Nähe und Distanz – eine Reflexion über meine Bedürfnisse

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Natürlich brauche ich wie jeder Mensch die Nähe zu anderen. Im Allgemeinen gelte ich als aufgeschlossener, offener Mensch, der gerne Kontakte knüpft.

Trotzdem sind mir andere Menschen oft zu viel. Da ich sehr empfänglich für die Energien bin, die andere aussenden, erschöpft es mich, wenn ich (zu) viel mit anderen Menschen zusammen bin. Ich brauche sehr viel Zeit für mich allein, um aufzutanken, mich zu regenerieren.

Mit anderen Familien in Urlaub zu fahren oder im Alter in einer WG zusammenzuwohnen, mag für andere ein Ideal oder gelebte erfüllte Realität sein, für mich kommt es, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, eher nicht in Frage. Als zu anstrengend empfände ich auf Dauer die Temperamente und Launen der anderen, und zu anstrengend wäre es auch für mich, mich dauernd zurückzunehmen.

Da schlägt vermutlich mein Aufwachsen als Einzelkind und meine Freiheitsliebe durch. Ich lebe ja auch mit meinem jetzigen Partner nicht zusammen und finde das okay und habe das Teilen des Alltags in meiner früheren Ehe als Ursache für die sinnfreiesten Streitigkeiten überhaupt erlebt. Nie wieder will ich mich über so einen Quatsch streiten müssen!

Prima klar komme ich in meinem Alltag dagegen mit meiner Tochter, obwohl sie in der gefürchteten Pubertät ist. Warum? Sie ist entspannt, witzig, nicht nachtragend und dabei selbstbewusst, ohne sich selbst übermäßig wichtig zu nehmen. Und sie erträgt mich prima jeden Tag, ohne dass ich großartig die pädagogisch wertvolle Mutter oder überhaupt irgendwas sein muss. Wir sind beide einfach, wie wir sind.

Dieses Einfach-so-Sein geht mit meinem Sohn auch, der allerdings beim Papa wohnt. Und mit meinem Schatz funktioniert das ebenfalls. Wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass es nicht (mehr) so ist, wäre das das Ende der Beziehung. Da gehe ich keine Kompromisse mehr ein.

Immer offen bleiben!

Das war schon immer mein Motto und wurde heute wieder bestätigt, als eine Kollegin, die im Kollegium als sehr unsensibel gilt, sich äußerst besorgt und einfühlsam nach den Kreislaufproblemen meiner Tochter erkundigte. (Übrigens genau die Kollegin, von der meine Tochter so Angst hat oder vielleicht sollte ich jetzt eher sagen, hatte.)

Als ich im Studium mal zu einer sehr lieben Freundin sagte: „Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Menschenkenntnis ich habe, wie oft ich Menschen falsch einschätze“, meinte die nur: „Nein, du gibst halt zu, wenn du dich getäuscht hast, das machen viele gar nicht. Bei den meisten bleibt man in der Schublade und Schluss.“

So hatte ich das bis dahin gar nicht gesehen. Ich kann nur sagen, ich werde immer noch überrascht – positiv und negativ.

Ein offenes Buch

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… das bin ich wohl im Vergleich zu vielen anderen. Man merkt mir oft an, was ich denke, und oft sage ich es auch, mit den Jahren freilich diplomatischer als früher.

Schon oft habe ich mir vorgenommen, mich mehr zurückzunehmen. Bei einigen Gelegenheiten mache ich das jetzt auch.

Aber letztendlich ist klar, aus mir wird nie ein zurückhaltender Mensch werden, auch wenn das manchmal vielleicht taktisch klüger wäre. Das entspricht einfach nicht meinem Temperament. Dafür weiß man bei mir, woran man ist.

Ich kann aber sagen, dass ich ein Herz für meine stillen Mitmenschen habe, seien es nun Schüler oder Kollegen. Ich zeige ihnen gerne, dass ich sie auch sehe und oft gelingt es mir, sie nach einer Weile aufzutauen. Überhaupt schätze ich die Vielfalt der Temperamente und empfinde sie als große Bereicherung.

Wie schön, dass wir alle so verschieden sind!

Das Altern – auch hier auf der Suche nach Vorbildern

Quelle: inciados com

Ich bin relativ früh mit den negativen Auswirkungen des Alterns konfrontiert worden. Meine Mutter ist die jüngste von drei Schwestern und die Abstände sind sehr groß. Deshalb war ich als Kind mit vielen alten Verwandten (alt heißt hier um die 80) konfrontiert und leider muss ich sagen, die meisten in meiner Verwandtschaft alterten nicht gut, was leider immer noch gilt. Deswegen verbinde ich mit dem Alter in meiner Familie körperliche Gebrechen, Depression, Rumjammern (was von Depression zu unterscheiden ist), Nörgelei und Sturheit.

Keine schönen Aussichten. So will ich nicht alt werden. Was also tun?

Sich positive Vorbilder anschauen: zum Beispiel die schicke, lebensfrohe und agile Schwester meines Vaters, meine Lieblings-Schauspielerin Katharine Hepburn und auch einige Kolleginnen.

Mir scheint, gut Altern geht so:

Körperlich agil bleiben (mit Sport und viel Bewegung im Alltag).

Weiterhin Lust daran haben, sich schick zu machen.

Mit Menschen aus allen Altersklassen befreundet sein.

Den Geist offen halten (mit Büchern, neuen Hobbies, neuen Kontakten).

Sich vernünftig ernähren.

Gut für sich sorgen (mental, seelisch, spirituell und körperlich).

Ein heiteres Gemüt haben.

Und Glück – Glück braucht man halt auch.

Achtung, Pubertät – keep cool, Parents

Ich habe zwei Kinder in der Pubertät. Einen Jungen, 14, mitten drin, und ein Mädchen, 10, früh dran, aber schon deutlich vernehmbare Anfänge, wie ich auch damals.

Also erstmal zwei Dinge vorneweg:

Erstens, so schlimm finde ich diese Zeit gar nicht, das nächtliche Wecken die ersten drei Lebensjahre meiner Tochter plus tagsüber Junge in der Trotzphase fand ich viel schlimmer.

Zweitens, was man vor der Pubertät an Erziehung verpasst hat, zum Beispiel, weil man zu fertig war oder sich als Eltern uneinig war, kann man jetzt nicht mehr aufholen. (Was in meinem Fall teilweise spürbar ist, aber nicht mehr zu ändern. Sich grämen bringt da nix, habe ich beschlossen.)

Also gut, jedes Kind und jede Mutter, jede Familie ist anders, daher hier ein paar sehr subjektive Einsichten, die ich bisher glaube, gewonnen zu haben:

Egal, was das Kind auch tut und wie sauer man deshalb auch ist, man muss immer klarmachen, dass man nur über das momentane Verhalten des Kindes erbost ist und es als Person grundsätzlich lieb hat und unterstützt.

Auch wenn die Kinder oft ihre Ruhe haben wollen, brauchen sie oft doch in manchen Momenten ganz viel Zuneigung, ob dies nun ein offenes Ohr oder ausgiebiges Knuddeln, ein langes Gespräch oder ein kurzes Drücken ist.

Den Kindern sollte nichts zu peinlich sein, um es anzusprechen. Dabei hilft es, wenn einem selbst nichts peinlich ist.

Das Kind wird jetzt vielleicht Erfahrungen machen, die vielleicht nicht optimal sind, aber dazugehören: die erste Zigarette, der erste Rausch, die erste Beziehung und Trennung. Freuen Sie sich, wenn ihr Kind das mit Ihnen teilt, sprechen Sie Gefahren aber offen an. Gesundheitliche Risiken, Verhütung, aber auch, wie man mit jemanden human Schluss macht, gehören für mich zu den Themen, über die man offen reden sollte.

Wenn das Kind verzweifelt ist, auch, wenn es für einem selbst gerade nicht nachvollziehbar ist, sollte man versuchen, es zu verstehen oder zumindest signalisieren, dass man da ist.

Wenn das Kind streng riecht oder fettige Haare hat, klären Sie es über die neuen Notwendigkeiten der Körperhygiene auf.

Wenn Sie mal ganz unpädagogisch ausrasten, weil Ihre Nerven blank liegen, sind Sie nicht zu streng mit sich. Das Kind soll ruhig lernen, dass Sie auch Gefühle haben. Es soll ja ein emphatischer Mensch werden.

Ihr Kind reift jetzt zu einer Persönlichkeit mit Ecken und Kanten und eigenen Interessen heran, nutzen Sie die Chance für Gespräche über Politik, Liebe oder was auch immer.

Denken Sie daran, wie aufregend und anstrengend Ihre eigene Pubertät war.

Versuchen Sie Ihren Humor zu behalten. Er entkrampft vieles. Und das Kind lernt dabei, wie wertvoll das ist.

Und vor allem: Machen Sie sich bewusst. Es geht vorbei. Als Lehrerin sehe ich das Jahr für Jahr.