Der sogenannte gute Ruf

Wenn einem der eigene Ruf wichtiger ist, als das Wohlergehen der Mitmenschen und sogar der eigenen Familienmitglieder, darf man sich nicht wundern, wenn einem keiner mehr vertraut, die eigenen Kinder inklusive.

Mich schrecken solche Menschen jedenfalls total ab…

Die große Liebe🌹

(Dieses Bild hat mir mein Sohn mal vor Jahren zum Muttertag gemalt.)

Schon als kleines Mädchen träumen die meisten Frauen von der großen Liebe… Ich auch. Befeuert durch Märchen, Hollywoodfilme und Bücher. Die große Liebe, so wird weithin suggeriert, gibt dem Leben erst seinen Sinn.

Jetzt, mit Mitte 40, kann ich feststellen, dass das in dieser Absolutheit natürlich Quatsch ist! Das wäre ja sonst auch furchtbar: NATÜRLICH kann man auch ohne Partner ein sehr schönes und erfülltes Leben führen. Das sollte man sich gerade als Frau immer bewusst machen. Auf jeden Fall ein sehr viel besseres und glücklicheres, als in einer Beziehung an der man nur aus Angst vor Einsamkeit festhält.

Das alles konnte ich am eigenen Leib feststellen. Aber seit anderthalb Jahren weiß ich eben auch: Yes, the big love exists! Grande amoure! Grand amour ! Da musste ich ein halbes Leben, eine Ehe, zwei Geburten und fünf depressive Phasen hinter mich bringen, um meine frisch erworbene zynische Haltung zum Thema „große Liebe“ abzulegen.

Denn nun, mit meinem Schatz, erlebe ich genau das, was ich jedem mindestens einmal im Leben wünsche (Vorsicht, Kitsch, aber wahr): Man guckt den anderen an und das Herz wird zum Bersten voll mit Liebe. Dieses Gefühl habe ich auch beim Betrachten meiner Kinder. Als ich das zum ersten Mal in meiner ersten Ehe beim Anblick meines Sohns empfunden habe, war mir plötzlich klar, dass ich meinen damaligen Mann zwar mochte, aber das Liebe etwas anderes, viel Größeres ist.

Wenn ich jetzt meinen Liebsten angucke, kann ich aus vollstem Herzen sagen, ja, er ist meine große Liebe. Er ist schön, sexy, klug, charmant, entspannt und witzig. (Vermutlich hat er auch Fehler, aber ich auch, oh ja!) Wie ihr schon merkt, bin ich immer noch sehr verliebt und das nach immerhin schon anderthalb Jahren Beziehung. Ich bin sehr sehr glücklich mit ihm und merke, dass sich das Verliebtsein langsam in etwas Tieferes verwandelt – in Liebe.

Drei Leuchttürme🗼🗼🗼

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Heute kam ich fix und fertig von der Arbeit nach Hause und hätte grad losheulen können, so am Ende war ich. Blöde unbedachte Bemerkungen von meinem Abi-Kurs, quälender Nachmittagsunterricht und danach noch ein Gespräch als Mentorin. Dazu noch die Erkältung und Kollegen, die teilweise aus 1000 m Entfernung Stress ausstrahlen.

Meine drei Leuchttürme retteten mich.

Mein Schatz, der auf What’s App meinte, es gäbe „so Tage“ und er hätte sie zur Zeit leider oft, weshalb er mich versteht. (Dabei ist er immer so süß und nie launisch oder so.) Man denkt ja immer, man sei ein Waschlappen, wenn man so durchhängt, dabei ist man halt einfach ein Mensch. Ab Freitag sehen wir uns ein paar Tage und bauen uns gegenseitig auf.

Mein Sohn, der meinte, dass er froh ist, dass er mich als Mutter hat, weil ich so offen sei und man mit mir über alles reden könne.

Meine Tochter, mit der ich in ihrem Bett eine Stunde lang quatschte und rumalberte.

Was haben diese Leuchttürme heute meinen Tag erhellt! Ein Glück, dass ich sie habe.

Gggggr, manchmal ist Patchwork Scheiße!

(Mein Knuddelkissen)

Liege wach und rege mich auf. Über meinen bei der Feriengestaltung unflexiblen Exmann, meine pubertierende Tochter, die Drama macht, weil sie meinen neuen Partner angeblich „hasst“. (Worauf ich sage, ich liebe ihn nunmal und immerhin wohnt er nicht bei uns.) Über mich selbst, weil ich wieder mal der Depp bin, weil aus ein paar romantischen Tagen zu Zweit nix wird. (Meine Tochter würde freilich sagen, sie ist auch der Depp…)

Andererseits ist es in „normalen“ Familien auch oft Scheiße.

Und ich habe wenigstens noch romantische Stunden mit meinem Schatz. Das kann auch nicht jeder von sich sagen. Und bisher war auch immer meine Tochter da. Zieht sich halt mehr oder weniger genervt zurück. Und verweigert „Familienausflüge“ meist standhaft. Ist ja auch ne Große.

Wieder mal verstehe ich alle und mich versteht keiner. (Heul, jammer, schnaub, fauch. Entschuldigt, es gibt so Momente…) Aber so fühlen sich Mütter in Standardfamilien auch oft. Das weiß ich nur zu gut…

Und meine Tochter hatte sich vorm Schlafengehen längst wieder beruhigt und Witze über ihren Stiefvater gerissen. Nur ich liege hier wach… Knurr.

Familie…

(Quelle: 🌍 welt)

Habe mit meinen Kindern gestern geweint und gelacht. Je älter sie werden, umso inniger wird das Verhältnis. Pubertät hin oder her. Inzwischen schätze ich sie auch als Ratgeber. Und sie mich immer noch. Trotzdem ist es manchmal natürlich anstrengend. Aber die Basis stimmt. Und wir stützen uns gegenseitig, das ist mir gestern noch mal sehr bewusst geworden.

Danke an meinen Exmann 🌷- Was gut war

nor

Danke, dass du der erste Mann warst, der mich toll fand.

Danke, dass du es gut fandest, dass ich eine starke Frau bin.

Danke, dass du bewiesen hast, dass Männer auf Intelligenz und große Klappe stehen können.

Danke, dass du mich jahrelang attraktiv fandest.

Danke, dass wir mehr als zwei Jahrzehnte ein gutes Team waren.

Danke, dass wir zwei wundervolle Kinder miteinander haben.

Danke für den vielen Spaß, den wir miteinander hatten. Mehr als mein halbes Leben.

Irgendwann haben wir uns in der rush hour des Lebens verloren. Wir waren beide überfordert und irgendwann war die Beziehung kaputt.

Aber jetzt haben wir beide ein neues Glück gefunden.

Ich wünsche dir, dass du nicht mehr trauerst, wie alles gekommen bist. (Ich weiß von unserem Sohn, dass du das noch tust.) Gib dir die Erlaubnis, glücklich zu sein!

„Folge dem Rat deines Herzens…“

„… und du wirst bei dir selbst ankommen.“

dav

Dieses kleine, aber feine Büchlein von John Strelecky habe ich gerade angefangen zu lesen und weiß schon jetzt, dass es eine Seite in mir zum Klingen bringt.

Denn genau das habe ich in den letzten Jahren erfahren: Man muss seiner inneren Stimme folgen und dann kann man auch wieder glücklich werden und bei sich sein. Aus angeblichen Vernunftgründen, die teils von außen an mich herangetragen wurden („die Kinder kriegen bei jeder Scheidung einen Schaden“, „es kommt nix Besseres nach“), und meinen eigenen Ängsten (Werde ich es allein überhaupt schaffen? Werden meine Depressionen schlimmer werden? Werde ich am Ende beide Kinder verlieren?) blieb ich in einer Ehe, von der ich wusste, dass da keine Liebe mehr ist und dass wir eigentlich nicht zusammenpassen. Aufrecht hielt mich nur der Gedanke, zu gehen, wenn beide Kinder ihr Abitur haben.

Das flaue Gefühl im Magen, das sich manchmal als regelrechter Würgereiz äußerte, und die Panikattacken kämpfte ich tapfer nieder. Schob sie auf meine Depression, durch die ich allerdings zunehmend in die schwächere Position in der Beziehung geriet, wodurch die Situation schließlich eskalierte.

Was soll ich sagen? Heute, 3 1/2 Jahre später geht es mir gut und den Kindern auch. (Und sie haben auch keinen größeren Knall als andere.) Mein Exmann und ich haben inzwischen neue Partner und wir können noch (oder wieder) miteinander reden. Und ich – ich habe gelernt, auf mein Gefühl zu hören.

Das habe ich auch praktiziert, als ich meinen jetzigen Mann kennengelernt habe, der für mich das ganz große Glück ist. Viele Menschen in meiner Umgebung, hatten Zweifel, ob das gutgehen wird, und ich habe immer gesagt: Ich folge meinem Gefühl. Und es hat mich nicht getrogen. (Und wenn die Beziehung irgendwann, warum auch immer, doch scheitern sollte, egal, diese wundervolle Zeit kann mir keiner mehr nehmen.)

Nicht nur in der Liebe, sondern auch sonst, kann ich inzwischen von mir sagen, dass ich angekommen bin. Dazu hat es zugebenermaßen ein Trauer- und Selbstfindungsjahr gebraucht, aber seit August 2016 kann ich sagen, ich bin mit mir selbst im Reinen und würde es auch schaffen, alleine durchs Leben zu gehen. Damit will ich nicht sagen, dass ich mich nicht mehr weiterentwickeln will. Leben heißt für mich immer Wandel. Aber ich weiß jetzt, wer ich bin und was ich will. Und was nicht. Und ich bin bereit, danach zu leben.