wir können uns alle entschuldigen und ich habe oft das Gefühl, niemand versteht mich so gut wie sie. Und wenn sie verzweifelt oder zornig wegen etwas in ihrem Leben sind, versuche ich immer zu signalisieren, dass ich sie verstehen kann. Was auch stimmt.

In meiner ersten Ehe, war ich sehr allein, buchstäblich allein gelassen wie in ein Gefängnis habe ich mich gefühlt. Habe aber tapfer versucht zu lächeln und für die Kinder da zu sein. Meine Eltern konnten mir nicht helfen. Waren überfordert, war ich doch immer ein so gut funktionierendes Kind gewesen, das alles mit sich alleine ausgemacht hat.

Jetzt bin ich alleinerziehend. Mein neuer Mann wohnt nicht bei mir. Wir haben eine Fernbeziehung. Wenn es mit meiner Tochter Probleme wegen ihrer traumatischen Grundschulzeit gab, war mir wieder bewusst, wie allein ich bin. Für meinen Exmann war ich die unfähige Mutter und an allem schuld, er verstand seine Tochter überhaupt nicht. Und so sah ich mich allein an allen Fronten: Musste mein verzweifeltes Kind beruhigen, die tyrannische Schulleiterin höflich behandeln und mich gegen die Vorwürfe meines Exmanns zur Wehr setzen. Und bei alledem nicht durchdrehen. Ich war sehr erleichtert, als ich Hilfe bei einer Erziehungsberatung suchte und diese mir versicherte, ich sei normal und meine Tochter auch. Sie empfahl einen Schulwechsel und das zogen wir dann auch durch.

Als ich vor drei Jahren meinen damaligen Mann, mein Haus und leider auch meinen Sohn, der sein gewohntes Umfeld nicht zurücklassen wollte, verließ, hatte ich große Angst, dass ich es alleine nicht schaffen würde.

Ich hatte noch nie alleine gewohnt. Meine Tochter ist ja noch ein Kind. Aber ich habe es geschafft. Ich fragte bei manchen Dingen Freunde oder Nachbarn um Hilfe oder ließ gegen Bezahlung einen Fachmann kommen, manches ist mir auch nicht so wichtig, so dass ich manche Probleme seit der Trennung gar nicht mehr habe. Letztlich fühlt es sich toll an, allein zu sein. Man ist sein eigener Herr und macht die Dinge, wie man will. Und mit meiner Tochter bin ich ein echtes Mädchenteam. Sie ist genau wie mein Sohn durch die Trennung sehr selbstständig geworden.

Ich hoffe sehr, meine Tochter wird mal mutiger als ich sein und schneller Stopp sagen, wenn ihr etwas nicht passt. Ich kann jedenfalls sagen, dass ich jetzt erst erwachsen geworden bin. Und die zwei Jahre ohne Beziehung will ich nicht missen, ich weiß jetzt, ich schaffe es, allein zu sein, und kann es sogar genießen – und das ist ein richtig gutes Gefühl, weil es mich unabhängig macht.

Was Liebe wirklich heißt…

… ist einem, wenn man Kind oder Jugendliche ist, ja gar nicht klar. Man hat irgendwelche verschwommenen Vorstellungen, die zuckersüß angekitscht sind von Märchen, Romanen und Filmen, je nach Alter. 

Was Liebe – genauer, zu lieben – wirklich bedeutet für mich, habe ich erst viel später begriffen: durch meine Beziehungen und durch meine Kinder. 

Man hat jetzt plötzlich tausend Freuden, aber eben auch tausend Sorgen, die man ohne den anderen nicht hätte.

Man erlebt mit dem anderen seine Erfolge, aber auch seine Niederlagen.

Man ist verletzlich und angreifbar, wenn der andere verletzt oder angegriffen wird.

Ob man glücklich ist, hängt auch davon ab, ob der andere glücklich ist.

Man ist, mit anderen Worten, nicht mehr frei, wie viele sagen würden. 

Dafür wird man so angenommen, wie man ist. Denn das ist geliebt werden: Man kann einfach man selbst sein. Und das ist letztlich auch eine Form von Freiheit.