Die Dezember meiner Kindheit – wie ich die Adventszeit und Weihnachten erlebte 🌟

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Heute Nacht hat es geschneit und sofort ist mir weihnachtlich zumute. Ich fühle mich zurückversetzt in die Dezember meiner Kindheit. Was habe ich die Adventszeit und Weihnachten damals geliebt!

Butterplätzchen backen und aufwendig mit Zuckerstreußeln, Schokoguss und geschälten Mandeln verzieren. 

Weihnachtsterne aus Glanzpapier basteln und an die Fenster hängen. 

Als ich richtig klein war, hat mein Vater mir noch jeden Abend eine Adventskalendergeschichte aus „Schnüpperle“ vorgelesen.

Schlittenfahren bei meiner Freundin am Buckel und danach Kastanien in den Ofen. 

An Weihnachten in die Kirche laufen mit Glück durch weihnachtlich verschneite Gassen und mein Vater rezitiert Eichendorff.

In der rappelvollen Kirche sangen dann nur meine Mutter und ich mit, meine Mutter teilweise mit vor Rührung erstickter Stimme. 

Später erst Musizieren und Singen, dann Bescherung mit dem Christkind, an das ich sehr lange glaubte. (Meine Mutter inszenierte sogar mal einen Anruf damals noch von grauem Telefon mit Wählscheibe.)

Am ersten Weihnachtsfeiertag die Geschenke genießen und dieses unbeschreiblich friedliche und erfüllte Gefühl, dass Weihnachten ist.

Nostalgie allenthalben – Die Sehnsucht des Menschen nach den „alten Zeiten“

Kaum sind meine Abis aus der Schule raus, wird die gemeinsame Zeit gerne verklärt und ehemalige Horrorerlebnisse werden alsbald zu gern erzählten Anekdoten.

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Mit meinen alten Schulfreunden erinnere ich mich ebenfalls gerne an die alten Tage zurück und peinliche Aktionen verwandeln sich im Nachhinein in biografische oder zumindest erzählerische Highlights. 

Unter alten Studienfreundinnen wird Kommilitonen, mit denen bei Licht besehen, nie was Ernsthaftes gelaufen wäre, als verpassten Chancen hinterhergetrauert. In Ehekrisenzeiten habe ich schon manchen zum Glück ahnungslosen ehemaligen Studienfreund zur vermeintlichen Rettung meines damals als gescheitert betrachteten Lebens auserkoren. („Hätte ich damals…“) 

Woher kommt dieser Hang des Menschen zum Verklären der Vergangenheit? Bei mir taucht er oft auf, wenn es in der Gegenwart nicht so prickelnd läuft. Es ist die Sehnsucht nach Erlösung, nur nach rückwärts gerichtet. Das kann man auch in der aktuellen Politik beobachten, in der die klaren Verhältnisse eines Vier-Parteiensystems mit klaren Lagern im Rückblick wie das gelobte Land erscheinen. 

Wenn man ehrlich ist, würde man wahrscheinlich zugeben, dass die Schulzeit oft langweilig oder traumatisch war (je nach dem) und vieles Interessante (zum Beispiel, was das andere Geschlecht betrifft) sich leider oft nur im Kopf abgespielt oder man sich vielleicht auch bis auf die Knochen blamiert hat (und es in der Fantasie zu belassen wäre klüger gewesen). Auch im Studium hatte man damals seine Gründe, warum man x oder y nicht ins Bett gezerrt hat oder gar seine Verliebtheit gestanden, in die man sich meist auch nur verrannt hatte. Und die Kohlzeit mag klare politische Lager gehabt haben, zeichnete sich aber eben auch durch Reformstau aus. Und durch „Birne“ – Karikaturen in der Anfangszeit und die Spendenaffäre am Ende. 

Der Mensch schaut gerne wehmütig oder gerührt zurück. Besonders, wenn es ihm an positiven Visionen für die Zukunft mangelt. Oder wenn er eben  an der Gegenwart leidet. Dabei sollte er sich klarmachen, die graue Gegenwart von heute ist oft die verklärte Vergangenheit von morgen.