I can not sleep 🌕🐺

(Quelle: abenteuerastronomie)

Was soll ich sagen, seit Nächten wache ich wieder mal immer so um Drei oder Vier auf und bin dann hellwach, wirklich hellwach. Keine Grübelspirale oder so, sondern ready to rock my day. Und das mache ich dann meistens auch: Ich beginne einfach meinen Tag, frühstücke, mache Qi Gong und/oder ein bisschen Haushalt, blogge, schreibe Tagebuch oder lese. Das habe ich von meiner Mutter gelernt, die grämt sich nicht, wenn sie nicht mehr einschlafen kann, sondern schreibt Gedichte oder Erzählungen.

Oft bin ich dann nach zwei, drei Stunden wieder rechtschaffen müde und in den Ferien oder am Wochenende lege ich mich dann einfach nochmal hin. In der Schulzeit trinke ich noch einen Kaffee und gehe los. Meist mache ich dann nach der Arbeit, selbst wenn die mal bis Fünf geht, ein Nickerchen.

Ich bin froh, dass ich mit diesen vermutlich wechseljahresbedingten Schlafstörungen so locker umgehen kann. Aber ich sage mir immer, ich schlafe ja! Als ich depressiv war, lag ich oft nächtelang von 22 Uhr bis zum Weckerklingeln wach, grübelte und konnte nicht schlafen. Gar nicht. Zero. Niente. Nada. Da ist das jetzt zum Glück ne ganz andere Nummer. Auch wenn ich mir bei Vollmond manchmal wie ein Werwolf vorkomme… Auch in anderen – vollmondfreien – Phasen habe ich diese vollkommene Wachheit am sehr frühen Morgen. In anderen Nächten wiederum wache ich oft nur kurz auf, trinke einen Tee und schlafe wieder ein. Selbst ich heule nicht immer den Mond an…

Das gehört wohl dazu – die Lebensmitte als zweite Pubertät

(Quelle: pixabay)

Was soll ich sagen: Manchmal fühle ich mich jetzt wie in der zweiten Pubertät. Zum Glück sind meine Kinder gerade in der ersten und verstehen mich deshalb gut.

Zwischen Höhenflug und Tal der Verzweiflung, Lachkrampf und Heulanfall liegen oft nur wenige Momente. Man/frau ist eben einfach dünnhäutiger.

Gleichzeitig erlebt man alles viel intensiver, wodurch das Leben nicht mehr so an einem vorbeirauscht, sondern man plötzlich den Eindruck hat: Hey, da passiert ja richtig was! Da geht’s ja voll ab! Und genau so ist es auch.

Eine anstrengende, aber auch wundervolle Zeit.

In einem gewissen Alter…

(Anmerkung vorneweg: ich spreche hier ausdrücklich nur für mich, ich weiß, dass es anderen ganz anders geht.) 

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… benutzt man eine Antifaltencreme,

aber produziert gerne Lachfalten. 

… verliert man leichter die Geduld mit Dummköpfen,

aber wird milder gegenüber den Schwächen seiner Mitmenschen.

… muss man gegen die berüchtigte Apfelfigur kämpfen,

aber fühlt sich insgesamt wohl in seiner Haut.

… braucht man eine Gleitsichtbrille,

aber erkennt Scheinheiligkeit hellsichtig. 

… kriegt man graue Haare,

aber was die Leute denken, wird einem egal.

…hat man in manchen Körperteilen Schmerzen, 

aber regt sich über manchen Kleinkram gar nicht mehr auf.

… wird die Figur dicker und die Haare dünner, 

aber man weiß, was man will.

Muss man schneller lachen und weinen, 

aber liebt das Leben. 

Nostalgie allenthalben – Die Sehnsucht des Menschen nach den „alten Zeiten“

Kaum sind meine Abis aus der Schule raus, wird die gemeinsame Zeit gerne verklärt und ehemalige Horrorerlebnisse werden alsbald zu gern erzählten Anekdoten.

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Mit meinen alten Schulfreunden erinnere ich mich ebenfalls gerne an die alten Tage zurück und peinliche Aktionen verwandeln sich im Nachhinein in biografische oder zumindest erzählerische Highlights. 

Unter alten Studienfreundinnen wird Kommilitonen, mit denen bei Licht besehen, nie was Ernsthaftes gelaufen wäre, als verpassten Chancen hinterhergetrauert. In Ehekrisenzeiten habe ich schon manchen zum Glück ahnungslosen ehemaligen Studienfreund zur vermeintlichen Rettung meines damals als gescheitert betrachteten Lebens auserkoren. („Hätte ich damals…“) 

Woher kommt dieser Hang des Menschen zum Verklären der Vergangenheit? Bei mir taucht er oft auf, wenn es in der Gegenwart nicht so prickelnd läuft. Es ist die Sehnsucht nach Erlösung, nur nach rückwärts gerichtet. Das kann man auch in der aktuellen Politik beobachten, in der die klaren Verhältnisse eines Vier-Parteiensystems mit klaren Lagern im Rückblick wie das gelobte Land erscheinen. 

Wenn man ehrlich ist, würde man wahrscheinlich zugeben, dass die Schulzeit oft langweilig oder traumatisch war (je nach dem) und vieles Interessante (zum Beispiel, was das andere Geschlecht betrifft) sich leider oft nur im Kopf abgespielt oder man sich vielleicht auch bis auf die Knochen blamiert hat (und es in der Fantasie zu belassen wäre klüger gewesen). Auch im Studium hatte man damals seine Gründe, warum man x oder y nicht ins Bett gezerrt hat oder gar seine Verliebtheit gestanden, in die man sich meist auch nur verrannt hatte. Und die Kohlzeit mag klare politische Lager gehabt haben, zeichnete sich aber eben auch durch Reformstau aus. Und durch „Birne“ – Karikaturen in der Anfangszeit und die Spendenaffäre am Ende. 

Der Mensch schaut gerne wehmütig oder gerührt zurück. Besonders, wenn es ihm an positiven Visionen für die Zukunft mangelt. Oder wenn er eben  an der Gegenwart leidet. Dabei sollte er sich klarmachen, die graue Gegenwart von heute ist oft die verklärte Vergangenheit von morgen. 

Schlaflos im Odenwald

Es gab ja mal diesen Film „Schlaflos in Seattle“ mit Tom Hanks und der noch ungebotoxten Meg Ryan. Eine klassische romantische Komödie. In Wirklichkeit ist Schlaflosigkeit wenig romantisch  Sie zerrt an den Nerven, führt zu Fehlern am nächsten Tag und macht je nach Temperament oder Situation aggressiv oder depressiv.

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Heute Nacht habe ich wieder mal miserabel geschlafen, so dass ich im Unterricht vor lauter Müdigkeit echte Wortfindungsstörungen hatte. Ich meinte, vielleicht kündige sich so ein Migräneschub an, worauf ein Schüler trocken sagte: „Vielleicht haben Sie auch einen Gehirntumor.“

Seufz. Ich glaube eher nicht. Aber ich bin nicht allein: Durch Zufall entdeckte ich, dass eine Freundin auch wach war und wir chatteten kurz, ein Freund schickte mir wenig später einen Link, war also auch wach.

Es ist zwar tröstlich, festzustellen, dass andere auch wach sind, aber zu surfen oder zu chatten macht eher noch wacher und man kann erst recht nicht einschlafen. Genausowenig war es clever von mir, die Zeit zu nutzen und um Zwei noch einen Blog zu schreiben, wobei meine Mutter früher immer nachts geschrieben hat, weil sie da angeblich am kreativsten war. Als Kind dachte ich immer, die spinnt, tja. 

Leider neige ich auch dazu, wenn ich schonmal aufgestanden bin, weil ich aufs Klo musste, gleich noch die Abzweigung in die Küche zu nehmen. Es heißt ja immer, zu wenig Schlaf mache dick, weil man dann vermehrt Cortisol ausschütte – vielleicht liegt es aber auch an den nächtlichen Kühlschrankgängen…

Gut dagegen sind: Tee trinken, Massageöl auftragen oder im „Spiegel“ lesen. Wenn es schon Fünf war, habe ich manchmal auch einfach den Tag begonnen, bin aufgestanden und habe mich mit Kaffee in den Sessel gesetzt und ein Buch gelesen oder sogar am Schreibtisch die aktuelle Klassenarbeit oder Klausur weiter korrigiert. An solchen Tagen ist man dann allerdings spätestens um Eins stehend k. o.  und sollte auf keinen Fall längere Pausen im Arbeitsvormittag haben, weil einen sonst sofort eine Lawine von bleierner Müdigkeit überrollt. Ungünstig sind auch quicklebendige Unterstufenschüler oder verquatschte und giggelnde Pubertierende. Ideal dagegen ist die Kursstufe, weil man hier auf jeden Fall stets der Fitteste sein wird. Und falls nicht, wird man oft  verständnisvoll aufgemuntert. Als die Kinder klein waren und die Nächte anstrengend, fragten mich die Abis oft: „Na, auch zu lange weg gewesen?“ Dass man aus anderen Gründen nicht schlafen kann, hat man in dem Alter eher nicht auf dem Schirm. Manchmal befürchtete ich, durch mein abschreckendes Beispiel mit an der Geburtenarmut in Deutschland schuld zu sein. 

Jedenfalls habe ich mir heute einen Wecker gekauft und werde das Handy im Flugmodus in meine Nachttischschublade tun, in einen  anderen Raum schaffe ich noch nicht. (Handysucht, wie mein Tochter nüchtern konstatiert.) Ziel ist es, nachts nicht das Smartphone in die Hand zu nehmen, sondern nur aufs Klo zu gehen und dann einfach weiterzuschlafen. Ohne Umwege. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wenn Wechseljahre auf Pubertät treffen

…. dann gucken die Männer im Hause Mutter und Tochter hilflos zu und ducken sich weg.  So oder so ähnlich lautete mal der Text über einen Fernsehbeitrag zu der Reihe „36 Grad“ zu diesem Thema. 

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Damals fiel mit zum ersten Mal auf, dass das bei uns so sein würde: meine Wechseljahre würden mit der Pubertät meiner Tochter zusammenfallen. Jetzt sind wir beide etwas früher dran als gedacht und mittendrin in dem hormonellen Wahnsinn. Und was soll ich sagen? Es ist wider Erwarten bisher eher angenehm: Wir beiden heulen schnell und lachen schnell und kriegen schnell Zornesausbrüche und beruhigen uns schnell. Sieht von außen alles anstrengend aus wahrscheinlich, ist aber irgendwie vollkommen okay. Man hat nämlich immer das Gefühl, dass da jemand ist, der einem in seinem Wechselbädern der Emotionen nachvollziehen kann. Und das hatte ich zum Beispiel in meiner Pubertät zu Hause nie: Wie oft lag ich da abends heulend im Bett mit heißen Tränen und der verzweifelten Gewissheit, dass meine Mutter mich so gar nicht versteht.

Jetzt tröstet mich meine Tochter, wenn ich Liebeskummer habe oder ich sie, wenn ihre Haarfärbeexperimente mal daneben gingen. Wir sind irgendwie ein Mädelsteam geworden, vermutlich, weil bei uns die Jungs und die Mädels in der Familie sich nach der Trennung aufgeteilt haben. Bei Schülerinnen habe ich das auch schon beobachtet, dass die mit ihrer geschiedenen Mama ein Team sind und erstaunlich nett über ihre Mütter sprechen.

Natürlich nerven wir uns gegenseitig auch mal, wenn ich zum Beispiel zu sehr von meinem neuen Partner schwärme oder wenn meine Tochter praktisch zweimal die Woche einen neuen Haarfärbeplan hat. Aber dafür bin ich beim Scheitern meiner vorigen Beziehung (nach der Ehe wieder frisch auf dem Markt und verliebt wie mit 15) von meiner Tochter in den Arm genommen worden, wenn ich mal wieder tränenüberströmt und teeniehaft an der Welt verzweifelnd dasaß. („Ach Mama, der… ist doch eine Mülltonne, der findet nie wieder so eine tolle Frau wie dich!“) Sie ihrerseits kann darauf bauen, dass ich Verzweiflungs- und Zornesausbrüchen über das Elend des Schülerdaseins verständnisvoll begegne. („Ach komm, Schatz, in zwei Tagen ist schon Wochenende!“)

Schön auch die Momente, wo man gemeinsam vorm Fernseher heult oder sich beim Stofftierspielen schlapplacht. (Ja, wir haben einen Klugscheißer-Pinguin und einen ADHS-Tiger, mit denen wir quasi alle innerfamiliären Probleme von Hausaufgaben-Unlust bis Weltschmerz lösen.) Und was die vulkanartigen Heul- und Wutausbrüche  auf beiden Seiten betrifft, die sind bei uns mal größer und mal kleiner, aber immer schnell vorbei. 

Insgesamt, würde ich bis jetzt sagen: eine verrückte Zeit, aber eine intensive Zeit!

Nur Mut! – Vom polynesischen Segeln

Als ich in Kur war, hat der großartige Gunther Schmidt, uns, größtenteils Menschen, die in der Krise waren oder sie gerade überstanden hatten, zu dem ermuntert, was er polynesisches Segeln nannte: Einfach mal lossegeln und dann mal gucken, an welchen Inseln man so vorbeikommt.

Meine Schüler glauben ja mehrheitlich, alle Erwachsenen wüssten Bescheid. Hätten einen Plan. Und fühlen sich schrecklich, wenn sie den nicht haben.

Ich bin nach dem Abi rechtschaffen polynesisch losgesegelt, wie ich im Nachhinein feststellen muss. Ich habe Germanistik und Soziologie studiert, weil das das Ergebnis meines Durchforstens des großen grün-gelben Studienführers war. Ich dachte, ich versuche das mal, und meine Eltern haben mich machen lassen, haben mir vertraut. Dann habe ich gemerkt, das passt nicht, ich will nicht nur geschwollen daherlabern, ich will lieber Lehrerin werden und an der Basis arbeiten. Ich war mit einer netten Kommilitonin befreundet, die hatte noch Politologie. Da hingen coole Leute rum und schon studierte ich Politik und Deutsch auf Lehramt und hatte eine super Zeit mit den Leuten da. Die Freundin habe ich heute noch. Und der Lehrerjob erwies sich als echter Glücksfall. Glücklich auf einer Insel angekommen durch beherztes Lossegeln. 

Polynesisches Segeln heißt aber auch: Manchmal muss man sich trauen, einfach mal loszuziehen, um etwas zu verändern, weil man merkt, so wie es ist, geht es nicht mehr. Viele Menschen trauen sich nicht, weil sie tausend Wenn und Aber bedenken.

Ich persönlich hatte früher fürs Private durchaus einen Plan: mit Mitte Dreißig wollte ich Ehemann, Haus und zwei Kinder. Hat alles geklappt. Aber, wie es die eine Karte auf dem Tisch Kalender in der Kurklinik ganz treffend ausdrückte: „Es lief alles nach Plan, doch der Plan war scheiße.“ 

Irgendwann merkte ich, daß geht so nicht mehr, der Plan funktioniert für mich nicht. Bis ich mich traute, zu gehen, vergingen Jahre. Ich ging und was passierte? Weder drehte ich durch vor Überbelastung noch wurden meine Kinder gestört noch blieb ich allein. Es wurde unfassbarerweise alles gut. Ich bin glücklich auf einer neuen Insel angekommen. Was nicht heißt, dass nicht Klippen überwunden werden mussten, aber es hat sich gelohnt. Menschen, die ich nur flüchtig kenne, haben mir damals zu meinem Mut gratuliert, sie würden ja auch gerne was ändern, aber sie würden sich nicht trauen.

Wie viele Menschen stecken in etwas fest, in dem sie nicht mehr glücklich sind: ihr Job, ihre Beziehung, ihr Wohnort, was auch immer. Gerade in der Lebensmitte muss man sich manchmal, wie nach dem Schulabschluss, (nochmal) neu ausrichten und sich fragen: was will ich? Oder: will ich das noch? Und dann kennt man vielleicht nur eine grobe Richtung, wo es hingehen soll. Aber das reicht: Segel hoch und los!