Alle wollen immer „cool“ sein … ❄

Also, um es einmal offen auszusprechen: Ich heule viel. Vor Freude, vor Rührung, vor Wut, vom Lachen, vor Mitleid, aus Verzweiflung und aus Kummer.

Immer, wenn ich ein großes Gefühl habe, läuft der Tränenkanal über. Das ist mit den Jahren immer schlimmer geworden. Aber so ist es jetzt halt.

Ich bin eben ein sehr emotionaler Mensch. Cool, im Sinne von, man merkt mir nicht an, was in mir vorgeht, bin ich absolut nicht.

Dafür bin ich in anderen Dingen, wo andere ausrasten würden, laut meiner Tochter ziemlich cool, „gechillt“. Wenn sie früher von Kopf bis Fuß nass nach Hause kam, weil sie mit ihrer Freundin im Bach war, der wohlgemerkt nur bis zum Knie geht, habe ich immer nur gesagt, leg die Sachen in die Badewanne. Warum bleibst du so ruhig, Mama? Wollte sie dann wissen. Naja, wegen sowas rege ich mich halt nicht auf. Genauso wenig wie über eine schlechte Klassenarbeit oder so …

Und wenn es cool ist, sich vor anderen was zu trauen: zu singen oder zu tanzen zum Beispiel – kein Problem, das mache ich gerne.

Cool sein kann eben verschieden aussehen … Bei Jugendlichen heißt es „cool“ oder „gechillt“, bei Erwachsenen ist es die ersehnte Gelassenheit.

Aber gelassen heißt für mich nicht, man merkt mir meine Gefühle nicht an oder ich bin immer ruhig, sondern mehr so: Ich bin ich und das ist auch gut so und die anderen sind halt die anderen und auch okay.

Ich finde ja generell andere Eigenschaften eh viel wichtiger: Humor, Herz und Klugheit zum Beispiel.

Die alten Hollywoodfilme

… gucke ich gerade. Zum Beispiel Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ mit James Stewart und Grace Kelly oder „Haben und Nichthaben“, bei dessen Dreharbeiten Humphrey Bogart und Lauren Bacall ein Liebespaar wurden.

Ich liebe diese Filme: die Eleganz und die Wortgewandtheit der Figuren, den Humor und die Spannung. Whisky, Cognac und Zigaretten spielen auch eine wichtige Rolle und werden als Stilmittel eingesetzt. Sexszenen kommen dagegen nicht vor. Trotzdem oder gerade deshalb prickelt es gewaltig zwischen den Hauptfiguren.

Achtung, Pubertät – keep cool, Parents

Ich habe zwei Kinder in der Pubertät. Einen Jungen, 14, mitten drin, und ein Mädchen, 10, früh dran, aber schon deutlich vernehmbare Anfänge, wie ich auch damals.

Also erstmal zwei Dinge vorneweg:

Erstens, so schlimm finde ich diese Zeit gar nicht, das nächtliche Wecken die ersten drei Lebensjahre meiner Tochter plus tagsüber Junge in der Trotzphase fand ich viel schlimmer.

Zweitens, was man vor der Pubertät an Erziehung verpasst hat, zum Beispiel, weil man zu fertig war oder sich als Eltern uneinig war, kann man jetzt nicht mehr aufholen. (Was in meinem Fall teilweise spürbar ist, aber nicht mehr zu ändern. Sich grämen bringt da nix, habe ich beschlossen.)

Also gut, jedes Kind und jede Mutter, jede Familie ist anders, daher hier ein paar sehr subjektive Einsichten, die ich bisher glaube, gewonnen zu haben:

Egal, was das Kind auch tut und wie sauer man deshalb auch ist, man muss immer klarmachen, dass man nur über das momentane Verhalten des Kindes erbost ist und es als Person grundsätzlich lieb hat und unterstützt.

Auch wenn die Kinder oft ihre Ruhe haben wollen, brauchen sie oft doch in manchen Momenten ganz viel Zuneigung, ob dies nun ein offenes Ohr oder ausgiebiges Knuddeln, ein langes Gespräch oder ein kurzes Drücken ist.

Den Kindern sollte nichts zu peinlich sein, um es anzusprechen. Dabei hilft es, wenn einem selbst nichts peinlich ist.

Das Kind wird jetzt vielleicht Erfahrungen machen, die vielleicht nicht optimal sind, aber dazugehören: die erste Zigarette, der erste Rausch, die erste Beziehung und Trennung. Freuen Sie sich, wenn ihr Kind das mit Ihnen teilt, sprechen Sie Gefahren aber offen an. Gesundheitliche Risiken, Verhütung, aber auch, wie man mit jemanden human Schluss macht, gehören für mich zu den Themen, über die man offen reden sollte.

Wenn das Kind verzweifelt ist, auch, wenn es für einem selbst gerade nicht nachvollziehbar ist, sollte man versuchen, es zu verstehen oder zumindest signalisieren, dass man da ist.

Wenn das Kind streng riecht oder fettige Haare hat, klären Sie es über die neuen Notwendigkeiten der Körperhygiene auf.

Wenn Sie mal ganz unpädagogisch ausrasten, weil Ihre Nerven blank liegen, sind Sie nicht zu streng mit sich. Das Kind soll ruhig lernen, dass Sie auch Gefühle haben. Es soll ja ein emphatischer Mensch werden.

Ihr Kind reift jetzt zu einer Persönlichkeit mit Ecken und Kanten und eigenen Interessen heran, nutzen Sie die Chance für Gespräche über Politik, Liebe oder was auch immer.

Denken Sie daran, wie aufregend und anstrengend Ihre eigene Pubertät war.

Versuchen Sie Ihren Humor zu behalten. Er entkrampft vieles. Und das Kind lernt dabei, wie wertvoll das ist.

Und vor allem: Machen Sie sich bewusst. Es geht vorbei. Als Lehrerin sehe ich das Jahr für Jahr.