Wie viel Macht gestehen wir der Vergangenheit zu?

Ich neige nicht zum Hadern. Meine Mutter beispielsweise ist ja eine, die vergangenen, angeblich falschen Entscheidungen gerne die Schuld gibt, wenn sie im Moment gerade nicht glücklich ist. Gerne auch anderen Personen.

Ich gucke lieber nach vorn. Ich sehe mich auch nicht gern als Opfer. Inzwischen weiß man, dass man sich durch immer wieder Reden über schlimme Erfahrungen auch retraumatisieren kann. Das Gehirn erlebt die Erinnerung als real.

Es war für mich ein Schock, in Forschungsberichten zu sehen, dass jahrelange Depression das Gehirn in Scans sichtbar verändert. Aber das ist reversibel. „Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“ von Marc Aurel ist eines meiner Lieblingszitate.

Deswegen versuche ich, schöne neue Dinge zu denken und zu erleben. Das vermittele ich auch meinen Kindern so. Die Verantwortung für mein Lebensglück habe ich, niemand sonst.

Die große Liebe🌹

(Dieses Bild hat mir mein Sohn mal vor Jahren zum Muttertag gemalt.)

Schon als kleines Mädchen träumen die meisten Frauen von der großen Liebe… Ich auch. Befeuert durch Märchen, Hollywoodfilme und Bücher. Die große Liebe, so wird weithin suggeriert, gibt dem Leben erst seinen Sinn.

Jetzt, mit Mitte 40, kann ich feststellen, dass das in dieser Absolutheit natürlich Quatsch ist! Das wäre ja sonst auch furchtbar: NATÜRLICH kann man auch ohne Partner ein sehr schönes und erfülltes Leben führen. Das sollte man sich gerade als Frau immer bewusst machen. Auf jeden Fall ein sehr viel besseres und glücklicheres, als in einer Beziehung an der man nur aus Angst vor Einsamkeit festhält.

Das alles konnte ich am eigenen Leib feststellen. Aber seit anderthalb Jahren weiß ich eben auch: Yes, the big love exists! Grande amoure! Grand amour ! Da musste ich ein halbes Leben, eine Ehe, zwei Geburten und fünf depressive Phasen hinter mich bringen, um meine frisch erworbene zynische Haltung zum Thema „große Liebe“ abzulegen.

Denn nun, mit meinem Schatz, erlebe ich genau das, was ich jedem mindestens einmal im Leben wünsche (Vorsicht, Kitsch, aber wahr): Man guckt den anderen an und das Herz wird zum Bersten voll mit Liebe. Dieses Gefühl habe ich auch beim Betrachten meiner Kinder. Als ich das zum ersten Mal in meiner ersten Ehe beim Anblick meines Sohns empfunden habe, war mir plötzlich klar, dass ich meinen damaligen Mann zwar mochte, aber das Liebe etwas anderes, viel Größeres ist.

Wenn ich jetzt meinen Liebsten angucke, kann ich aus vollstem Herzen sagen, ja, er ist meine große Liebe. Er ist schön, sexy, klug, charmant, entspannt und witzig. (Vermutlich hat er auch Fehler, aber ich auch, oh ja!) Wie ihr schon merkt, bin ich immer noch sehr verliebt und das nach immerhin schon anderthalb Jahren Beziehung. Ich bin sehr sehr glücklich mit ihm und merke, dass sich das Verliebtsein langsam in etwas Tieferes verwandelt – in Liebe.

Gedanken über das Glück🐞

dav

Es gibt einen jüdischen Witz, der geht so: Mosche betet jeden Abend für einen Lottogewinn. Und nichts passiert. Irgendwann beschwert er sich bei Gott, warum er seine Gebete nicht erhöre. Daraufhin tut sich eine Wolke auf und Gott spricht zu Mosche: „Mosche, gib mir dochmal ne Chance und fülle einen Lottoschein aus!“

So sind viele Menschen, sie jammern, sie seien nicht glücklich, aber sie geben dem Glück und dem Glücklichsein gar keine Chance…

Manchmal muss man sich zu seinem Glück zwingen

nor

Bin heute praktisch den ganzen Tag mit der Erkältung im Bett rumgedümpelt, bis ich um drei beschlossen habe, dass es so nicht weitergeht. Schließlich will ich morgen wieder arbeiten und wenigstens ein bisschen das Gefühl von Wochenende gehabt haben.

Also habe ich mich, wie übrigens auch gestern, aufgerafft und auf den Balkon gesetzt. Mit Kaffee und Buch. Nebenbei habe ich mit meinem Sohn noch gequatscht und den Wochenmüll entsorgt.

Ich muss mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es mir gut tut, mich aufzuraffen. Und wenn es wegen der Tagesform nur zu was Kleinem ist…

Was wirklich zählt – Reflexion nach einem Gespräch

dav

Ich hatte gestern ein Gespräch mit einer älteren Frau (ich kann nicht Dame schreiben, weil das null passt) aus meinem Dorf. Sie ist ein abschreckender Typ Mensch und meckert viel rum und ist nicht besonders beliebt.

Sie hat mir ihr Leid geklagt, dass sie immer gespart habe, um ihr Haus zu renovieren und sich Wohnungen kaufen zu können, die sie dann vermietet. Sie habe ihr Leben lang gearbeitet und sei seit 30 Jahren nicht in Urlaub gefahren. Und ihre Gesundheit sei nun im Alter auch nicht mehr die beste.

Sie habe Sehnsucht danach, öfter ein Schwätzchen mit mir zu halten. Ich sagte offen, dass mich das überrasche, weil ich bisher nicht den Eindruck hatte. (Sie ist eher der Typ, der einem eine Standpauke hält, wenn man ihr mal begegnet. Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen Angst vor ihr und versuche, ihr aus dem Weg zu gehen.) Wieder mal ein typisches Beispiel, dass jemand unglücklich ist, und dann nur rummeckert und so erst recht keinen Anschluss findet.

Tja, was soll ich sagen: Da hat wohl jemand aufs falsche Pferd gesetzt. Wenn sie regelmäßig in Urlaub gefahren wäre und Freundschaften gepflegt hätte, statt Geld und Immobilien anzuhäufen, hätte sie vermutlich klüger für ihr Alter vorgesorgt.

Aber letztlich ist alles eine Frage des Naturells – wenn ihr Mann Geburtstag hat, ist Bombenstimmung und das halbe Dorf da. Er schafft es, das Leben zu genießen, obwohl er auch bei schwacher Gesundheit ist und 30 Jahre nicht in Urlaub war und reißt auch mal einen Scherz mit den Leuten.

Aber wie sie mal so schön zu mir gesagt hat: ihm gehört nichts, ihr alles. Wenn sie sich da mal nicht täuscht…

Mein momentanes Lebensgefühl

dav

Ich bin erfüllt von einem tiefen Glücksgefühl im Moment: Mein Schatz war sechs Tage da, der Frühling bricht an, meine Kinder sind voll goldig drauf und wir haben ab morgen Nachmittag eine Woche Faschingsferien – in denen ich zwar korrigieren muss und meine Tochter eine Buchbesprechung vorbereiten, aber trotzdem viel freie Zeit, hurra!

Ich tanke jetzt ganz viel Kraft für Zeiten, in denen es mal wieder harkt…

Liebe ist… Gedanken zum Valentinstag

Es gibt viele verschiedene Formen von Liebe. Die moderne Psychologie unterscheidet zwischen Amor, Eros und Agape.

Amor ist die romantische Liebe.

Eros die sexuelle Liebe.

Agape die mitmenschliche Liebe.

Selbst wenn man in der romantischen Liebe kein Glück hat, kann man somit noch viel Liebe in sein Leben bringen. Gerade die mitmenschliche Liebe wird dabei häufig unterschätzt. Die Liebe, die man gegenüber seinen Kindern oder Freunden empfindet, ist eine wundervolle Erfahrung und oft stabiler als die romantische Liebe und als der Eros sowieso. Deshalb sollte man es sich zum Beispiel gut überlegen, ob man mit einem Freund eine Affäre anfängt.

Der Valentinstag ist natürlich der Tag der romantischen Liebe, Thema in unzähligen Gedichten, Bildern und philosophischen Abhandlungen. Sie wird häufig als Quell höchsten Glücks angesehen. Das kann sie sicher sein, aber leider auch der Ursprung größten Unglücks. Wem das Herz gebrochen wird, der ist am Boden und verliert jede Lebenslust. Umgekehrt ist ein frisch Verliebter wie auf Droge und im Gehirnscan kann man sehen, dass die Regionen für das logische Denken schachmatt gesetzt sind. Verrückt, was die Liebe mit uns macht! Auf die Liebe!