Belege dafür, dass die Richtung stimmt

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Es gibt ja sowas wie ein Lebensgefühl und sowas wie harte Fakten. Und im Körper spiegelt sich nunmal sehr deutlich wider, wie es der Seele geht.

Dass es mir besser geht als vor ein paar Jahren, spüre und genieße ich jeden Tag – aber dass es wirklich nachweisbar so ist, lässt sich tatsächlich auch mit ein paar hard facts untermauern: Ich konnte sowohl Blutdrucksenker als auch Betablocker absetzen, ich kann kilometerlang wandern, ohne aus der Puste zu kommen, ich konnte mein Deputat nach und nach aufstocken, ohne dass es mich unter Stress setzt, und meine Haare sind wieder voller, wie gestern meine Friseurin erfreut bemerkte.

Es ist wirklich erstaunlich, welch verheerende Auswirkungen jahrelanger Dauerstress auf meine Gesundheit hatte, und es ist sehr erfreulich, dass eine Veränderung der Lebenssituation zum Guten sich so deutlich positiv auch gesundheitlich niederschlägt.

Drei Leuchttürme🗼🗼🗼

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Heute kam ich fix und fertig von der Arbeit nach Hause und hätte grad losheulen können, so am Ende war ich. Blöde unbedachte Bemerkungen von meinem Abi-Kurs, quälender Nachmittagsunterricht und danach noch ein Gespräch als Mentorin. Dazu noch die Erkältung und Kollegen, die teilweise aus 1000 m Entfernung Stress ausstrahlen.

Meine drei Leuchttürme retteten mich.

Mein Schatz, der auf What’s App meinte, es gäbe „so Tage“ und er hätte sie zur Zeit leider oft, weshalb er mich versteht. (Dabei ist er immer so süß und nie launisch oder so.) Man denkt ja immer, man sei ein Waschlappen, wenn man so durchhängt, dabei ist man halt einfach ein Mensch. Ab Freitag sehen wir uns ein paar Tage und bauen uns gegenseitig auf.

Mein Sohn, der meinte, dass er froh ist, dass er mich als Mutter hat, weil ich so offen sei und man mit mir über alles reden könne.

Meine Tochter, mit der ich in ihrem Bett eine Stunde lang quatschte und rumalberte.

Was haben diese Leuchttürme heute meinen Tag erhellt! Ein Glück, dass ich sie habe.

Warum sage ich manchmal nicht einfach Stopp?

Das habe ich mich gestern Abend am Ende des Tages gefragt. Der Tag war mega anstrengend, ich hatte von 7 bis 14 Uhr keine Sekunde Pause und lauter Herausforderungen. Morgens kranke Tochter zu Hause versorgt, dann Unterricht mit Tablet in der siebten Klasse, was ich gestern zum ersten Mal praktiziert habe (ist ein Schulversuch). Unvorhergesehenes Problemgespräch mit zwei Kolleginnen über Schüler, den ich als Mentorin betreue, in der Großen Pause. (Wo sich herausgestellt hat, dass sich die Mutter über mich etwas aufregt hat, obwohl sie zu mir am Telefon reizend war.) Neuer Kurs in den letzten beiden Stunden. Danach noch Betreuungsgepräch mit meiner Referendarin.

Danach war ich fix und fertig und war der Überzeugung, ich hätte mein Handy irgendwo verlegt. Alles Suchen und Mich-Anrufen-Lassen von netten Schülern und Kollegen brachte nichts. (Sind sogar mit anrufendem Telefon der Referendarin ins Klo gegangen, in der Hoffnung, dass es mir da irgendwo rausgefallen ist und wir es durch das Klingeln finden.)

Das Handy hatte ich in der Hektik zu Hause vergessen, wie sich dann herausstellte. Überglücklich bin ich daraufhin mit meiner Tochter Essen gegangen und dann haben wir Schuhe für uns beide für die neue Saison gekauft.

So weit so gut. Leider habe ich dann noch eine Mail an eine Kollegin aus dem Problemgespräch gesendet, weil mir das keine Ruhe gelassen hat. Das darauf folgende Hin und Her hat mich dann wieder mächtig aufgeregt.

Danach habe ich mich hingesetzt und gefragt, wie ich das in Zukunft besser machen kann.

Erstens: Wenn ich mit der Müslischüssel in der Hand dastehe und Kopfweh habe, werde ich meine einzige Pause verteidigen und ein Problemgespräch ablehnen und einen Alternativtermin anbieten. Ich habe ein Recht auf meine Pause!

Zweitens: Wenn ich mich dann abends wieder beruhigt habe, werde ich nicht mehr berufliche Mails schreiben, sondern das am nächsten Tag regeln.

Fazit: Ich werde versuchen, mehr auf mich zu achten. Besser für mich zu sorgen. Sonst werde ich es kaum schaffen, nächstes Jahr volles Deputat zu arbeiten. Also: Stopp sagen zu anderen und zu mir selbst.

Zunehmende Stressresistenz – etwas, was besser wird mit dem Alter

Wenn ich meine Kinder oder jüngere Kollegen sehe, wegen was die so gestresst sind, bin ich echt dankbar, dass eine positive Begleiterscheinung meines Älterwerdens meine zunehmende Souveränität und Stressresistenz ist.

Ich weiß noch, dass ich in meinem ersten Jahr als Lehrerin oft mit Aufregungs-Bauchweh morgens zur Schule gefahren bin und dann meinen Verstand eingeschaltet und mir gut zugeredet habe, dass ja nüchtern betrachtet, an einem stinknormalen Arbeitstag gar kein Grund zu diesem Lampenfieber besteht.

Auch hat mich früher alles, was außerhalb der Routine anstand, schnell gestresst: Ausflüge, Abitur vorbereiten, korrigieren und mündliche Prüfungen abnehmen, Scheine für Referate ausstellen, verlorenen Stoff wegen Krankheit aufholen, Projekttage vorbereiten und abhalten usw.

Ganz zu schweigen von den Korrekturen, die mir wie ein nie enden wollendes Jammertal, eine Sisyphos-Arbeit erschienen, die mir drohte, den gesamten Beruf zu verleiden.

Heute mache ich das einfach alles. Ich gräme mich nicht mehr darüber, es geht mir locker von der Hand und als Problem bezeichne ich nur noch menschliche Probleme, wenn zum Beispiel ein Schüler psychische Probleme hat oder gemobbt wird. Um solche Dinge kann ich mich jetzt viel mehr kümmern.

Erfahrung ist ein unbestreitbarer Vorteil des Älterwerdens, deshalb gab es in der Antike die Gerusia, den Ältestenrat, der um Rat gefragt werden konnte. Ich schätze meine älteren Kollegen auch sehr und tausche mich oft mit ihnen aus. Wenn die weg sind, gehöre ich zu den alten Hasen.

Mein Körper ist mein Freund – über die Weisheit des Körpers

Im letzten Beitrag gestern  habe ich geschrieben, dass mir alles zu viel wird, weil ich das Gefühl hatte, die Sorgen in verschiedenen Bereichen werden zu viel.

Was soll ich sagen? Heute sieht das Ganze schon wieder anders aus, mein Partner  hat endlich  ein Vorstellungsgespräch, wodurch ein zentraler Kummer bald beendet sein könnte, und ich, ich habe jetzt eine fette Erkältung, weil mein Körper im seiner Weisheit beschlossen hat, dass ich mal eine Auszeit brauche.

Damit meine ich vor allem eine emotionale Auszeit, in der ich mich darum kümmere, wieder meine Ressourcen zu stärken. Aber natürlich auch körperliche Regeneration mit viel Schlaf gesundem Essen, wenig oder keinem Alkohol und Entspannungsübungen. 

Früher habe ich meine Körpersignale da ja gerne mal ignoriert, was mit häufigen und hartnäckigen Infekten und in emotionaler Hinsicht mit einer gewissen seelischen Erschöpfung einherging.

Da ich nun aber alleinerziehend bin, habe ich automatisch die Verantwortung, alleine alles zu stemmen, was dazu führt, dass ich viel nachhaltiger mit meinen Kräften haushalte als früher. (Außerdem steht kein Ehemann hintendran und keift, wenn es mal nicht so ordentlich ist.)

Auch höre ich insgesamt viel mehr darauf, was mein Körper mir sagen will, weil ich begriffen habe, dass er mein Freund ist, der mich warnt, wenn etwas in die falsche Richtung läuft. 

Ich weiß, in unserer Gesellschaft geht es oft um höher, schneller, weiter und vor allem mehr, mehr, mehr. Aber inzwischen ohne mich.

Das Herz wird eng

Alles zu viel 

Es schnürt mir die Luft ab

Zu viel Arbeit 

Zu viel Sorgen

Mit Kindern 

Mit Partner 

Mit Geld 

Ich werde gegen die Wand gedrückt 

Mein Brustkorb zusammengepresst

Ich weiß ich schaffe es 

Ich muss 

Ich bin müde