In meinem Arm 🤱🏻

… und ihre Hand fest in meiner ist meine Tochter gestern eingeschlafen. Sie ist zu mir ins Bett gekrochen, weil sie immer noch nicht fit ist und mir war gestern Abend auch elend: Kopfweh, Übelkeit, prämenstruelles Unwohlsein halt.

Und so beruhigten und trösteten wir uns gegenseitig einfach durch unseren Körperkontakt. Wie schon, als sie noch ein Baby und Kleinkind war. Es fasziniert mich immer wieder, wie gut das funktioniert. Wunderschön ist das. Ein Wunder der Natur und des Menschseins.

Habe gerade ein Buch weggeschmissen

…. , weil von ihm eine wahnsinnig negative Energie ausging. Es ging um das innere Kind. Und war aber so problemorientiert geschrieben, dass ich es einfach nicht weiterlesen wollte.

Ich weiß, dass man vieles mit der Vergangenheit erklären kann, aber ich wehre mich dagegen, alle Probleme, die man hat, auf die Kindheit zurückzuführen. Es gibt so viele weitere prägende Ereignisse.

Vor allem stört mich das Mütterbashing, das in diesen Büchern oft betrieben wird und das ich auch in meinem Umfeld bei Frauen in meinem Alter beobachte. Sorry, ich finde ab einem gewissen Alter sollte man aufhören, die Probleme, die man hat, auf seine Mutter zurückzuführen. Man hat sein Leben immer noch selbst in der Hand.

That’s the spirit!

Quelle: pinterest. co.uk

Egal, was ist, am Ende wartet eh der Tod. So gesehen gibt es kein echtes Happy End im Leben. Dessen muss man sich ab und an bewusst werden. Allerdings liegt es größtenteils an uns, was wir bis dahin aus unserem Leben machen.

Ich bin froh, dass ich den Absprung ins Leben noch gekriegt habe. Meine Mutter verpasst ihn gerade und mein Papa muss aufpassen, dass er nicht mit runtergezogen wird.

Frausein gestern und heute – Telefongespräch zwischen meiner Mutter und mir

Daisy Duck als Superheldin Phantomine, eines der wenigen coolen weiblichen Rolemodels meiner Kindheit (Quelle: www. Duckipedia.de)

Gestern fand ich eine rätselhafte SMS von meiner Mutter auf dem Handy vor. Ich solle dringend etwas nachträglich durchsetzen. Ich sei doch ihr einziges Kind. Sie und mein Vater würden sich große Sorgen machen.

Die erste Nachricht war zu lang, nur diese zweite konnte ich zunächst hochladen. Meine Mutter hat kein Whats app und ich auf dem Land keinen gescheiten Handyempfang. Ich dachte erst, es geht um einen Garagenplatz, den ich bei meiner Vermieterin wegen Eis und Schnee durchsetzen solle. Da wäre solch ein dramatischer Ton natürlich nicht angemessen gewesen, aber das ist der dramatische Ton meiner Mutter eigentlich nie.

Als die erste wortreiche SMS dann hochgeladen war, stellte sich heraus, dass meine Mutter wollte, dass ich um meiner Gesundheit willen meine Erhöhung meiner Arbeitszeit auf voll rückgängig machen sollte. Nun war ich extrem angepisst, dass sie meinen Vater da mit reinzog, von dem ich wusste, dass er diesen Schritt befürwortet. Meine Mutter hat immer nur halbtags oder gar nicht gearbeitet, um sich zu „kümmern“, um wen auch immer. O mein Gott, wie oft habe ich gedacht, der täte es gut, arbeiten zu gehen, ich hätte es ab 12 sehr vorgezogen, wenn sie sich weniger um mich gekümmert hätte!

Schwer entnervt rief ich also meine Mutter an und machte ihr klar, dass ich wirklich lächerlich viel Freizeit im Moment habe, dass mir mein Job Spass macht und ich im Alter nicht Fensterkitt essen will, im Gegensatz zu ihr habe ich nämlich keinen Mann geheiratet, der Spitzenverdiener ist.

Meine Mutter war noch ganz Hausfrau und Mutter und hat nur Teilzeit und die meiste Zeit gar nicht gearbeitet, was sie einerseits angeblich im Nachhinein bereut, andererseits aber immer bereit ist, als Vorwurf meinem Vater und mir gegenüber vorzukramen. Ihren Eltern, um die sie sich angeblich aufopferungsvoll gekümmert hat, obwohl meine Oma erwiesenermaßen im Pflegeheim war und mein Opa am Ende kurz im Altersheim, kann sie keine Vorwürfe mehr machen, weil sie tot sind, widersprechen können die allerdings auch nicht mehr.

Dieses weibliche Zurückziehen auf die Opferrolle, die als Moralkeule geschwungen wird, hat mich von jeher aggressiv gemacht.

Ich möchte die Verantwortung für das eventuelle Scheitern meines Lebens gerne selbst übernehmen. Meinen Kindern will ich jedenfalls mal nichts anlasten und auch sonst niemand.

Wie schonmal erwähnt, ist meine Mutter hier kein positives Rollenmodell. Aber ich habe mir inzwischen andere gesucht oder mache halt einfach, was ich für richtig halte. Es ist mein Leben.

Das ist übrigens ein Satz, den mir meine Mutter, die durchaus auch weise sein kann, mitgegeben hat. „Es ist dein Leben, mach was draus!“ – Ja, Mama, das mache ich, aber halt so, wie ich es will.

Ich hab’s satt – Aufschrei einer Überforderten

Mir reicht’s, Leute, ehrlich, vielleicht liegt es an dem Korrekturenstapel, dem Plätzchenbauch, meinen pubertierenden Kindern, meiner gerademal wieder nervenden Mutter, meinem vorm ersten Zusammentreffen mit meinen Eltern nervösen Partner oder dem Umstand, dass Weihnachten bei mir stattfinden wird – aber mir ist heute mal wieder mit voller Wucht deutlich geworden, wie es aussieht: Ich werde den Ansprüchen der anderen nie genügen können:

Ich werde nie

Schlank genug 

Verständnisvoll genug

Ausreichend ordentlich

Ausreichend gut kochend 

Eine vorbildliche Tochter

Eine vorbildliche Mutter 

Eine begeisterte Hausfrau

Eine perfekte Partnerin 

sein.

Ich habe diese ganzen Anforderungen so satt.

Mein Sohn sagt zu mir immer: Ich hab‘ dich lieb, Mama – wenn er mich besänftigen will. Dann sage ich immer: Ich hab‘ mich auch lieb. Und das meine ich auch so. 

„Du wirst wie deine Mutter“

Als Kind habe ich es immer gehasst, wenn die Leute behauptet haben, ich sähe aus, wie meine Mutter. Ich wollte aussehen wie ich selbst.

Dann, als junge Frau, fand ich es gut, so auszusehen, weil ich entdeckt hatte, dass meine Mutter in ihren Zwanzigern und Dreißigern sehr attraktiv war. Und so ich trug eine Zeit lang mein Haar halblang wie sie usw.

In meiner ersten Ehe stellte ich dann fest, dass ich meinen Mann, mit „Mutti“ anbrüllte, wenn ich total außer mir war. Denn die traurige Wahrheit ist: niemand außer meiner Mutter und meinem Ex können mich so zur Weißglut bringen. Umgekehrt warf mir mein Exgatte an den Kopf, ich würde wie meine Mutter. Das sollte wohl als die Höchststufe der Beleidigung gelten. Ich glaube, viele Ehen funktionieren so.

Dann mit der beginnenden Midlife-Crisis allerorten, im Freundeskreis und bei mir selbst, musste ich feststellen, soooo schlecht hat meine Mutter ihren Job gar nicht gemacht: ich wurde humorvoll und tolerant erzogen, wir haben viel gelacht, konnten offen über Jungs reden und es war immer klar, dass meine  Eltern noch Sex hatten und das gerne. (In anderen Familien anscheinend ein Tabuthema.) Ich konnte meine Probleme jedenfalls nicht auf meine Mutter zurückführen, wie viele Frauen das in meinem Umkreis machen, ob gerechtfertigt oder nicht, keine Ahnung. Zwischendrin dachte ich bang, oje, wenn meine Tochter auch mal so über mich redet…

Inzwischen ist es so weit, dass meine Tochter angesprochen wird, dass sie und ich uns so ähnlich sähen. Und sie freut sich darüber. Unglaublich! Glück gehabt.