Über das Einführen neuer Verhaltensmuster – eine Frage des Trainings 🏋🏻‍♀️🤾🏻‍♀️🧘🏻‍♀️

Viele Blogger/innen, die ich abonniert habe, schreiben darüber, wie sie immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

Das kenne ich auch. Aber es ist viel besser geworden. Das hat mich Zeit und Training gekostet, aber es lohnt sich absolut.

Daher will ich gerne über meine Erfahrungen berichten. (Die natürlich sehr subjektiv sind, kann sein, dass ihr das schwachsinnig findet, aber es kommt meiner Ansicht nach immer auf einen Versuch an.)

Zunächst habe ich für mich festgestellt: Vergiss den Intellekt, es nützt fast nix, wenn du deine Verhaltensmuster durchschaust, analysierst usw. Habe ich jahrelang gemacht, ohne dass sich wesentlich was für mich verändert hätte.

Was mir wirklich geholfen hat, ist, neue Verhaltensweisen körperlich zu internalisieren.

So hatte ich immer, wenn ich mit meinem Exmann sprach, das Gefühl, er boxt mir in den Magen und ich fühlte mich schwach und hilflos. Daher bat ich meine Therapeutin in der hervorragenden Systelios-Klinik, mich in den Bauch zu boxen, und versuchte, dem aufrecht und mit starkem Blick standzuhalten. Das trainierten wir, bis ich die Erfahrung, auf Angriffe mit Stärke zu reagieren, verinnerlicht hatte.

Der Einsatz eines mentalen, aber körperlich spürbaren Schutzmantels oder das Hineinversetzen in ein Krafttier sind andere Beispiele, die ich in der psychosomatischen, oder besser gesagt, „somapsychischen“ Systelios-Klinik gelernt habe.

Der Körper ist ein mächtiges Tool, um seelische und mentale Stärke zu erlangen. Genau wie man jahrelang erlernte Hilflosigkeit an Seele und Körper erfahren hat, kann man durch Training (auch mit dem gezielten Nachstellen von Triggersituationen im Rollenspiel) Seele, Geist und vor allem eben den Körper Stärke erfahren lassen, mit der man sein Leben besser meistern kann.

Wenn ich Schwäche erfahre, versuche ich, mich bewusst darauf zu besinnen, was ich trainiert habe, und oft geht es auch schon automatisch. Genau wie ich früher automatisch in die „Ich-stell-mich-tot“-Haltung verfallen bin.

„Die Eiskönigin“ – wie man einen Film je nach Lebenssituation völlig anders ansehen kann

nor

Als ich damals mit meinen Kindern in der Disneyverfilmung „Die Eiskönigin“ war, ging es mir ehrlich gesagt beschissen. Den monatlichen Kinobesuch mit anschließend Pizzaessen hatte ich eingeführt, um mir und den Kindern das Gefühl zu geben, sie hätten eine schöne Kindheit, obwohl ihre Mutter total am Ende war und einfach nur versuchte, den Tag zu überstehen. Ich war sehr unglücklich in meiner Ehe, hatte immer wieder lange und schlimme depressive Phasen, die ich nicht richtig behandeln ließ, weil ich sie vor meinem Mann runterspielte, der nach der pränatalen Depression nach der Geburt meines Sohnes geschworen hatte, mich zu verlassen, wenn ich nochmal depressiv würde. Gleichzeitig galt ich im Job als sogenannte „starke Frau“, was einigen (übrigens nur Frauen) schwer auf die Nerven ging.

Ins Kino ging ich aber nicht nur wegen der Kinder, sondern auch um selbst mal was Schönes zu machen. Ich fand und finde die sogenannten Kinder- und Jugendfilme eigentlich immer gut und unterhaltsam.

Nun saßen wir also in den roten Kinosesseln, ich wie immer zwischen meinen Kindern, und die große Gesangsszene kam, wo sie den Titelsong „Let it go“ singt, und alles vereisen lässt und sich selbst ein einsames Eisschloss schafft. Und da gab es für mich kein Halten mehr: Gott, habe ich geheult ! Alle Verzweiflung, aller Kummer brach aus mir heraus, was fühlte ich mit mit diesem armen Mädchen, das durch Berührung ihrer Hände alles zu Eis gefrieren ließ und daher allen Angst machte und nun in die Einsamkeit geflohen war!

Ich bebte richtig vor Schluchzen, es war Katharsis, ganz im Sinne von Aristoteles, eine seelische und körperliche Erfahrung. Mein Sohn versuchte mich zu trösten und zu beruhigen. Meine Tochter dagegen verstand null, warum mich das so anrührte: Aber Mama, warum heulst du denn, sie ist doch jetzt frei?! – Aber sie ist total einsam (schluchz) und musste die Menschen verlassen, die sie liebt (schluchz) und alle haben Angst vor ihr (Heulbeben).

*******************************

Heute führe ich ein total anderes Leben. Ich habe mir ein Herz gefasst und meinen Mann verlassen, das von negativer Energie erfüllte Haus zurückgelassen und mir eine Wohnung gesucht, in der ich wieder atmen konnte. Hier führe ich mit meiner Tochter eine entspannte Mädels-WG und mein Sohn kommt gerne vorbei.

Wir haben „Die Eiskönigin“ natürlich auf DVD und heute kann ich den Film ganz anders gucken, wie einen normalen Disney-Film. Ich kann mich an den lustigen Szenen erfreuen, mitfiebern und mitsingen, alles ohne Tränen.

Ich habe Lust, ihn später mit meiner Tochter zu gucken und es uns zusammen gemütlich zu machen…