Denke anders, lebe anders

Auf mich trifft das 100 Prozent zu. Ich dachte, ich hätte alle Entscheidungen für immer getroffen, Haus, Ehe, Kinder – Leben geplant bis zur Pension. War ja so eine Sicherheitsfanatikerin.

Seit dem 4. September 2015 ist mein Leben ein völlig anderes.

Ich habe mich nämlich gefragt:

Was will ICH?

WAS will ich?

Was WILL ich?

Die Weisheiten von den Fotos sind aus dem Buch von Streleck, das damals noch nicht geschrieben war.

Mich hat damals der Roman „Zwei an einem Tag“ sehr beeindruckt, in dem klar wurde, wie sehr sich das Leben aufgrund von Entscheidungen wandeln kann.

Auch das Marc-Aurel-Zitat „Im Laufe der Zeit nimmt die Seele die Farben der Gedanken an“ hatte schon Jahre zuvor bei mir was ausgelöst.

Ab und an im Leben muss man einfach innehalten und sich fragen, ob man noch auf einem Weg ist, der zu einem passt.

Das bedeutet nicht, dass man versagt oder falsche Entscheidungen in der Vergangenheit getroffen hat, sondern dass man sich wandelt und die Menschen um einen herum und andere äußerliche Gegebenheiten eben auch…

Warum ich zur Zeit nicht in fremde Bücherwelten abtauchen will

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Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals schreibe, bin ich doch traditionell eine Leseratte par excellence. Aber momentan will ich mich ausdrücken, kommunizieren, ins Außen gehen. Ich will leben und nicht über das Leben von anderen lesen, zumindest nicht, wenn sie fiktive Figuren oder schon tote Prominente oder kulturelle oder geschichtliche Persönlichkeiten sind (dabei liebe ich sonst Biografien und Autobiografien!) – andere Blogs lese ich zum Beispiel sehr gerne.

Daher wird das auch nichts mit der Hesse-Biografie. Hesse interessiert mich gerade nicht. Ich bin zu beschäftigt mit dem Leben. Mein Lesewahn hatte ja auch immer etwas sehr Weltabgewandtes, zur Zeit finde ich den Austausch mit anderen, ob real oder über Blog oder Chat einfach wichtiger. Ich habe das Gefühl, es passiert so viel und andere (lebende Menschen des Hier und Jetzt) haben so viel zu sagen und ich auch – da erscheint es mir gerade fast als Zeitverschwendung dicke Bücher zu lesen.

Dabei habe ich natürlich immer auch Erkenntnisse und Impulse von Büchern bekommen, das wird auch sicher so bleiben. Mein innerer Wandel die letzten Jahre wurde maßgeblich von Büchern und der Reflexion über diese und mich selbst begleitet.

Auch jetzt bin ich nicht völlig leseabstinent. Ich habe zum Beispiel in den letzten Monaten ein Buch von Christiane Northrup über die Wechseljahre, die Autobiografie von Otto Waalkes und ein sehr interessantes Buch über Ernährung („Der Ernährungskompass“) mit Gewinn gelesen und den „Spiegel“ lese ich auch wöchentlich. Aber ich habe einfach im Moment mehr das Bedürfnis nach Austausch als nach innerer Einkehr. Früher habe ich mehrere Bücher pro Woche gelesen, das will ich gerade nicht. Stattdessen ist mein Blick mehr nach außen gerichtet zur Zeit…

That’s the spirit!

Quelle: pinterest. co.uk

Egal, was ist, am Ende wartet eh der Tod. So gesehen gibt es kein echtes Happy End im Leben. Dessen muss man sich ab und an bewusst werden. Allerdings liegt es größtenteils an uns, was wir bis dahin aus unserem Leben machen.

Ich bin froh, dass ich den Absprung ins Leben noch gekriegt habe. Meine Mutter verpasst ihn gerade und mein Papa muss aufpassen, dass er nicht mit runtergezogen wird.

Warum habe ich all das überlebt?

Ich habe mehrere depressive Phasen, die Ehe mit jemand, der mich am Ende nur erpresst und niedergemacht hat, Mobbing in der Grundschule und eine hysterische Mutter überlebt und bin immer noch frohgemut, ein Quatschkopf, lebensfroh und optimistisch. Eine Steh-auf-Frau, wie eine Bekannte mal meinte. Ich weiß, dass man das in der Forschung „Resilienz“, Widerstandsfähigkeit, nennt. Aber ich glaube, das passt in meinem Fall nicht ganz, schließlich wurde ich aufgrund genetischer Veranlagung und Dauerstress depressiv.

Wie also habe ich überlebt? Ich frage mich das manchmal wirklich, staunend, dass ich all das überstanden habe… Mein Sohn sagt immer, er kenne niemand, der so gut gelaunt und gechillt sei wie ich (vielleicht macht das aber auch der Kontrast zu seinem Vater, lol).

Nun ja, es gab natürlich Jahre, da ging es mir total dreckig und gute Laune und Entspannen war zu Hause eher schwierig… Geholfen haben mir im Rückblick:

Mein Humor – ich habe selbst in der Klinik noch Witze gerissen (übrigens nicht als einzige).

Meine Tatkraft – ebenfalls dort habe ich eine Skatgruppe gegründet und wurde beauftragt in Abwesenheit des Physiotherapeuten den Qi Gong Kurs zu machen.

Medikamente – ich habe gemerkt, mir ging es nicht normal und habe darauf bestanden, was zu kriegen.

Freunde und Kollegen – die mich immer unterstützt haben, teilweise auch erleichtert, dass ich doch nicht die unbesiegbare Powerfrau bin.

Meine Kinder – als sie klein waren, wegen der Verantwortung für sie und jetzt, weil sie rückhaltlos hinter mir stehen und ganz großartige Menschen geworden sind.

Meine Schüler – die es eine Freude ist zu unterrichten. Nie kann man so ehrlich und wahrhaftig sein wie mit Jugendlichen. Und nie lernt man so viel.

Meine Selbstgefühl – ich fand mich immer gut und attraktiv. Selbst wenn ich am Boden war, konnte ich meist noch in den Spiegel gucken und sagen: Wenigstens siehst du gut aus.

Meine Offenheit – überall habe ich schnell Menschen gefunden, mit denen ich auf einer Wellenlänge schwimme.

Meine Lebensfreude – ich war immer überzeugt, dass das Leben schön ist. Wenn ich am Boden war, wusste ich immer, es wird wieder besser.

Ich drücke euch! Schön, dass es unsere Bloggemeinschaft gibt. 🦄🌻🌈

Nur ein schmaler Spalt – über die Zerbrechlichkeit des Seins

Manchmal denke ich, es trennt mich nur ein schmaler Spalt von einer viel schlimmeren Variante meines Lebens.

Ich hätte in meiner alten Ehe chronisch depressiv werden können oder aus dem Fenster springen oder meinen Mann mit der Axt erschlagen.

Mein Exmann hätte nach der Scheidung durchdrehen können und das Haus abfackeln.

Meine Tochter hätte im Heim landen können wegen ihrer zeitweisen Schulverweigerung aufgrund von Schulangst.

Mein Sohn könnte Heroin spritzen statt zu rauchen.

Ich könnte 200 kg wiegen statt nur zehn zu viel.

Ich hätte in meinem Job von einer mehr gestrengen, humorfreien Schulleitung schon Dutzende Abmahnungen bekommen können.

Mein Exfreund hätte mich nicht verlassen können und ich müsste jetzt die ganze Zeit mein Aussehen und meinen Charakter von ihm sezieren lassen.

Da ich in diesem Bewusstsein lebe, bin ich meistens gut gelaunt. Einiges habe ich selbst verhindert, in anderen Dingen habe ich einfach Glück gehabt. 🐷🐞🍀

Was für Blogs ich gerne lese – eine Reflexion

Ich stolpere, wenn ich durch die Blogwelt scrolle, immer wieder darüber, welche Blogs ich nicht lese, jedenfalls bisher. Ich finde das sehr interessant, weil sich das erheblich von meinem sonstigen Leseverhalten unterscheidet: Ich vermeide politische Blogs, literarische Blogs und Ich-bin-gestresste-Mutter-aber-nehm’s-mit-Humor-Blogs. Obwohl ich, wie gesagt, mich sonst sehr wohl mit diesen Themen beschäftige.

Das Bloggen ist für mich eine Auszeit. Hier lese ich gerne Blogs von Dichtern, Künstlern und Blogs von Menschen, die über das Leben und sich selbst nachdenken. Von Suchenden, die ihre vorläufigen Erkenntnisse mit uns teilen, so wie ich es hier auch versuche. Das tut mir sehr gut, sowohl das Lesen als auch das Schreiben.

Kommt gut ins Neue Jahr! ✨✨✨

Was ist Glück? – Gedanken über etwas, was alle haben wollen

Ja, ich bin glücklich. Ich kann das einfach so sagen, weil es stimmt. Inzwischen. 

Ich weiß aber, dass viele Menschen auf der Suche nach dem Glück sind oder von sich sagen, dass sie unglücklich sind. 

In meinem Alter, mit Mitte 40, ist man angeblich am unglücklichsten. Ich kann für mich sagen, dass das nicht stimmt, meine zehn mageren Jahre, im biblischen Sinne, habe ich vor drei Jahren hinter mir gelassen.

Wenn ich mich im Nachhinein frage, warum ich damals so unglücklich war, habe ich vielfältige Antworten:

… Wenig Schlaf durch kleine Kinder und Stress im Job und in Ehe (Schlafentzug ist bekanntlich eine Foltermethode)

… Unklarheit, was ich eigentlich will (lieber ganz zu Hause bleiben, lieber mehr Arbeiten, Scheidung usw. usw.)

… Unsicherheit, ob ich eine gute Mutter bin. 

… Zweifel, ob ich attraktiv bin.

… Hadern damit, aufs Land umgezogen zu sein. 

An extremen Tagen habe ich gerne mal alles in Frage gestellt: meinen Job, meine Mutterschaft, meine Ehe, meinen Wohnort. Ich habe mich buchstäblich in mir selbst nicht mehr zu Hause gefühlt. 

Inzwischen hat sich der Nebel geklärt und ich bin glücklich, weil ich weiß, was ich will, und mich wieder „als Regisseur in meinem eigenen Film“ (geniales Zitat aus einem Film mit Achim Rhode) sehe. Ich habe mich  entschieden:

… Ich liebe meinen Job, weil mir die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen großen Spaß bringt.

… Ich bin vermutlich keine „normale“ Mutter, aber ich gebe mein Bestes und meine Kinder finden mich „cool“ (wahlweise auch „crazy“ oder „gechillt“)

… Ich habe mich nach langem inneren Kampf  von meinem ersten Mann getrennt und habe erfahren, dass ich – überraschend für ihn und mich – auch allein super klarkomme.

… Ich weiß jetzt, dass ich attraktiv bin und gut ankomme beim anderen Geschlecht. (Klingt sehr eitel, aber freut mich einfach und bin ja auch  schon wieder in festen Händen… Den Satz, dass eine Frau über 40 eher Opfer eines terroristischen Anschlags wird, als einen Mann findet, kann ich jedenfalls – auch für meinen Freundeskreis – nicht bestätigen.)

… Ach ja, und das Leben auf dem Land ist auch cool, man muss – wie immer – nur die richtigen Leute kennen. 

Kurzum: Ja, ich bin glücklich. (Was nicht heißt, dass ich ab und zu nicht Kummer habe, mich aufrege oder schlapp bin.)

Ob ich irgendwelche Tipps habe? Eigentlich nur einen: Überlegt euch, was ihr vom Leben wollt und macht es! Es stimmt nicht, dass „nichts Besseres“ nachkommt. Darum horcht in euch hinein und fragt euch, was ihr wollt. Es lohnt sich!