Buchtipp – Matt Haig: „Ich und die Menschen“

Dieses Buch ist atemberaubend komisch, weise und anrührend.

Der Plot klingt zunächst total abgedreht: Ein Außerirdischer hat von seiner Spezies den Aufrag, zu verhindern dass die Menschen, die auf ihrem Planeten als nur mittelmäßig intelligent, aber aggressiv und kriegerisch eingestellt gelten, eine durchbrechende mathematische Entdeckung machen.

Dafür wurde der Mathematikprofessor Andrew Martin ausgeschaltet und von dem außerirdischen Ich-Erzähler ersetzt.

Wie dieser aus seiner Perspektive das Aussehen der Menschen, ihre Welt und ihre Sorgen beschreibt, ist brüllend komisch und dabei sehr hellsichtig.

Letztendlich verliebt er sich aber nicht nur in Isobel, Andrews Frau, sondern lernt auch die Menschen und die Erde zu lieben.

Das alles ist zutiefst berührend: ein Loblied auf das menschliche Leben.

Wie so oft bei meinen Lieblingsbüchern, lese ich daher auch dieses Buch bereits zum zweiten Mal und genieße jede Seite.

Liebe 🌹

Die Menschen, die behaupten, das Hochgefühl in der Liebe sei nach drei bis sechs Monaten vorbei, haben noch nicht erlebt, wie körperliche Liebe und seelische Liebe mit der Zeit wachsen und immer schöner werden.

Neue Dimensionen sich öffnen und Grenzen fallen. Es ist die vollkommene Glückseligkeit, das, was in Liedern und Gedichten seit Anbeginn der Zeit besungen wird. Ein Gleichklang und Ineinandertauchen.

Liebe im Herbst 🍁

Das ist doppeldeutig gemeint: es ist Herbst und wir sind gestern als Liebespaar durch das herbstliche Karlsruhe gelaufen. Und wir sind beide im Herbst, oder zumindest Spätsommer, unseres Lebens. Ich im November 47 und du seit Juli 49.

Im Herbst händchenhaltend vorbei an den Bäumen voller buntem Laub zu gehen, ist herrlich. Dieser Monat ist wie die Liebe: mal sonnig, goldenen und strahlend, mal regnerisch, trüb, neblig oder gar stürmisch.

Wenn man die Lebensmitte erreicht hat, weiß man, dass die Liebe nicht nur eitel Sonnenschein sein kann. Man rechnet mit ruhigem oder auch mürrischen Wetter und genießt jeden Sonnenstrahl umso mehr.

Wir beide haben einiges erlebt und sind nicht mehr so unbeschwert wie mit 20, aber auch nicht mehr bereit, uns zu verbiegen. Und genießen die Tiefe und die Leidenschaft unserer Gefühle. Das Geschenk, nochmal einen Partner gefunden zu haben, mit dem man glücklich ist.

Ich mag sie sehr, unsere Liebe im Herbst …

„Man kann nicht alles haben!“

… heißt es oft beschwichtigend.

Das stimmt einerseits natürlich und ist eine kluge Aussage, wenn sie darauf aufmerksam machen soll, dass der Mensch immer das haben will, was er gerade nicht hat. Der Single Ehe mit Kindern, die Familienmutter die Freiheit des Singles usw.

Andererseits kann das auch eine gefährliche Aussage sein, dann nämlich, wenn damit eine innere Stimme zum Schweigen gebracht werden soll, die einem darauf aufmerksam machen will, dass man in einem Bereich seines Lebens anhaltend unglücklich ist. Sei es der Job, die Beziehung oder der Wohnort.

Diese Stimme sollte man besser nicht zum Schweigen bringen. Sonst wird man auf Dauer seelisch und körperlich krank.

Ich weiß das so genau, weil ich diese Stimme jahrelang ignoriert hatte. Bis es nicht mehr ging. Ich dachte, mir steht ein Beziehungsglück eben nicht zu und ich habe ja „alles“: schönes Haus, treuen Mann, tollen Job, gesunde Kinder. War aber nicht alles: die Liebe hat gefehlt seit Jahren. Und ich hatte mich selbst verloren.

Inzwischen habe ich mich selbst wieder gefunden und danach (!) hat auch die Liebe wieder Einzug gefunden in meinem Leben.

Ja, man kann nicht alles haben. Aber für das, was einem wichtig ist, sollte man kämpfen.